Asyl in Berlin

Senat erwartet dieses Jahr 7000 neue Flüchtlinge

In Berlin kommen deutlich weniger Flüchtlinge an. Weil aber zu wenige Unterkünfte entstehen, müssen sie länger in Containern leben.

Flüchtlinge mit Koffern und Plastiktüten gehen an Unterkünften vorbei (Archivbild).

Flüchtlinge mit Koffern und Plastiktüten gehen an Unterkünften vorbei (Archivbild).

Foto: Swen Pförtner / dpa

Berlin. Der Berliner Senat erwartet in diesem Jahr die Ankunft von rund 7000 Flüchtlingen – das sind erneut deutlich weniger als in den Krisenjahren 2015 und 2016. „Wir hatten in den vergangenen drei Jahren jährlich sinkende Zugangszahlen“, sagt der Chef des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), Alexander Straßmeir, im Interview der Berliner Morgenpost. „Für 2020 rechnet die Senatsverwaltung wie im Vorjahr mit 600 Personen im Monat, also etwas mehr als 7000 im Jahr.“ 2019 sei das Land etwas unter der Prognose geblieben.

Im vergangenen Jahr kamen Straßmeirs Angaben zufolge insgesamt 10.000 Menschen nach Berlin, 3700 von ihnen wurden aber in anderen Bundesländern untergebracht. Probleme bestehen nach wie vor bei der angemessenen Unterbringung. Weil zu wenige Modulare Unterkünfte fertiggestellt wurden, leben viele Flüchtlinge immer noch in Containerbauten. Die Standzeiten dieser „Tempohomes“ muss nun verlängert werden.

Deutsche sind weniger bereit, Flüchtlinge aufzunehmen

Insgesamt sinkt in Deutschland die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen. Mehr als vier Jahre nach der Flüchtlingskrise sind bei einer Befragung 42 Prozent der Wahlberechtigten der Ansicht, Deutschland solle künftig so viele Flüchtlinge aufnehmen wie derzeit. Das ergab eine Umfrage des DeutschlandTrends im ARD-Morgenmagazin.

40 Prozent der Befragten plädieren hingegen dafür, weniger Flüchtlinge als aktuell aufzunehmen. Jeder Zehnte (elf Prozent) findet, Deutschland sollte mehr Flüchtlingen Zuflucht gewähren. Vor vier Jahren waren demnach 37 Prozent für die Aufnahme gleich vieler Flüchtlinge, 33 Prozent für die Aufnahme von weniger und 22 Prozent für die Aufnahme von mehr Flüchtlingen.

Straßmeier wies Vorwürfe scharf zurück, das Land würde sich vor allem um Flüchtlinge kümmern und nichts für andere Bedürftige unternehmen. „Man darf nie die Bedarfsgruppen gegeneinander ausspielen“, sagte Straßmeir. „Der Senat baut ja Wohnungen, ob das ausreicht, hat mit der Flüchtlingsfrage erst mal gar nichts zu tun.“

Die Migration spielte am Freitag auch eine zentrale Rolle beim Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Istanbul. Dabei stellte Merkel weitere Hilfen der EU bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise in Aussicht. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die EU über die zweimal drei Milliarden Euro hinaus Unterstützung leistet“, sagte Merkel. Das, was die Türkei leiste, sei bemerkenswert.