Umbenennung

Die Beuth Hochschule soll umbenannt werden

Die akademische Versammlung hat die Umbenennung beschlossen. Der Namenspatron Beuth gilt als Antisemit. Wie geht es weiter?

In Beton gegossen – auch über mögliche „Absolventenklagen“ beim Namenswechsel hat man sich schon Gedanken gemacht.

In Beton gegossen – auch über mögliche „Absolventenklagen“ beim Namenswechsel hat man sich schon Gedanken gemacht.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Kalaene

Berlin. „Beuth Hochschule für Technik Berlin“: Dieser Name ist nun Geschichte. Doch wie wird die Hochschule in Wedding künftig heißen? Wieder nach einer Person oder diesmal ganz anders? „Das kann man noch nicht sagen“, sagte Claudia Strohstein von der Pressestelle der Hochschule. Im Lauf des kommenden Sommersemesters werde die akademische Versammlung über einen neuen Namen beraten. „Es wird ein transparentes Verfahren“, so Strohstein. Bis der neue Name beschlossen ist, bleibt der alte aber auf Homepage und Briefköpfen erhalten. Ob man danach alles Material mit dem Beuth-Namenszug, das noch übrig ist, weiter nutzt oder entsorgt, sei auch noch offen. Vielleicht auch eine Geldfrage? Eine interne Kostenschätzung hatte vorher behauptet, eine Umbenennung könne die Schule bis zu 2,5 Millionen Euro kosten.

Nur 14 Mitglieder der akademischen Versammlung stimmten dagegen

Kosten hin- oder her: Die Zustimmung für die Umbenennung war am vergangenen Donnerstag eindeutig. Von den 45 Mitgliedern der akademischen Versammlung stimmten 30 mit „Ja“, nur 14 wollten den alten Namen behalten, ein Mitglied enthielt sich. Schon seit Jahren wird intensiv über eine Umbenennung diskutiert, zwei Symposien mit Fachleuten fanden deshalb statt.

Der preußische Beamte Christian Peter Wilhelm Beuth, der von 1781 bis 1853 lebte, war ein großer Verfechter der Ingenieurwissenschaften, tat viel dafür, sie in Preußen zu etablieren. Wie viele seiner Zeitgenossen hatte er allerdings auch antisemitische Züge, die durch Zitate belegbar sind. Die wiegen nun so schwer, dass Beuth nicht mehr als Namenspatron tragbar gilt. Man sei eine „weltoffene Schule“ mit Schülern aus 118 Nationen, die für Toleranz stehe. Oder, um es mit Hochschulpräsident Werner Ullmann zu sagen – man brauche einen Namen mit einer „zukunftsorientierten Perspektive“, nicht den belasteten Blick zurück.

„Die Entscheidung zeigt, dass der Zeitgeist offenbar eine Rolle spielt“

„Die demokratische Entscheidung der Hochschule ist zu respektieren, zeigt aber auch, dass der Zeitgeist offenbar eine Rolle spielt“, kritisierte nun Stefan Förster, wissenschaftspolitischer Sprecher der Berliner FDP-Fraktion. Gehe man so an die Geschichte ran, wie zuletzt die Beuth-Hochschule, dürfe es bald auch keine Wagner-Festspiele und keine Martin-Luther-Universität mehr geben. Beide Männer waren ausgesprochene Antisemiten. Auch Manfred Uhlitz, Vorstand des Vereins für die Geschichte Berlins, macht sich mit Blick auf Preußens führende Köpfe seine Gedanken. „Wo fängt man an, wo hört man auf?“, fragte er.