Bildung

Immer mehr Quereinsteiger an Brennpunktschulen

Die Grundschulen haben zunehmend Quereinsteiger in ihren Kollegien – manche Schulen kriegen kaum noch „echte“ Lehrer zu Gesicht.

An Berliner Grundschulen gehören Quereinsteiger inzwischen zum Alltag – dabei gilt die Schulanfangsphase als herausfordernd

An Berliner Grundschulen gehören Quereinsteiger inzwischen zum Alltag – dabei gilt die Schulanfangsphase als herausfordernd

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Zunehmend ballen sich Quereinsteiger an bestimmten Schulen und in bestimmten Bezirken der Stadt. Das ergab eine Anfrage des Abgeordneten Joschka Langenbrinck (SPD) im Berliner Abgeordnetenhaus. So gibt es inzwischen sieben Grundschulen in der Hauptstadt, an denen der Anteil von Quereinsteigern bei über 30 Prozent liegt. Die höchste Quereinsteigerrate hat momentan die Gottfried-Röhl-Schule in Wedding mit 36 Prozent – bei dem Kollegium mit 45 Pädagogen befinden sich rund 16 Kollegen im Quereinstieg. Alle sieben Schulen mit den höchsten Quoten lagen letztes Jahr noch bei einem Quereinsteiger-Anteil zwischen 15 und 27 Prozent. Das zeigt, wie schnell sich die Quote weiter erhöhen kann. Inzwischen haben 38 weitere Schulen eine Quereinsteigerquote zwischen 20 und 29 Prozent.

64 Prozent der Quereinsteiger unterrichten im Grundschulbereich

Um ein Gefühl für die Veränderung zu kriegen: im Schuljahr zuvor – 2018/19 – gab es noch keine Schule mit einem Quereinsteigeranteil über 30 Prozent, dafür 29 Schulen mit einem Anteil zwischen 20 und 29 Prozent. Die Gefahr für solche Schulen ist, dass dort zunehmend die Mischung aus voll ausgebildeten Pädagogen und quereinsteigenden akademischen Fachleuten – ohne pädagogische Ausbildung – nicht mehr stimmt. Insgesamt unterrichten 2043 Quereinsteiger an Berlins Schulen, 64 Prozent davon im Grundschulbereich. Besonders häufig findet man Quereinsteiger in den Schulen der Bezirke Spandau, Neukölln, Lichtenberg, Reinickendorf und Mitte. Das sind alles Bezirke mit einer größeren Zahl an Brennpunktschulen.

„Die Konzentration an einzelnen Schulen und vor allem in sozialen Brennpunkten geht nicht“, richtete deshalb Langenbrinck an die Adresse der Bildungssenatorin Sandra Scheeres, seiner Parteigenossin. Und forderte sie auf, den Einsatz des Lehrpersonals an den Schulen stärker zu steuern, damit die Bildungsgerechtigkeit gewahrt bleibe.

„Ohne Quereinsteiger gäbe es in Berlin mehr Unterrichtsausfall und größere Klassen“

In der Senatsbildungsverwaltung selbst arbeitet man mit Hochdruck an einem „Konzept zur Verteilungsgerechtigkeit“. Allerdings: „Die Maßnahmen zur zentralen Steuerung befinden sich noch in der Abstimmung“, sagte der Sprecher der Bildungssenatorin, Martin Klesmann. Klar sei aber, ohne Quereinsteiger werde es in den nächsten Jahren nicht gehen. „Dann gäbe es in Berlin mehr Unterrichtsausfall und größere Klassen. Das kann keiner wollen.“

Dirk Stettner, bildungspolitischer Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, sprach von einem „politischen Armutszeugnis“. Auf das Konzept müsse man nicht warten, denn die Senatorin Scheeres habe ein „Umsetzungsproblem“. Höher als 20 Prozent dürfe an keiner Schule der Quereinsteigeranteil sein. Paul Fresdorf, Bildungsexperte der FDP-Fraktion in Berlin, meinte: „So kann und darf es einfach nicht weitergehen.“