Kunstwettbewerb

Kinderkunst: Wie die Jugend Berlins Umweltprobleme beklagt

„Wir Berlin“, die Klax Kinderkunstgalerie und die Berliner Morgenpost rufen einen Wettbewerb aus. Mit 500 Euro Preisgeld.

Verbündete im Sinne von Umweltschutz und Kreativität: Beate Ernst von Wir Berlin (l.) und Julia Ehnie, die Leiterin der Klax Kinderkunstgalerie.

Verbündete im Sinne von Umweltschutz und Kreativität: Beate Ernst von Wir Berlin (l.) und Julia Ehnie, die Leiterin der Klax Kinderkunstgalerie.

Foto: Thomas Schubert

Berlin. Wenn der Fernsehturm lebendig wäre, er hätte sich längst ergeben – so sieht es zumindest Lara. Mit erhobenen Händen wächst das Berliner Wahrzeichen auf einem Gemälde der Sechstklässlerin aus einer Tonne hervor. Um den Behälter herum lagern schwarze Säcke voller Unrat. Die Stadt versinkt im Müll, die Welt ächzt unter den Umweltsünden – und die Kinder? Sie nehmen es nicht hin. Sie malen dagegen an. Und messen sich in einem Kunstwettbewerb, der nun erstmals in Kooperation mit der Berliner Morgenpost eine Neuauflage feiert.

Ausstellung in der Klax Kinderkunstgalerie eröffnet – neuer Wettbewerb läuft an

Laras Bild ist Teil einer ganzen Serie von Malaktionen, die die Klax Kinderkunstgalerie und die Initiative „Wir Berlin“ seit drei Jahren gemeinsam gestalten. Die jüngsten Beispiele der Serie „Kein Platz für Müll“ sieht man seit Sonnabend in den Galerie-Räumen an der Schönhauser Allee. Und auf dem Fernsehturm-Gemälde ist es so, wie auf vielen anderen Exponaten: die Sinnbilder Berlins und die Tierwelt exotischer Landstriche verfallen gleichermaßen in Trübsal – ein Handlungsappell an die Erwachsenen.

„Das Bewusstsein der Kinder für Umweltprobleme wächst enorm, nicht erst seit der "Fridays for Future"-Bewegung. Die Berliner Jugend brennt förmlich für das Thema“, sagt Beate Ernst von „Wir Berlin“. Kunstwettbewerbe sieht die Initiative als eine kreative Ergänzung zum Engagement beim jährlichen World Cleanup-Day, wenn Hunderte Säuberungsaktionen im Stadtgebiet unter der Regie des Vereins stattfinden.

Teilnehmer des Wettbewerbs sollen auf DIN-A3-Bilder zeigen, wie man Wasser sauber hält

Bis zum 3. April können jetzt Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren für die nächste Serie des Kunstwettbewerbs „Kein Platz für Müll“ einfallsreich gestaltete Plakate einsenden. Dabei gilt inhaltlich einen besonderer Schwerpunkt: „Haltet das Wasser sauber“, ist die Aktion betitelt. Alles, was auf ein DIN-A3-Plakat passt, ist zugelassen. Für Schulklassen und Jugendeinrichtungen, die sich beteiligen wollen, stellt die Berliner Morgenpost diesmal einen Sonderpreis von 500 Euro für das beste Projekt in Aussicht. Alle Teilnehmer des Plakatwettbewerbs bearbeiten mit beliebigen Mitteln die gleiche Frage: Was kann jeder Einzelne tun, um Seen, Flüsse und Meere von Müll zu befreien?

Für die aktuelle Schau schickten Berliner Kinder 1150 Bildern ein. Beim nächsten Wettbewerb könnte sich die Zahl leicht verdoppeln. Denn „Wir Berlin“ hat neben der Morgenpost noch einen weiteren prominenten Akteur dazu gewonnen: den Berliner Zoo. Also wird die Kunst demnächst zwischen Gehegen stattfinden. „Kinder bringen Umweltprobleme oft mit Tieren in Verbindung“, sagt Ernst.

Besucher der Kinderkunstgalerie können Berlin aus Müll nachbauen

Was gute Kinderkunst mit Sinn für die ökologische Krise ausmacht? Zum Beispiel das Bewusstsein für die ungewöhnliche Nutzung von Wegwerf-Artikeln, meint Galerie-Leiterin Julia Ehnie. „Man braucht nicht immer etwas Neues kaufen. Und was man vor allem nicht kaufen braucht, ist Plastik“, spannt sie den Bogen von Kunst zum Recycling. Passend dazu dürfen Besucher der Klax Kinderkunstgalerie in den nächsten Wochen an einem Tisch Berlin nachbauen. Mit Müll. Leere Eierkartons, Klopapierrollen, Getränkedosen, überschüssige Flugblätter der Ausstellung – alles, was ansonsten im Abfalleimer landen würde, kommt als Baustoff gerade recht. Auf der Facebook-Seite von Klax wird Julia Ehnie über den Konstruktionsfortschritt berichten.

Beim Basteln schweift der Blick der Besucher über die Wände. Und findet geradezu poetische Kompositionen: „Meine Träne ist der einzige noch saubere Tropfen im Meer“, erklärt ein mit Müll vollgefressener Wal, der auf einem Bild durchs Wasser gleitet. Auch das eine Wirkung der Kunst: Wer Bilder malt, findet Worte.

Anmeldeformulare bei Klax in der Schönhauser Allee 58A, oder auf der Internetseite www.wir-berlin.org/plakatwettbewerb2020.