Protest am Montag

Fridays for Future demonstriert an Berliner Siemens-Standort

Die Klimaschutz-Bewegung kündigt Proteste in 15 Städten gegen die Beteiligung von Siemens an einem Kohleminen-Projekt in Australien an.

Trotz Protesten: Siemens beteiligt sich weiter an Kohle-Projekt in Australien

Siemens-Chef Joe Kaeser hat die Entscheidung per Twitter verkündet: Der Konzern werde die vertraglichen Verpflichtungen erfüllen. Das Unternehmen soll eine Schienensignalanlage in einer der größten Kohleminen der Welt bauen.

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Berlin. Mit bundesweiten Demonstrationen erstmals auch am Montag protestiert die Klimaschutzbewegung Fridays for Future gegen die Entscheidung von Siemens, an seiner Beteiligung an einem gigantischen Kohleförderprojekt in Australien festzuhalten. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte via Twitter erklärt, der Konzern habe alle möglichen Optionen geprüft, müsse sich aber an seine vertraglichen Verpflichtungen halten.

In Berlin protestierten die Klimaschützer vor dem Siemens-Standort an der Huttenstraße gegen Kaesers Entscheidung. „Hopp hopp hopp - Kohlestopp“ brüllten rund 100 "Fridays for Future"-Aktivisten.

„Wir sind hier weil der Chef von Siemens eine schlechte Entscheidung getroffen hat. Die Beteiligung abzusagen, wäre eine gute Chance gewesen sich klimafreundlicher zu positionieren“, sagt der 16 Jahre alte Oscar Gilbert. „In Australien brennt eine Fläche so groß wie die Niederlande. Das macht Siemens Beteilung besonders bösartig.“

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Quang Pasch, Aktivist aus Berlin, sagte: „Die aktuelle Lage in Australien zeigt, dass wir mitten in der Klimakrise stecken. Joe Kaesers Beteiligung am Kohle Projekt Adani unterstreicht die unmoralische Verantwortung des Wirtschaftsunternehmen Siemens. Wir im globalen Norden missachten weiterhin die Lebensgrundlage der indigenen Menschen. Dies können wir nicht so einfach hinnehmen.“

Für "Fridays for Future" Berlin gibt es laut Pressesprecher Leonard Stephan nur eine Möglichkeit: „Siemens muss alles machen, um aus dem Vertrag rauszukommen. Joe Kaeser muss sich nicht nur seiner Verantwortung derVertragspartner gegenüber, sondern auch den Menschen auf dieser Erde gegenüber bewusst werden.“ Ziel der Kundgebungen sei vor allem, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, so Stephan.

Neben "Fridays for Future" Berlin demonstrierten vierzehn weitere Ortsgruppen der Bewegung vor Siemensgebäuden unter anderem Frankfurt, Köln, Hamburg und München.

Luisa Neubauer spricht von "desaströser Entscheidung"

Fridays-for-Future-Sprecherin Luisa Neubauer warf Kaeser eine „historische Fehlentscheidung“ vor. Er habe sich gegen das Pariser Klimaschutzabkommen, gegen die zukünftigen Generationen und „nicht zuletzt gegen die Klimaschutz-Reputation von Siemens“ entschieden. Darum werde am Montag vor Siemens-Sitzen in zahlreichen Städten gegen die „desaströse Entscheidung“ protestiert.

Der deutsche Großkonzern hatte im Juli 2019 den Auftrag für die Schienensignalanlage der Adani-Mine im australischen Bundesstaat Queensland unterzeichnet. Siemens-Chef Kaeser kündigte Mitte Dezember an, die Beteiligung an dem Projekt auf den Prüfstand zu stellen. Zuvor war er nach eigenen Angaben nicht über den „sehr kleinen“ Auftrag mit einem Volumen von 18 Millionen Euro informiert gewesen.

Der australische Premierminister Scott Morrison betreibt eine Pro-Kohle-Politik und unterstützt energisch das Carmichael-Projekt. Australien ist der größte Kohle-Exporteur der Welt. (mit AFP)

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