„Bifold“

Künstliche Intelligenz in Berlin: Neues Zentrum entsteht

Am Salzufer in Berlin fusionieren zwei bestehende Forschungszentren für Künstliche Intelligenz zu dem neuen Institut „Bifold“.

Auf den Spuren von Big Data: Anja Karliczek (CDU), Bundesforschungsministerin, Volker Markl, Direktor des Bifold (l.), Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin (2.v.l.), Klaus-Robert Müller (M.), ebenfalls Direktor des Bifold, und Thomas Wiegand, Executive Director des Fraunhofer Heinrich Hertz Instituts.

Auf den Spuren von Big Data: Anja Karliczek (CDU), Bundesforschungsministerin, Volker Markl, Direktor des Bifold (l.), Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin (2.v.l.), Klaus-Robert Müller (M.), ebenfalls Direktor des Bifold, und Thomas Wiegand, Executive Director des Fraunhofer Heinrich Hertz Instituts.

Foto: Laessigdavid

Berlin.  Das Computerhirn lag ziemlich daneben. Die Maschine scannte Michael Müllers Gesicht und ordnete dann dem Regierenden Bürgermeister das Alter „Ende 20“ zu. Das amüsierte den Sozialdemokraten. „Da sieht man, dass bei der Künstlichen Intelligenz noch Luft nach oben ist“, sagte der 55-Jährige.

Die KI zu verbessern, wird eine der wichtigen Aufgaben für Berliner Wissenschaftler sein. Müller und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) waren am Mittwoch ans Salzufer in Charlottenburg gekommen, um das Fundament für einen neuen Forschungsleuchtturm zu legen.

KI-Forschungszentren an TU fusionieren

Zwei bestehende KI-Forschungszentren an der Technischen Universität (TU) bündeln ihre Kräfte und fusionieren unter dem Namen „Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data“ (Bifold), zu deutsch: Institut für die Grundlagen des Lernens und Daten. Das eine Institut hat sich bisher mit großen Datenmengen befasst, das andere mit maschinellem Lernen.

Schon bisher hat der Bund Geld dazu gegeben. Jetzt stockt das Forschungsministerium seine Förderung um 18 Millionen Euro auf und gibt 32 Millionen Euro für die KI-Forschung zwischen 2019 und 2023 aus. „Wir wollen die Besten der Welt hierherholen“, sagte die Ministerin.

Land Berlin finanziert weitere Professuren

Das Land Berlin finanziert acht zusätzliche Professuren, um Big Data, maschinelles Lernen und andere Themen der Künstlichen Intelligenz voranzubringen. 3,5 Millionen Euro sind dafür im Doppelhaushalt eingeplant.

Müller freute sich über die Hilfe des Bundes: „Die Bundesregierung hat erkannt, dass es in Berlin eine Grundlage gibt, um gemeinsam erfolgreich zu sein“, sagte der Regierende. Jedes zweite neue Unternehmen im Bereich der KI sei in Berlin angesiedelt in Berlin.

Karliczek lobte Berlin als „Stadt der Chancen“. Müller saß zufrieden lächelnd daneben. Berlin ergreife diese Chancen auch, fügte der hinzu. Der Regierende kündigte an, in der Zukunft in neuen Räumen das Thema KI konzentrieren und für die Menschen leichter erfahrbar machen zu wollen. Wie zu hören war, wird dafür ein eigenes Gebäude in der City-West geplant. Details sind aber noch geheim.

Öffentliche und private Investitionen bei drei Milliarden Euro

Insgesamt hat der Bund im Rahmen seiner KI-Strategie die Förderung von 64 Millionen Euro jetzt verdoppelt und finanziert auch an anderen deutschen Universitäten KI-Zentren. Insgesamt bezifferte die Ministerin öffentliche und private Investitionen in die Künstliche Intelligenz auf drei Milliarden Euro. Die Wissenschaftler sind gleichwohl der Meinung, dass der Staat in diesem zentralen Zukunftsfeld nicht genug tue.

Im Vergleich etwa zur Medizin werde die KI-Forschung eher stiefmütterlich behandelt, hieß es am Rande der Veranstaltung. Tatsächlich steckt der Bund allein in das Berliner Institut für Gesundheitsforschung an der Charité pro Jahr fast zehnmal soviel Geld wie in den neuen KI-Leuchtturm.

Künstliche Intelligenz wird sich immer mehr durchsetzen

Die KI werde das Leben der Zukunft immer stärker durchdringen, machten die Experten bei der Präsentation deutlich. Digitale Medizin, Mobilität, Gesichtserkennung, Vorhersage von Überflutungen – die Einsatzbereiche gehen ineinander über. Ministerin Karliczek wies aber auf ein Imageproblem hin: Der Begriff Künstliche Intelligenz sei für viele Menschen „angstbehaftet“, sagte die Christdemokratin. „Deshalb muss Deutschland führend werden in Entwicklung und Vermarktung vertrauenswürdiger KI.“ Das werde in der Zukunft ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sein, ist Karliczek überzeugt.

TU-Präsident Christian Thomsen betonte die Bedeutung staatlich geförderter Forschung. Man dürfe die Entwicklung intelligenter Systeme nicht allein privaten Unternehmen überlassen. „Die Frage, wie Algorithmen funktionieren, ist total wichtig“, sagte Thomsen. Unternehmen legten das jedoch nicht offen. Berlin verfüge über die nötigen intellektuellen Ressourcen, um in der Künstlichen Intelligenz voran zu kommen. Die Stadt sei der ideale Standort für das Thema.

Im neuen Institut wird die Kombination von Big Data und maschinellem Lernen möglich

Professor Volker Markl, einer der beiden Direktoren des neuen Bifold, lobte die Kombination von Big Data und maschinellem Lernen, die im neuen Institut möglich werde. Es gehe darum, die Algorithmen in ganz realen Anwendungen zu verarbeiten. Sein Co-Direktor Klaus-Robert Müller sagte, Deutschland brauche dringend Experten für das maschinelle Lernen. Der Hochschullehrer beschrieb das große Interesse von jungen Leuten am Thema KI und lobte das Land, das die Ausbildungskapazitäten mit neuen Professuren erweitere. Vor einigen Jahren saßen in seiner Vorlesung 50 Studierende. Inzwischen seien 637 registriert.

Zumindest was die Bilderkennung angeht, zeigten die im Showroom „Digitale Technologien“ des Heinrich-Hertz-Instituts präsentierten Projekte Verbesserungsbedarf. Nicht nur beim Alter des Regierenden Bürgermeisters lagen die Maschinen daneben. Mit einem Foto des bärtigen Fußballstars Mohammed Salah vom FC Liverpool kam das System gar nicht klar. Der Ägypter sei weiblich, eine Frau und trage lange Hosen, sagte der Computer.

Die KI sei ja vielfach noch nicht alltagstauglich, kommentierte selbst die Forschungsministerin solche Fehlleistungen. Das hänge vor allem davon ab, welche Daten ins System eingepflegt und wie mit diesen gearbeitet werde, antworteten die Experten. KI-Systeme sollten ja auch keine selbstständigen Entscheidungen treffen, sondern die Menschen dabei unterstützen.