Prozess

Orkan O. stach im Club zu, um Kontrahenten einzuschüchtern

Ein Streit in einem Wilmersdorfer Club eskalierte. Ein 28-Jähriger musste nach einem Messerstich durch eine Not-OP gerettet werden.

Der Angeklagte Orkan O. am Montag im Landgericht.

Der Angeklagte Orkan O. am Montag im Landgericht.

Foto: Olaf Wagner

Rasende Eifersucht, verletzte Ehre und viel Alkohol – diese Kombination hätte einem Streit in einem Wilmersdorfer Club beinahe ein tödliches Ende beschert. Am Ende blitzte ein Messer, ein 28-Jähriger kam zur Notoperation in ein Krankenhaus und ein 22-Jähriger landete auf der Anklagebank. Am Montag begann vor dem Landgericht der Prozess gegen den Messerstecher. Versuchten Mord wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

Orkan O. drängte sich in VIP-Bereich

„Exzessive Nächte“ verspricht der Club an der Joachimsthaler Straße auf seiner Internetseite. Besonderes exzessiv muss es in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli vergangenen Jahres zugegangen sein. Alles begann damit, dass der Angeklagte Orkan O., Deutscher türkischer Herkunft, sich in den so genannten VIP-Bereich des Clubs drängte und ungefragt an einem bereits von mehreren Personen besetzten Tisch Platz nahm.

Sofort begann O. das Gespräch an sich zu ziehen, und das in einer Lautstärke, bei der auch die Gäste an den anderen Tischen noch an der „Unterhaltung“ teilhaben konnten. Aufforderungen, leiser zu sprechen oder andere Gäste nicht zu belästigen, ignorierte der Angeklagte komplett.

Streit im Berliner Club: Orkan O. zieht Messer aus der Tasche

Aus dem Streit wurde alsbald eine Rangelei zwischen dem Angeklagten und dem späteren Opfer. Dann, so berichteten mehrere Zeugen, habe O. unvermittelt ein Messer aus der Tasche gezogen und dem 28-Jährigen blitzschnell einen Stich in den Brustkorb versetzt.

Rettungskräfte brachten den Schwerstverletzten in eine Klinik, wo die Ärzte stundenlang und letztlich mit Erfolg um das Leben des 28-Jährigen kämpften.

Orkan O. stach zu, um 28-Jährigen einzuschüchtern

Zum Prozessauftakt gestand der Angeklagte in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung den Messerstich, bestritt aber jede Tötungsabsicht. Das Messer habe er gezogen, weil sein Kontrahent ihm körperlich überlegen gewesen sei. Und zugestochen habe er lediglich, um den 28-Jährigen einzuschüchtern.

Das Opfer sei ihm gegenüber äußerst arrogant aufgetreten, er habe sich von ihm zurückgewiesen und verletzt gefühlt, erklärte der Angeklagte. Besonders getroffen haben muss ihn die Aufforderung, sich irgendwo anders in der Lokalität einen Platz zu suchen, so jemand wie er passe nun einmal nicht in einen VIP-Bereich.

Den gezielten Stich in den Brustkorb begründete O. damit. dass er offenbar im Eifer des Gefechts einmal unkontrolliert zugestochen habe. Der Prozess wird am 20. Januar fortgesetzt, insgesamt sind vier Verhandlungstage vorgesehen.