Flüchtlinge

Initiative sammelt Spenden für Flüchtlinge in Griechenland

Der Brandenburger Andreas Steinert sieht das Flüchtlingsleid auf den griechischen Inseln. Er startet einen Spendenaufruf und löst bundesweit Hilfsbereitschaft aus. In Bad Freienwalde wird weiter gesammelt.

Andreas Steinert, Unternehmer, steht in einem Lager voller Kartons und weißen Säcken voller Kleider.

Andreas Steinert, Unternehmer, steht in einem Lager voller Kartons und weißen Säcken voller Kleider.

Foto: dpa

Bad Freienwalde. In der großen Lagerhalle am Stadtrand von Bad Freienwalde (Märkisch-Oderland) herrscht hektische Betriebsamkeit. Gut ein Dutzend Frauen sortiert, was in Kartons und Säcken angeliefert wird: Warme Kinderbekleidung, Schuhe für Erwachsene, Decken und Zelte. Unternehmer Andreas Steinert koordiniert am Mobiltelefon Helfer und Hilfsgüter-Lieferungen. Der Bad Freienwalder hatte Weihnachten vergangenen Jahres einen Spendenaufruf für Flüchtlinge auf den griechischen Inseln über Facebook gestartet. Jetzt sind ihm zufolge die ersten Lastwagen mit den Hilfsgütern auf den Weg gebracht worden.

Auslöser dafür waren aktuelle Fernsehbilder aus einem Flüchtlingslager auf der griechischen Insel Samos, wo im Herbst 2019 nach Auseinandersetzungen ein Lager mit Hilfsgütern abgebrannt war. "Da lagen Mütter mit Kleinkindern nur spärlich bekleidet in der Kälte auf dem blanken Boden. Diese Aufnahmen ließen mich nicht mehr los", erzählt der 46-Jährige. Er habe die große Lagerhalle in Bad Freienwalde, könne einen Transporter mieten und einen Hilfstransport logistisch organisieren, sei es ihm durch den Kopf gegangen.

"Allerdings war ich anfangs skeptisch, ob ich den Laster voll bekommen würde", gibt er zu. Auf seinem Hof halten immer wieder Autos, die Nachschub bringen. Auch Postfrau Silke Lindenau räumt ihren gelben Transporter fast leer. "Das geht nun schon seit Tagen so. Die Pakete kommen aus der ganzen Bundesrepublik - Kassel, München, Hamburg", zählt sie auf.

Sein Aufruf hatte sich binnen weniger Tage in sozialen Medien verbreitet. "Als hätten die Leute nur darauf gewartet, dass einer den Anstoß gibt, damit sie helfen können", meint er. Die Spendenbereitschaft sei überwältigend, so dass Steinert gemeinsam mit einer Spedition bis Ende Januar gleich mehrere Hilfstransporte organisiert hat. Für die Finanzierung der Konvois würden die eingegangenen Geldspenden verwendet, sagt er. Die ersten beiden 40-Tonner waren nach seinen Worten vor einigen Tagen nach Griechenland gestartet. Weitere Sattelschlepper würden in den kommenden Tagen beladen.

Die Migrantenlager auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Kos und Leros sind völlig überfüllt und die Atmosphäre entsprechend verzweifelt und aufgeheizt. Aktuell leben dort laut griechischem Bürgerschutzministerium fast 42 000 Migranten. Viele Menschen schlafen dort auch im Winter auf dem Boden auf Kartons.

Dass sich an Steinerts Hilfsaktion inzwischen bundesweit Spender beteiligen, ist auch Miriam Tödter aus Berlin zu verdanken. Sie und ihr Lebensgefährte organisierten die inzwischen "Wir packen‘s an" genannte Initiative in der Hauptstadt mit mittlerweile vier Sammelstellen und nutzten zudem ihr Netzwerk in den Westen Deutschlands. Laut Tödter werden die Hilfsgüter zunächst auf die größere Insel Lesbos gebracht. Dort gebe es mehr Lagerkapazitäten. Von dort solle die griechische Partnerorganisation Attica Human Support die Spenden auf die kleineren Inseln wie Samos und Kos verteilen, berichtet sie.

Steinert und Tödter kennen sich eigenen Angaben nach über die Seenotrettungsorganisation "Sea-Eye". Der Bad Freienwalder war im Jahr 2017 für zwei Wochen im Mittelmeer im Einsatz, um schiffbrüchige Migranten zu retten, wie er erzählt. Die Berlinerin betreute die Seenot-Helfer psychologisch. "Wenn Du dieses Elend einmal persönlich erlebt hast, kannst Du nicht mehr wegschauen", sind sich beide einig.

Der Brandenburger Flüchtlingsrat begrüßt die gezeigte Solidarität der vielen Spender über die Landesgrenzen hinaus. "Dass ehrenamtlich Aktive allerdings staatliche Versorgungsaufgaben übernehmen müssen, weist auf ein Versagen der europäischen Regierungen hin", betont Sprecherin Inga Boecker.

Steinert hat beobachtet, dass durch seine Spendenaktion "das Gemeinschaftsgefühl wieder da" sei. "Kirchengemeinden haben sich gemeldet, Jugendgruppen und Angehörige Freiwilliger Feuerwehren", berichtet der Unternehmer, der ein Restaurant und ein Geschäft für Deko-Artikel betreibt. Anfeindungen und negative Kommentare im Netz seien die Ausnahme, da sei er positiv überrascht und aus seiner Zeit bei der Hilfsorganisation "Sea eye" Härteres gewohnt, sagt Steinert.

Bis zum 23. Januar werden in Bad Freienwalde noch Spenden angenommen. Wenige Tage später ist den Organisatoren zufolge der letzte Hilfstransport geplant. "Wir wollten ja schnelle Akuthilfe im Winter leisten und der ist dort dann vorbei", erklärt Tödter. Die humanitäre Spendenaktion habe auch einen politischen Nebeneffekt, glaubt sie. Die Situation der Flüchtlinge in Griechenland sei wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt.

Der Brandenburger Flüchtlingsrat appelliert laut seiner Sprecherin Boecker in diesem Zusammenhang erneut an Bundes- und Landespolitik, allein reisende Flüchtlingskinder aus Griechenland unverzüglich aufzunehmen. Kommunalpolitiker bundesweit fordern Möglichkeiten und Mitspracherechte für die unkomplizierte Aufnahme von im Mittelmeer geretteten Migranten. Der Gruppierung "Sichere Häfen" gehören bereits 120 Städte an, die sich mit diesen Flüchtlingen solidarisch erklären und zum Teil auch ausdrücklich Menschen aufnehmen wollen.