Ehrenzeichen

Drei Helden in Uniform - Das haben sie geleistet

In ihren Berufen sollen sie alle unserer Gesellschaft dienen. Einige der Beamten ragen mit ihrer Arbeit heraus. Wir stellen drei vor.

Drei Helden in Uniform: Susann B., Annett Balkon und Ali Khattab wurden geehrt.

Drei Helden in Uniform: Susann B., Annett Balkon und Ali Khattab wurden geehrt.

Foto: pa/Montage BM

Berlin. Am Montag haben etwa 230 Mitarbeiter der Berliner Polizei und der Feuerwehr das Ehrenzeichen für besondere Leistungen bekommen. „Es steht für herausragendes persönliches Engagement, für ausgezeichnete Arbeit, für Tatkraft“, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) bei der Veranstaltung im Kammermusiksaal der Philharmonie. „Jede und jeder unter Ihnen hat etwas Besonderes geleistet, allein oder mit Kollegen.“

Die Arbeit für die öffentliche Sicherheit in der Stadt sei keine einfache. Das Ehrenzeichen, 2018 erstmals vergeben, solle Tradition werden. Auch Familien und Freunde der Geehrten waren eingeladen. „Sie haben erheblichen Anteil an den Leistungen“, so der Senator. Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik und Landesbranddirektor Karsten Homrighausen nahmen Auszeichnungen vor.

Annett Balkon hat seit 24 Jahren Freude an der Arbeit und gibt Erfahrungen weiter

In den kommenden Jahren verstärkt die Berliner Polizei ihr Personal. Im Haushalt 2020/2021 sind für insgesamt 857 neue Stellen neue Kollegen vorgesehen. Bereits 2018/2019 sei die Behörde gewachsen, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) am Montag bei der Verleihung des Ehrenzeichens.

Damit die neuen Mitarbeiter auch aus den Erfahrungen der langjährigen Kollegen lernen können, ist der sogenannte „Wissenstransfer“ eingeführt worden. Annett Balkon ist Angestellte der Berliner Polizei, und sie arbeitet auf diesem umfassenden Gebiet. „Ich bin für den Wissenstransfer im Bereich der Bußgeldstelle verantwortlich“, sagt die 52-Jäh­rige. „Das heißt, ich bilde Kollegen aus.“ Das habe es in dieser Form in früheren Zeiten noch nicht gegeben. „Es kommen neue Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen zu uns, die zuvor nicht im Polizeidienst waren und die noch keine Kenntnis von der Gesetzes­lage haben.“

Doch auch viele Kräfte aus dem Polizeidienst, die das nötige Fachwissen in diesem Bereich noch nicht besitzen, werden von ihr geschult. Ein Ausbildungsdurchgang dauert un­gefähr zwei bis drei Monaten. Seit 2016 gebe es den "Wissenstransfer", sagt Annett Balkon. Sie selbst ist seit 2019 mit dieser Aufgabe betraut. Das Gebiet sei sehr umfangreich. „Die Gesetzeslage ist groß“, sagt sie.

Am Montag hat ebenfalls ihre Kollegin, die dieses Bildungskonzept mit ausgearbeitet hat, das Ehrenzeichen bekommen. Seit 24 Jahren ist Annett Balkon bei der Berliner Polizei beschäftigt. Hauptsächlich war sie in diese Zeit in der Bußgeldstelle eingesetzt. „Es macht mir Spaß“, sagt sie. „Sonst wäre ich nicht mehr hier.“

In seiner Freizeit rettet Ali Khattab einen verzweifelten Mann

Es passierte an einem Novembertag 2019, als der Brandmeister der Berliner Feuerwehr außer Dienst war. Ali Khattab war in Zivil unterwegs, wollte Brot kaufen. Da sah er einen Mann, der sich aus dem vierten Stockwerk eines Hauses in Kreuzberg stürzen wollte. Der Mann habe auf Arabisch geschrien, er sei verzweifelt, weil er Frau und Kinder verloren habe, erzählt Ali Khattab, der Palästinenser ist.

Er habe von der Straße aus mit dem Mann auf Arabisch gesprochen und versucht, ihn zu beruhigen und Vertrauen aufzubauen. Kurze Zeit später kamen Polizei, Spezialeinsatzkommando (SEK) und Feuerwehr hinzu. Der Brandmeister in Zivil hatte seinen Dienstausweis dabei und konnte ihn vorzeigen. „Ich war dann der Verbindungsbeamte.“ In einem Korb sei er mit der Drehleiter zum vierten Stock gelangt und habe stundenlang mit dem Verzweifelten gesprochen.

Schließlich kam das SEK zum Einsatz, der Mann konnte gerettet werden. Als Feuerwehrmann sei er häufig in Situationen, in denen es um die Rettung von Menschenleben geht, so der 36-Jährige. „Durch meine Muttersprache kann ich oft zur Beruhigung beitragen, wenn etwa Familien mit Migrationshintergrund betroffen sind.“ Seit 2004 ist Ali Khattab in Deutschland. 2011 wurde er eingebürgert. 2012 bis 2014 machte er seine Ausbildung bei der Berliner Feuerwehr.

Die junge Polizeikommissarin Susann B. verwirklichte ihren Kindheitstraum

Susann B. ist Polizeikommissarin. Sie arbeitet auf dem Abschnitt 54 in Neukölln an der Sonnenallee. Zusammen mit einem Kollegen hat sie im Februar 2019 das Leben eines Mannes im U-Bahnhof Schönleinstraße gerettet. Er war durch einen Messerstich in den Oberschenkel verletzt worden. „Wir haben gemeinsam ein Tourniquet angelegt“, erzählt die 30-Jährige, „ein System zum Abbinden von Gliedmaßen. Dadurch ist er nicht verblutet.“

Die junge Frau gehört zur Besatzung eines Funkwagens, und sie fährt täglich zu Einsätzen. Häufig sitzt sie auch selbst am Steuer. „Dabei muss man besondere Vorsicht walten lassen.“ Ihre Arbeit mache ihr Spaß, sagt sie. „Ich möchte nichts anderes machen im Moment.“ Im Ok­tober 2018 hat die Tempelhoferin ihre Ausbildung bei der Polizei beendet. Es sei eine aufregende Tätigkeit, sagt die Polizeikommissarin. „Kein Tag ist wie der andere.“

Zu ihrem Arbeitsalltag gehören allerdings auch schwierige Situationen wie zum Beispiel Festnahmen. „Wenn man gut vorbereitet ist, dann klappt auch das“, sagt die junge Frau. „Vor allem ist man nie allein. Die Arbeit im Team ist wichtig. Man verlässt sich auf den anderen Kollegen. Dadurch kann man viel sicherer handeln.“ Manchmal ist Susann B. acht Stunden am Tag im Dienst, manchmal sind es auch bis zu zehn oder zwölf Stunden.

Bereits in der Schulzeit habe sie dieser Beruf interessiert. Fuhr ein Polizeiauto vorbei, dann schaute das Mädchen mit leuchtenden Augen hinterher. „Es war wirklich ein Kindheitstraum.“ Susann B. hatte vor ihrer Zeit bei der Polizei einen anderen Job. „Dorthin würde ich nicht zurückwollen“, sagt sie.