Breitbandportal

Berliner Firmen beklagen langsames Internet

Mehr als 400 Meldungen gab es auf dem Breitbandportal des Senats. Die Erfassung könne aber nur ein erster Schritt sein, mahnt die IHK.

In Berlin haben viele Firmen noch immer nicht ausreichend schnelles Internet.

In Berlin haben viele Firmen noch immer nicht ausreichend schnelles Internet.

Foto: Uli Deck / dpa

Berlin. Nicht immer ist es so schlimm wie an diesen Tagen: Vor ein paar Wochen fiel in der Firma von Helmut Roth neben dem Telefon auch das Internet aus. Zwei Tage lang ging gar nichts mehr. Generell, sagte Roth, habe er bei seinem Unternehmen Berolina Elektronik aber Probleme mit dem Internet. Häufig ist die Verbindung so schlecht, dass selbst das Laden einfacher Seiten länger dauert. Roth, der mit seinem Betrieb Funktechnik konzipiert, verkauft und wartet, kann sich das kaum erklären.

Etwa 40 weitere Unternehmen sind in dem Gebäude am Teltower Damm in dem Bezirk Steglitz-Zehlendorf tätig, in dem auch seine Firma ihren Sitz hat. Die Nachfrage sei also eigentlich da. „Es besteht wohl seitens des Telekommunikationsunternehmens kein Interesse, uns anzuschließen“, mutmaßte Roth. Mit Blick auf das schlechte Internet sei er froh, dass die Wartungsdienstleistungen seines Unternehmens derzeit vor allem noch offline – also direkt beim Kunden – stattfinden.

Mehr als 400 Einträge auf Berliner Breitbandportal

Nicht nur bei der Berolina Elektronik GmbH reicht die Internetverbindung nicht aus. Über das Breitbandportal der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe meldeten bislang mehr als 400 Einzelpersonen und Unternehmen aus Berlin zusätzlichen Breitbandbedarf an. Die Zuständigkeit für das Portal liegt erst seit Ende November des vergangenen Jahres bei der Politik. Zuvor hatte bereits die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) Meldungen von Firmen gesammelt, die an ihrem jeweiligen Standort unter einer langsamen Internetverbindung leiden.

Das Angebot war auch eine Reaktion auf den lahmenden Breitbandausbau in Berlin. Nach Angaben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sind zwar mehr als 90 Prozent des Berliner Stadtgebiets an 50-Megabit-Leitungen angeschlossen. Laut einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer benötigt aber schon heute jedes dritte Berliner Unternehmen eine höhere Bandbreite, als aktuell zur Verfügung steht. Mehr als 70 Prozent der Firmen gaben an, dass sie eine Bandbreite von mehr als 100 Megabit pro Sekunde bräuchten. Für die Ausstattung mit schnellem Internet sind Unternehmen wie Telekom und Vodafone zuständig. Erst wenn die Firmen aus wirtschaftlichen Gründen auf die Investitionen verzichten, darf der Staat eingreifen und selber bauen.

Wirtschaftsverwaltung will Telekommunikationsunternehmen gezielter ansprechen

Seit der Übernahme des Portals durch die Wirtschaftsverwaltung seien nach Angaben der Behörde bis Ende Dezember des vergangenen Jahres 231 neue Meldungen hinzugekommen. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hält das für einen Erfolg. „Ich freue mich über den guten Start vom Berliner Breitband Portal. Schnelles Internet ist ein wichtiger Faktor für den Wirtschaftsstandort Berlin und für die gesamte Stadtentwicklung. Durch den direkten Dialog von Anbietern und Nachfragern, vermittelt durch das Breitband Portal, treiben wir den Netzausbau voran“, erklärte Pop gegenüber der Berliner Morgenpost.

Die gemeldeten Bedarfe werden, so die Wirtschaftsverwaltung, an die Telekommunikationsunternehmen weitergeleitet. Ziel sei, nun die Anzahl der Bedarfsmeldungen zu erhöhen, damit ein Ausbau für die Telekommunikationsunternehmen attraktiver werde. Darüber hinaus führe die Verwaltung „einen intensiven Dialog mit den in Berlin tätigen Netzbetreibern, um Ausbauhemmnisse zu identifizieren und systematisch zu reduzieren“, ließ Pop weiter mitteilen.

Gegenwind kommt von der FDP im Berliner Abgeordnetenhaus, die das Angebot für einen Flop hält. Die bisherigen Meldungen auf dem Breitbandportal seien angesichts der Größe Berlins kein guter Wert, kritisierte der digitalpolitische Sprecher der Fraktion, Bernd Schlömer. Er betonte, dass jetzt entscheidend sein werde, ob mithilfe des Portals auch ein echter unbürokratischer Zugang zum schnellen Internet für Unternehmen und Bürger erfolgen könne. Zudem sei die Datensammlung unvollständig. Laut Schlömer sollten etwa auch die Berliner Schulen ihre Bedarfe über das Portal melden können.

IHK: Schnelles Internet kein Luxus, sondern unabdingbar

Die IHK in Berlin sieht in dem Breitbandportal nur einen ersten Schritt. Schnelles Internet sei aber kein Luxus mehr, sondern für viele Unternehmen längst unabdingbare Basis für die geschäftliche Entwicklung, sagte Jörg Nolte, Geschäftsführer Wirtschaft und Politik der Kammer. „3D-Druck oder Anwendungen für vernetztes Fahren sind ohne entsprechende Gigabit-Versorgung nicht umsetzbar. Der nächste Schritt muss deshalb sein, auf Basis der Zahlen Gebiete mit strukturellen Versorgungsproblemen zu identifizieren und die im Haushalt bereits budgetierte Gigabitförderung zu starten“, erklärte Nolte.

Die IHK fordert zudem Zielvorgaben für Gigabit-Anschlüsse. „Das gibt den Telekommunikationsanbietern Planungssicherheit für Investitionen in den Breitbandausbau“, sagte Nolte. Zudem seien mit Blick auf den Breitbandausbau schnellere Antrags- und Genehmigungsverfahren in den Tiefbauämtern nötig. „Insbesondere bei bezirksübergreifenden Antragsverfahren zeigt sich Handlungsbedarf“, so Nolte. Bislang komme es oft zu unnötigen Verzögerungen und Bauunterbrechungen, beklagte er.