Gericht

Prozessauftakt: Falsche Polizisten betrügen Senioren

Im Prozess um eine Betrugsserie mit falschen Polizisten am Telefon hat eine 28-jährige Angeklagte gestanden.

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand (Symbolbild).

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Unter den zahlreichen Möglichkeiten von Kriminellen, an das Geld anderer Leute zu gelangen, ist sie die wohl perfideste Betrugsmasche. „Falsche Polizisten“ überreden überwiegend betagte Senioren, ihnen Geld und Wertsachen zeitweise zu überlassen. Zur Sicherheit, wie die Gauner jedes Mal betonen. Die Opfer sehen ihr Eigentum allerdings nie wieder. Eine Beteiligte an diesem schmutzigen Geschäft muss sich seit Montag vor dem Landgericht verantworten. Der 28-jährigen Jessica W. wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug sowie Geldwäsche vorgeworfen.

Eines wird schnell klar, kaum das der Prozess gegen die junge Frau begonnen hat. Jessica W. ist nur ein ganz kleines Licht in der kriminellen Organisation, die mit großem Erfolg alte Menschen um ihre Habe bringt. Sie arbeitete zunächst als „Geldkurier“, später dann als „Abholerin“. Acht Taten, ein Bruchteil der Fälle, die der Bande vorgeworfen werden, konnten der jungen Frau zugeordnet werden. Die legt dann auch gleich ein umfassendes Geständnis ab. Die Liebe zu einem anderen Mitglied der Bande habe sie zu ihren Taten veranlasst, schildert W. dem Gericht.

Falsche Polizisten rufen aus Callcenter in der Türkei Senioren an

Die Masche lief nach dem immer gleichen Prinzip ab. Von einem Callcenter in der Türkei wurden ältere Berlinerinnen und Berliner angerufen. Die Anrufer gaben sich als Polizisten aus und verstanden es geschickt, den Angerufenen Auskünfte über ihre finanzielle Situation zu entlocken. Wurde jemand als geeignetes Opfer erkannt, erzählten ihm die falschen Polizisten eine hanebüchene Geschichte über einen Einbruch, der bei dem Angerufenen geplant war.

Vorsorglich sollten die Opfer daher ihre zu Hause gelagerten Geldbestände und Wertsachen in Sicherheit bringen. Ein Kollege oder eine Kollegin käme vorbei, um die Wertsachen in Empfang zu nehmen. Sobald die Einbrecher gefasst seien, sollten die Betroffenen ihr Eigentum zurück erhalten, betonten die Anrufer. So simpel und unglaubwürdig die Geschichten der falschen Polizisten auch klingen mag, sie funktioniert leider immer noch.

Zu den Aufgaben der Angeklagten gehörte es, das Hab und Gut der Opfer abzuholen und einem anderen Bandenmitglied zu übergeben. Bevor sie diese Tätigkeit übernahm, verdingte sich Jessica W. als „Geldkurier“, sie brachte die Beute in die Türkei. Sie habe viel zu spät bemerkt, dass sie von dem Bandenmitglied, in das sie sich verliebt haben, nur ausgenutzt wurde, sagte die Angeklagte auf die Frage, warum sie nicht früher ausgestiegen sei.

Wenn Polizei und Staatsanwaltschaft gehofft hatten, über die Angeklagte Informationen zu weiteren Bandenmitgliedern, den Drahtziehern und die genaue Arbeitsweise der Kriminellen zu erhalten, wurden sie zumindest am ersten Prozesstag enttäuscht. Jessica W. kannte offenbar nur die wenigen Komplizen, mit denen sie direkt zu tun hatte.