Kriminalität

Angriff auf Büro: Solidarität mit SPD-Abgeordnetem Diaby

Mehrere Einschusslöcher in der Scheibe des Bürgerbüros des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby sorgen für Entsetzen. Die Kanzlerin spricht mit ihm. Und er appelliert an die Gesellschaft.

Angela Merkel unterhält sich mit den SPD-Abgeordneten Karamba Diaby und Yasmin Fahimi.

Angela Merkel unterhält sich mit den SPD-Abgeordneten Karamba Diaby und Yasmin Fahimi.

Foto: dpa

Halle/Berlin. Nach dem Angriff auf das Bürgerbüro des SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Politiker Unterstützung zugesagt. Merkel redete während der Debatte über die Organspende im Bundestag am Donnerstag kurz mit Diaby. Dabei habe sie ihm ihre Unterstützung signalisiert, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Der Angriff auf das Büro des SPD-Politikers löste große Bestürzung aus. Allein in sein Bürgerbüro in Halle kamen nach Angaben eines Sprechers am Donnerstag gut 40 Menschen - um Hilfe anzubieten oder Blumen zu bringen. "Es gibt viel Zuspruch", sagte er, auch telefonisch und schriftlich.

Der im Senegal geborene, schwarze SPD-Bundestagsabgeordnete schrieb auf Twitter, er sei zutiefst dankbar für die Solidarität, die er von Tausenden von Menschen erhalten habe. "Ihr gebt mir Kraft und Mut." Diaby hatte zudem angekündigt, sich auch nicht von diesem Angriff einschüchtern zu lassen. Unbekannte hatten Diabys Büro schon 2015 am vorherigen Standort in der Stadt mit Steinen attackiert. Der Bundestagsabgeordnete berichtete zudem von persönlichen Anfeindungen durch Hass-Mails.

Im Südwestrundfunk (SWR) Aktuell rief Diaby die Gesellschaft dazu auf, sich noch stärker gegen Gewalt zu positionieren. Gewaltbereite seien eine Minderheit. "Trotzdem sollten wir sie nicht kleinreden. Es sollte wirklich ernst genommen werden, dass Gewalt in der Gesellschaft momentan eine Dimension erreicht hat, bei der wir als Gesamtgesellschaft deutlich machen müssen, dass wir das nicht zulassen", sagte er laut einer Mitteilung des Radiosenders.

Der Sprecher der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten, Frank Junge, erklärte, in Zeiten, in denen Populismus und Hetze um sich greife, gelte es Menschen, die sich jeden Tag für eine vielfältige Demokratie engagierten, den Rücken zu stärken. Mit Solidaritätsbekundungen allein sei es aber nicht getan. Junge forderte Programme wie "Demokratie leben!" weiter zu unterstützen.

Die SPD in Halle erklärte: "Solche Anschläge sind Anschläge auf die Demokratie und unsere Stadt als Ganzes." Diese Attacke zeige eine neue Qualität der Gewalt gegen Personen des öffentlichen Lebens. "Jetzt und in Zukunft müssen wir alle zusammenstehen für eine solidarische und freiheitliche Gesellschaft", sagte der SPD-Vorsitzende in Halle, Andreas Schmidt.

Die Polizei hat nach eigenen Angaben noch keine Hinweise auf den oder die Täter. "Die Auswertung der Spuren dauert an", sagte eine Sprecherin. Polizei und Staatsschutz ermitteln. Laut Polizei wurden am Mittwoch mehrere Einschusslöcher an einem Schaufenster von Diabys Bürgerbüro entdeckt. Projektile wurden nicht gefunden. Nach Angaben von Mitarbeitern des Büros waren es fünf. Verletzt wurde niemand. Das Büro in der Innenstadt sei bei dem Angriff nicht geöffnet gewesen.