Feuerwehr und Polizei

Immer mehr schwere Angriffe auf Einsatzkräfte in Berlin

200 Gewalttaten gegen Feuerwehrleute wurden im vergangenen Jahr in Berlin registriert. Jeder Fall wird zur Anzeige gebracht.

Fünf Fragen an Berlins Landesbranddirektor Karsten Homrighausen

Beim Redaktionsbesuch bei der Berliner Morgenpost hat Berlins Feuerwehrchef, Landesbranddirektor Karsten Homrighausen, noch einmal eine Bilanz der Silvesternacht gezogen.

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Berlin. Die Gewalt gegen Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr steigt in Berlin weiter an: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Berliner Feuerwehr 200 Angriffe auf Einsatzkräfte. Das sagte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Die Schwere der Attacken habe deutlich zugenommen, so Homrighausen. Jeder Angriff werde angezeigt, erklärte der Berliner Feuerwehrchef. Man verfolge eine „Null-Toleranz-Strategie“, denn, so Homrighausen: „Angriffe auf Feuerwehrleute und andere Rettungskräfte sind nicht tolerierbar.“ Die Behörde erfasst erst seit 2019 Attacken auf ihre Mitarbeiter.

Der jüngste Angriff ereignete sich am Wochenende. Ein Feuerwehrmann außer Dienst, aber durch seine Uniform erkennbar, wurde am Sonnabend gegen 18 Uhr am U-Bahnhof Prinzenstraße in Kreuzberg von fünf bis sechs Jugendlichen geschlagen und getreten. Der 38 Jahre alte Feuerwehrmann kam mit Kopfverletzungen in ein Krankenhaus und konnte seinen Dienst nicht antreten.

Feuerwehr in Berlin: Wieder zahlreiche Angriffe auf Rettungskräfte an Silvester

Auch in der vergangenen Silvesternacht war es wieder zu teilweise gefährlichen Angriffen auf Einsatzkräfte und Fahrzeuge der Feuerwehr gekommen. Es gab nach Behördenangaben 24 Übergriffe, davon 20 mit Pyrotechnik. Dabei wurden drei Feuerwehrleute verletzt. Ein besonders schwerwiegender Vorfall ereignete sich in Neukölln an der Sandstraße. Dort versuchten mehrere Personen, gewaltsam die Tür eines Löschfahrzeugs zu öffnen und mit Schreckschusswaffen hineinzuschießen. In Pankow wurde ein Löschfahrzeug massiv mit Pyrotechnik beschossen, ein Rettungswagen später durch Beschuss mit Schreckschusswaffen beschädigt.

Homrighausen, der seit August 2018 im Amt ist, nannte Silvester die für die Berliner Feuerwehr „schwierigste und herausforderndste Nacht des Jahres“. So war es auch zum Jahreswechsel vor zwei Wochen. Von 19 Uhr am Silvesterabend bis um 6 Uhr am Neujahrsmorgen musste sie 617 Brände bekämpfen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 40 Prozent. Landesbranddirektor Homrighausen: „Wir waren mit unseren Ressourcen an der Belastungsgrenze.“ Die Feuerwehr verzeichnete 1523 Einsätze und damit deutlich mehr als im Vorjahr (1448). Zum Vergleich: An regulären Tagen bewältigt die Feuerwehr 1400 Einsätze in 24 Stunden.

Berliner Feuerwehr bekommt mehr als 800 neue Stellen

Die Berliner Feuerwehr erhält nach vielen Jahren mit Einsparungen nun mehr als 800 neue Stellen – über die kommenden vier Jahre. Es sei aber eine große Herausforderung, alle Bewerber für diese Stellen auch auszubilden, sagte Feuerwehrchef Homrighausen. Der Fokus liege jetzt auf der Berliner Feuerwehr- und Rettungsakademie. Eine zeitgemäße und leistungsfähige Ausbildung am Standort Schulzendorf im Bezirk Reinickendorf sei nicht mehr möglich. Es gebe für den seit Langem geplanten Neubau auf dem Gelände des dann geschlossenen Flughafens Tegel keine Alternative, so Homrighausen. Dort sehe er die besten baulichen Voraussetzungen. Bis zur Nutzung in Tegel sollen interimsweise ein Lehrsaalgebäude in Modulbauweise und eine Übungshalle in Schulzendorf entstehen. Der Senat hat die Gelder für diese Baumaßnahmen schon bewilligt.

Angriffe gibt es aber nicht nur auf Feuerwehrleute. Jeden Tag werden auch durchschnittlich 19 Polizisten Opfer einer Gewalttat, erklärte die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik am Wochenende. Diese Taten haben sich 2019 auf knapp 7000 summiert. Das sei gegenüber dem Vorjahr ein leichter Anstieg. „Zudem werden Kolleginnen und Kollegen immer wieder beleidigt, bedroht und beschimpft“, kritisierte die Polizeipräsidentin.