Ausstellung

Von Menschen, die in Auschwitz geboren wurden

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Anna Lindermann
Nora Sbornik wurde im April 1945 in Auschwitz geboren. Ihre Geschichte ist Teil der Ausstellung.

Nora Sbornik wurde im April 1945 in Auschwitz geboren. Ihre Geschichte ist Teil der Ausstellung.

Foto: Eva Oertwig/IAK

Eine neue Ausstellung porträtiert Menschen, die im Konzentrationslager geboren wurden. Ihre Geschichten sind kaum bekannt.

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 eröffnete am Donnerstag in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand die Ausstellung „Geboren in Auschwitz“. Die Schau des internationalen Auschwitz-Komitees beleuchtet die Geschichten von Überlebenden, die in dem Konzentrationslager zur Welt kamen.

„Ich war mit 21 Jahren das erste Mal in Auschwitz und kann gar nicht beschreiben, wie tief beschämt und entsetzt ich war“, sagte Kurator Alwin Meyer. Daraufhin habe er angefangen, nach den überlebenden Kindern zu suchen und sie zu treffen.

Eine von ihnen ist die Ungarin Angela Orosz-Richt, die im Dezember 1944 in Auschwitz zur Welt kam. Das genaue Datum kenne sie nicht, weil die SS zu der Zeit ihrer Geburt eine Weihnachtsfeier veranstaltet habe. Obwohl die Betreuung von Säuglingen in Auschwitz fast unmöglich gewesen sei, hat sie bis zur Befreiung überlebt. Heute lebt Orosz-Richt in Kanada, ihre größte Mission dort sei es, Bildungsarbeit zu leisten. Immer wieder stelle sie fest, wie wenig junge Menschen über Auschwitz und den Zweiten Weltkrieg wüssten.

„Die wenigsten wissen über diese Kinder“

Auch Wladyslaw Osik betont, dass das Thema immer wieder in Erinnerung gerufen werden müsse. Osik wurde im Juli 1943 in Auschwitz geboren, es sei ein Wunder, dass er im Lager so lange überlebt habe. Die Geschichten von Orosz-Richt, Osik und den anderen Überlebenden seien bis heute kaum beleuchtet worden. „Die wenigsten wissen über diese Kinder“, sagt Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees. Die Ausstellung zeige ein fast unglaubliches Kapitel der Geschichte von Auschwitz.

Am 27. Januar 1945 waren etwa 650 Kinder und Jugendliche befreit worden, rund 60 von ihnen waren Säuglinge. Insgesamt wurden 232.000 Kinder nach Auschwitz deportiert, 216.000 davon waren jüdisch. Bis Mitte des Jahres 1943 wurden alle jüdischen Kinder im Konzentrationslager ermordet. „Für die Überlebenden ist der 75. Jahrestag der Auschwitzbefreiung kein Abschluss“, sagt Heubner. Rechtsextremismus und aufkommender Antisemitismus führe vielmehr zu Déjà-vu-Momenten und mache den Überlebenden große Angst.

„Geboren in Auschwitz“, bis 23. April, Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stauffenbergstraße 13-14, Tiergarten