Nahverkehr

Pläne für 365-Euro-Ticket: Experte rät Berliner SPD ab

Michael Müller liebäugelt mit einer Jahresticket-Flatrate. Bei der SPD-Klausur rät der Chef des Münchner Verkehrsverbundes ab.

Straßenbahn in Berlin: Andere Städte experimentieren bereits mit dem 365-Euro-Ticket.

Straßenbahn in Berlin: Andere Städte experimentieren bereits mit dem 365-Euro-Ticket.

Foto: Thomas Schubert

Bei der SPD-Fraktionsklausur in Nürnberg hat ein als Referent geladener Experte dringend von der Idee des Berliner Regierenden Bürgermeisters Michael Müller für ein 365-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr abgeraten. Man habe selber diese Idee verfolgt, sagte Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer des Münchener Verkehrsverbundes (MVV), sie habe sich aber „verflüchtigt“.

Allein für München würde ein solches Jahresticket 600 Millionen Euro kosten, die für den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs fehlen würden. „Das Ticket können Sie sich schenken“, sagte der Gast aus der bayerischen Landeshauptstadt: „Das ist Unsinn.“

In Wien, wo die Jahreskarte für einen Euro pro Tag 2012 eingeführt worden war, habe sich der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr seitdem nicht erhöht. Mehr Menschen seien aber vorher auf Busse und Bahnen umgestiegen, weil die Stadt das Angebot verbessert und die Preise für das Parken in der City erhöht habe. „Das 365-Euro-Ticket hat nichts gebracht“, sagte der Münchner Verbund-Chef.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller hatte vergangene Woche von einer Initiative gesprochen, das 365-Euro-Ticket in Berlin einzuführen und Interesse an finanziellen Zuschüssen bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) angemeldet.