Fashion Week in Berlin

Mode als Motor für die Berliner Wirtschaft

Die Berliner Fashion Week startet wieder und spült rund 120 Millionen Euro in die Kassen von Händlern, Hoteliers und Gastronomen.

Berlin als Modehauptstadt: Zweimal im Jahr macht das die Fashion Week möglich.

Berlin als Modehauptstadt: Zweimal im Jahr macht das die Fashion Week möglich.

Foto: Eventpress Golejewski / picture alliance / Eventpress

Berlins Wirtschaftsverwaltung geht durch die fünftägige Modeveranstaltung Fashion Week, die am Montag startet, von zusätzlichen Einnahmen für Gewerbetreibende in der deutschen Hauptstadt in Höhe von 120 Millionen Euro aus. Von den Mode-Touristen würden unter anderem Hotels, Gastronomie, Einzelhandel, Taxigewerbe und weitere Dienstleister profitieren, so ein Sprecher des Senatsverwaltung.

Die genannte Höhe der Mehreinnahmen bezieht sich den Angaben zufolge auf jeweils eine Ausgabe der Fashion Week. Das Modetreffen in der Hauptstadt findet allerdings zweimal jährlich statt: In der Januar-Woche präsentieren die Designer ihre Ideen für die Herbst-/Winterkollektionen 2020/2021. Bei der zweiten, im Juli stattfindenden Fashion Week stehen in Berlin dann die Modetrends für die Frühjahr-/Sommersaison 2021 im Mittelpunkt. Die gesamten durch die Fashion Week ausgelösten Einnahmen für die Berliner Wirtschaft betragen demnach bis zu 240 Millionen Euro, sagte der Sprecher.

In dieser Woche werden etwa 70.000 Fachbesucher zur Berliner Fashion Week erwartet – darunter Designer, Einkäufer von Modehäusern, Models und Mode-Journalisten. Im Fokus stehen neben der Präsentation von Kollektionen nationaler und internationaler Designer auch Messen, Konferenzen und nachhaltige sowie fair produzierte Mode.

Die Berliner Fashion Week stehe für erfolgreiche Messeformate, medienwirksame Modeschauen, Talentförderung sowie die Präsentation nachhaltiger und innovativer Geschäftsmodelle, so Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) vor dem Start der Modetage. „Die Vielfalt an Formaten zeigt: Berlin kann auf beeindruckende Weise mit den anderen Modestädten mithalten. Die Modewoche hat sich international etabliert und trägt zur guten Entwicklung der Berliner Modewirtschaft bei“, erklärte Pop weiter.

Rund 3100 Modeunternehmen sind in der Stadt ansässig

Tatsächlich hat sich die Branche in Berlin in den vergangenen Jahren nachhaltig etabliert. Nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung sind rund 3100 Unternehmen im Bereich Mode tätig, dazu zählen aber auch die zahlreichen Shops der nationalen und internationalen Modemarken in der Stadt. Etwa 25.400 Arbeitnehmer sind für Firmen in Berlin tätig.

Von 2016 auf 2017 waren die Umsätze der hiesigen Branche um 14 Prozent auf rund 6,3 Milliarden Euro gestiegen. Neuere Zahlen liegen nicht vor. Inzwischen dürften die Erträge aber weiter gewachsen sein. Das Land Berlin hatte die Branche mit Blick auf die Fashion Week in den vergangenen Jahren auch finanziell unterstützt.

Seit 2007 seien über Zuschüsse und Beteiligungen, so die Wirtschaftsverwaltung, bereits mehr als zehn Millionen Euro geflossen. Geld gab es unter anderem für die Anschubfinanzierung von Veranstaltungen. Mittlerweile stehen vor allem Präsentationsmöglichkeiten für Designer, das Erschließen neuer Märkte sowie Unterstützung von Start-ups mithilfe von Mentoring, Workshop-Programmen und Wettbewerben im Vordergrund, erklärte ein Sprecher weiter.

An der Höhe der Förderung hatte es in der Vergangenheit aber auch Kritik gegeben. Der Berliner Mode- und Design-Experte Andreas Murkudis hatte die Unterstützung der öffentlichen Hand noch 2018 als „Tropfen auf den heißen Stein“ bezeichnet. Vor allem eine wirksame Anschubfinanzierung für Designer in Berlin fehle.

„In unserer jungen Metropole entstehen neue Trends, Berliner Labels drängen nach vorn und sind erfolgreich. Die starken Trends Innovation und Nachhaltigkeit – von Fashion Tech bis Eco-Fashion und Kreislaufwirtschaft – finde ich hochspannend“, sagte Wirtschaftssenatorin Pop nicht nur mit Blick auf die neue Förderung.

Grüne Mode und Upcycling werden in Berlin immer wichtiger

Grüne Mode und das sogenannte Upcycling – also das Umwandeln von Abfallprodukten in neuwertige Produkte – gewinnt auch in Berlin zusehends an Bedeutung. Immer mehr Berline Modelabels, so die Wirtschaftsverwaltung, würden bei den Produktion ihrer Kleidung Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen. Darunter seien Labels wie Benu Berlin, Philomena Zanotti, Schmidttakahashi und Ewa Herzog. Innerhalb der Fashion Week findet mit der Neonyt Trade Fair (14. bis 16. Januar im Hangar 4 des Flughafens Tempelhof) zudem die weltweit größte Messe für nachhaltige Mode statt.

Mit diesen Events hat die Modewoche den Verlust der zwischenzeitlich sehr populären Messe Bread & Butter wettgemacht. Anfang der 2000-er Jahre hatte der Unternehmer Karl-Heinz Müller die Schau für Jeans- und Alltagsmode in Köln gegründet und war dann nach Berlin gezogen. Nach einem Intermezzo in Barcelona kehrte Müller 2009 in die Hangars des Flughafens Tempelhof um. Im Laufe der Jahre jedoch verlor die Messe ihre Attraktivität. 2015 ging die Bread & Butter pleite. Man hatte es nicht vermocht, sich an neue Trends der schnelllebigen Branche anzupassen.

Inzwischen ist hingegen die Kreislaufwirtschaft in den Fokus der Modeindustrie gerückt. Unternehmen wie die Berliner Plattform „Design for circularity “ und das in der Hauptstadt ansässige Portal Kleiderkreisel fördern nachhaltiges Handeln – nicht nur innerhalb der Industrie, sondern auch beim Verbraucher. Das 2008 gegründete Unternehmen Kleiderkreisel etwa verkauft, kauft und tauscht gebrauchte Klamotten mittlerweile in zwölf Märkten weltweit. Inzwischen ist die Community aus Menschen, die ihren Kleidungsstücken ein zweites Leben gibt, auf 25 Millionen Nutzer angewachsen. Tendenz weiter steigen – dank eines neuen Umweltbewusstseins der Verbraucher.