Berlin-Mitte

Unfall auf Grunerstraße: Anklage gegen Polizisten erhoben

Bei dem Unfall mit einem Streifenwagen vor zwei Jahren wurde eine 21 Jahre alte Frau getötet. Der Beamte hatte 1,1 Promille Alkohol.

Bei dem Unfall in der Grunerstraße in Mitte ist die 21-jährige Fabien Martini ums Leben gekommen.

Bei dem Unfall in der Grunerstraße in Mitte ist die 21-jährige Fabien Martini ums Leben gekommen.

Foto: Thomas Peise

Berlin. Zwei Jahre nach dem Unfall auf der Grunerstraße in Mitte, bei dem die 21 Jahre alte Fabien Martini getötet worden war, hat die Berliner Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben. Der Polizeibeamte Peter G. muss sich vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung und Gefährdung des Straßenverkehrs durch Alkohol am Steuer verantworten. „Es ist keine Trunkenheitsfahrt angeklagt“, sagte die Sprecherin der Berliner Strafgerichte, Lisa Jani. Juristisch sind das zwei unterschiedliche Straftaten, wobei eine Anklage wegen Trunkenheit für Staatsanwaltschaft durch die Beweise nicht gedeckt schien. Gefährdung durch Alkohol wiegt aber schwerer.

Hauptkommissar G. war am 29. Januar 2018 mit dem Streifenwagen auf dem Weg zu einem gemeldeten Raubüberfall mit dem Kleinwagen der jungen Frau aus Reinickendorf kollidiert. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beamte unter Alkoholeinfluss mit einer Geschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde unterwegs war, sagte eine Sprecherin. Er habe Martinis Wagen zu spät gesehen und sei dann mit circa 93 Kilometern pro Stunde in das Fahrzeug der 21-Jährigen gekracht. Die junge Frau starb noch am Unfallort, der Beamte wurde leicht verletzt.

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Martinis Eltern, die als Nebenkläger auftreten, möchten sich derzeit nicht öffentlich zur Anklage äußern. Für den zweiten Todestag ihrer Tochter in zwei Wochen planen sie eine Mahnwache am Unfallort. Auf der einen Seite seien sie froh, dass die Ermittlungen nun endlich abgeschlossen sind, sagte ihr Anwalt Matthias Hardt. Er nannte das, was die Staatsanwaltschaft jetzt vorgelegt habe aber eine „halbklamme Entschuldigungsklage“ und eine „konsequente Fortführung der schlechten Ermittlungen“. Dabei zweifelte der Nebenklägeranwalt lange daran, dass der Alkoholwert überhaupt eine Rolle in der Anklage spielen könnte. Allerdings deute der in der Anklage beschriebene Vorgang laut Hardt auf einen Vorsatz hin, nicht auf Fahrlässigkeit. Er fordert neben den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfen auch eine Anklage wegen Fahrerflucht und Trunkenheit am Steuer.

Tödlicher Unfall an der Grunerstraße soll als Verkehrsdelikt verhandelt werden

Unmittelbar nach dem Unfall war bei G. zunächst keine Alkoholkontrolle durchgeführt worden. Etwa ein Jahr nach dem Unfall sickerte jedoch ein anonymer Hinweis durch: Dem Beamten sei später im Virchow-Klinikum der Charité Blut abgenommen worden. Eine Stunde nach dem Unfall hatte G. demnach noch 1,1 Promille Alkohol im Blut. Seither stehen Vertuschungsvorwürfe im Raum. Die Patientenakte wurde beschlagnahmt. „Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass man dieses Beweismittel im Verfahren verwerten kann“, sagte die Sprecherin.

Der Fall soll als Verkehrsdelikt vor dem Amtsgericht Tiergarten verhandelt werden. Der Anwalt der Familie Martini fordert allerdings, dass der Prozess vor dem Landgericht stattfindet. Das ist dem Amtsgericht übergeordnet. Aus Justizkreisen erfuhr die Berliner Morgenpost, dass die Zuständigkeitsfrage nicht abschließend geklärt sein soll. Es soll auch die Möglichkeit eines sogenannten erweiterten Schöffengerichts geben, dem zwei statt nur ein Richter vorstehen.

G. war bereits im vergangenen Juli wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe von 1700 Euro verurteilt worden. Kurz zuvor hatten Ermittler bei einer Hausdurchsuchung zwei Schlagringe bei ihm gefunden.