Geschichte

Die Hauptstadt feiert 100 Jahre Groß-Berlin

Berlin verdoppelte vor 100 Jahren die Zahl seiner Einwohner - quasi über Nacht. Damals wurde vieles möglich, was dem Regierenden Bürgermeister noch heute Respekt einflößt.

Berlin. Vor 100 Jahren gehörten Spandau und Steglitz noch nicht zu Berlin. Die Hauptstadt wurde quasi über Nacht zur Metropole, als etliche bis dahin selbstständige Städte und Landgemeinden mit dem am 27. April 1920 beschlossenen Groß-Berlin-Gesetz zusammengelegt wurden. Berlin feiert das mit einer Reihe von Ausstellungen und Veranstaltungen. Die Einwohnerzahl schnellte damals auf rund 3,8 Millionen empor, doppelt so viele wie zuvor - mehr hatten weltweit nur London und New York, wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montag bei der Vorstellung des Programms sagte. Mit Blick auf die Fläche war Berlin nach Los Angeles sogar die Nummer zwei.

Müller erinnerte daran, dass auch vor 100 Jahren Politik das Bohren dicker Bretter war: Gegen die Idee für ein Groß-Berlin gab es durchaus etliche Widerstände. "Es gab Vorortgemeinden wie Spandau und Zehlendorf, die nicht begeistert waren", sagte Müller. Und schon damals sei es der Anspruch gewesen, aus der neuen Metropole eine lebenswerte Stadt zu machen, etwa beim Wohnungsbau und dem öffentlichen Personennahverkehr. In den 1920er Jahren sei ein U-Bahn-Netz von 40 Kilometern Länge gebaut worden, so der Regierende Bürgermeister - "eine Aufsehen erregende Größenordnung".

Und was damals die Elektrifizierung gewesen sei, sei heute die Digitalisierung. "Berlin ist wieder die Stadt der Chancen und sollte die Stadt sein, die diese Chancen ergreift", sagte Müller und wies unter anderem auf das millionenschwere Großprojekt Siemensstadt 2.0 Spandau und die Urban Tech Republic hin, die auf dem Gelände des Flughafens Tegel nach dessen Schließung entstehen soll. Berlin sei in den 20er Jahren Impulsgeber und Vorreiter gewesen, sagte Müller. "Das ist, was wir uns auch für diese Jahre vorgenommen haben."

Dass Berlin in naher Zukunft mit Brandenburg fusioniert, hält Müller für unrealistisch. "Ich hoffe, dass die nächsten Politikergenerationen das Thema wieder aufgreifen können, dass es dann vielleicht zu einem gemeinsamen Bundesland kommt, jetzt in diesen Jahren nicht", sagte er. "Aber wir sind immer stärker eine Region, die zusammen lebt, die zusammen arbeitet, zusammen Erfolg hat."

An die Entstehung Groß-Berlins vor 100 Jahren erinnert zum Beispiel die zentrale Ausstellung im Märkischen Museum ab 26. April unter dem Titel "Chaos und Aufbruch - Berlin 1920/2020". Der Architekten- und Ingenieurverein zeigt im Kronprinzenpalais ab 30. September die Ausstellung "Unvollendete Metropole. 100 Jahre Städtebau für (Groß-)Berlin". Zahlreiche weitere Ausstellungen sind in den Bezirksmuseen geplant.