Stadtjubiläum

U-Bahn, S-Bahn, IAA: Michael Müller gibt einen Ausblick

Beim Regierenden Bürgermeister weckt die Gründung Groß-Berlins vor 100 Jahren einen neuen Gestaltungswillen - vor allem im Verkehr.

Michael Müller mit dem neuen Logo zum Stadtjubiläum. Hinten umarmen sich die preußischen Prinzessinnen Luise und Friederike.

Michael Müller mit dem neuen Logo zum Stadtjubiläum. Hinten umarmen sich die preußischen Prinzessinnen Luise und Friederike.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Vor 100 Jahren wuchs Berlin über Nacht zu einer Weltmetropole heran. Mit dem Zusammenschluss der Landgemeinden und Nachbarstädte mit dem alten Berlin 1920 war die einst verschlafene Residenz mit einem Schlag die flächenmäßig zweit- und nach Einwohnern die drittgrößte Metropole der Welt. Kein Wunder, dass die aktuelle Politiker-Generation die Großtat des Oberbürgermeisters Adolf Wermuth als Ansporn sieht, die nach Weltkrieg, Teilung und Wiedervereinigung nun wieder erstehende Weltstadt in die nächsten goldenen Zwanzigerjahre zu führen.

Michael Müller zieht politische Parallelen zwischen 1920 und 2020

Der Regierende Bürgermeister hatte am Montag in die Säulenhalle des Roten Rathauses geladen, um das Programm der Jubiläumsfeierlichkeiten zu präsentieren und ein paar politische Parallelen zwischen 1920 und 2020 zu ziehen. Wie einst Wermuth verfolge er auch heute das Ziel, eine lebenswerte Metropole zu entwickeln – mit Wohnungsbau, Kultur, blühender Wissenschaft, vielen neuen Produkten und neuen Verkehrslinien, die die Teile der riesigen Stadt verbanden.

40 Kilometer U-Bahn habe Berlin in den 1920er Jahren gebaut, sagte Müller erstaunt. So etwas sei heute nicht denkbar, weil zu teuer. Aber zwei bis drei Strecken zu verlängern, dabei müsse man „vorankommen“, sagte Müller, obwohl er weiß, dass seine Koalitionspartner Grüne und Linke den U-Bahnbau kritisch sehen.

365-Euro-Ticket: Michael Müller meldete bei Verkehrsminister Andreas Scheuer Interesse an

Auch die Idee eines Jahrestickets für Busse und Bahnen zum Preis von 365 Euro erwähnte Müller. Er habe bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bereits das Interesse Berlins angemeldet, dabei sein zu wollen bei den vom Bund unterstützten Versuchen, den öffentlichen Nahverkehr weiterzuentwickeln. Dass auch hier die Koalitionspartner eine isolierte Preissenkung für das Jahresticket skeptisch beurteilen, ficht Müller an diesem Tag nicht an.

Die Bewerbung um eine runderneuerte Automobilausstellung IAA gehörte für den Sozialdemokraten in die Reihe der Zukunftsprojekte. Wo, wenn nicht in einer Millionenstadt, sollte die Branche neue Mobilitätskonzepte präsentieren und ausprobieren?, fragte der Regierende Bürgermeister. Am Donnerstag stellt er mit anderen Berliner Vertretern das Konzept beim Verband der deutschen Automobilindustrie vor.

Michael Müller: Berlin und Brandenburg bleiben eigenständige Bundesländer

Dass Berlin so wie damals seine Verwaltungsprobleme mit einer Strukturveränderung angehen könnte, sieht Müller eher nicht. Er glaube, dass Berlin und Brandenburg bis auf Weiteres eigenständige Bundesländer bleiben würden. Auch die Ebenen von Bezirken und Senat würden bleiben. Aber in der Organisation, bei der Aufgabenverteilung und den Zuständigkeiten gebe es „deutlich Luft nach oben“, so Müller.

Die Frage, ob es nicht nach damaligem Vorbild Sinn machen würde, komplett auf Berlin hin orientierte Vorstädte wie Falkensee oder Teltow einzugemeinden, gab Müller lieber gleich an den Vertreter des Architekten- und Ingenieurvereins, Tobias Nöfer, weiter. Der warb für ein anderes Verständnis für die Region, denn die Stadt wachse ohnehin entlang der Bahnstrecken sternförmig ins Umland. „Brandenburg ist kein Land mit einem Loch in der Mitte, und Berlin ist keine Insel.“