Krankheit

Coronavirus: Wie sich Berlin auf den Ernstfall vorbereitet

Flughafen, Feuerwehr und Charité sehen keinen Grund zur Aufregung. Einzelne Infektionen mit dem Virus könne man aber nicht ausschließen

Coronavirus verbreitet sich weiter rasend schnell

Zehntausende Erkrankte und viele hundert Tote: Das Coronavirus hat sich über die ganze Welt verbreitet. In Teilen Chinas steht das öffentliche Leben still. Die Symptome ähneln einer Grippe.

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Berlin. Für den Fall eines Seuchenverdachts gibt es in Berlin mehrere bestehende Prozesse. „Natürlich ist man als großer Verkehrsflughafen auf sämtliche Fälle von Seuchenverdachtsfällen vorbereitet, so wie auch unsere Flughafenfeuerwehr jede Sekunde auf eine Notlandung vorbereitet ist“, sagt Daniel Tolksdorf, Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg.

Erscheint ein potenziell mit dem Coronavirus Infizierter in Schönefeld oder Tegel, würde er ganz grundsätzlich „natürlich isoliert und in Absprache mit dem Rettungsdienst und den zuständigen Amtsärzten ins Krankenhaus gebracht werden“, so Tolksdorf weiter. Im Zweifel würde man auch das Terminal räumen.

Zuletzt sei genau dieser Fall im vergangnen August in Tegel gemeinsam mit der Polizei, der Feuerwehr, der Bundeswehr, der Senatsgesundheitsverwaltung, dem Bezirk Reinickendorf und der Charité geübt worden. Dabei musste ein vorgeblich infizierter Patient unter Polizeischutz in einem speziellen Rettungswagen zur Behandlung in die Charité transportiert werden.

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Er hatte laut Versuchsanordnung nach der Ankunft plötzlich Symptome einer hochansteckenden Krankheit gezeigt. „Alle Maßnahmen haben dabei so gegriffen, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagt Tolksdorf.

Coronvirus: Infizierter am Flughafen eher unwahrscheinlich

Dass ein Infizierter an einem der Berliner Flughäfen auftaucht, ist laut dem Leiter des ärztlichen Dienstes der Berliner Feuerwehr, Stefan Poloczek, eher unwahrscheinlich. „Es gibt keine Direktverbindung in die betroffenen Regionen.“ Entsprechende Meldungen würde er eher aus Arztpraxen erwarten. „Natürlich haben wir das Coronavirus im Blick“, sagt Poloczek. „Wir haben bei uns keine Fähigkeitslücken festgestellt.“ Das habe sich zuletzt bei einem Fehlalarm gezeigt.

Gefährlich für Berlin sei das Coronavirus aber nicht, so der ärztliche Leiter weiter. „Und nicht jeder, der aus China kommt und einen Schnupfen hat, ist ein Verdachtsfall.“ Auch um Aufregung zu vermeiden, sei es wichtig, frühzeitig zu klären, ob eine Infektion vorliegt oder nicht. „Wir würden dann erst mal vor Ort erkunden, was dem Patienten fehlt und wo er genau war“, so Poloczek weiter. Konkret werde geprüft, ob die Symptome, die Inkubationszeit sowie die Reiseroute passen.

Luftdichter Rettungswagen zum Transport Erkrankter

Jeder Rettungswagen sei mittlerweile mit entsprechender Schutzkleidung ausgerüstet, so Poloczek weiter. Außerdem verfüge die Feuerwehr über ein spezielles luftdichtes Fahrzeug zum Transport entsprechend Erkrankter. „Wenn es wirklich ein ernsthafter Verdachtsfall wäre, ist die Charité die erste Adresse.“ Denn dort gibt es die Sonderisolierstation des Landes Berlin für hochgefährliche Erreger.

Die Charité sei für eine solche Situation gut aufgestellt, schreibt die Klinik in einer Pressemitteilung. „Verdachtsfälle können in sehr kurzer Zeit diagnostisch abgeklärt werden. Bei nachgewiesener Infektion würden diese Patienten isoliert.“ Eine Behandlung unter Isolierbedingungen sei auch in anderen Bereichen als der speziellen Station möglich. „Der Umgang mit den Patienten hinsichtlich Isolationsmaßnahmen wäre vergleichbar mit Patienten, die an einer resistenten Tuberkulose erkrankt sind.“

Auch die Charité warnt vor zu viel Aufregung. Einzelfälle seien zwar auch hier nicht auszuschließen. Aber: „Auf Basis der derzeitigen Ausbreitungslage des neuartigen Coronavirus in China ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit einem großen Ausbruch der Infektion hier in Deutschland zu rechnen.“