Modemetropole Berlin

Berlin Fashion Week verspricht spektakuläre Shows

Am 13. Januar beginnt die Berlin Fashion Week. Veranstalter Marcus Kurz über den neuen Standort Kraftwerk und den Fokus der Modewoche.

Auf der Fahion Week sind die Designs für das kommende Modejahr zu sehen (Archivbild).

Auf der Fahion Week sind die Designs für das kommende Modejahr zu sehen (Archivbild).

Foto: picture-alliance / global-MET / picture-alliance / global-MET/global-MET

Berlin. Nach dem Zelt am Brandenburger Tor, einem Ausflug ins Erika-Heß-Eisstadion in Wedding, einer Episode im Kaufhaus Jandorf in Mitte und zwei Jahren im E-Werk an der Wilhelmstraße hat die Berliner Fashion Week im Kraftwerk an der Köpenicker Straße eine neue Heimat gefunden. Auf zwei Etagen soll die Modewoche sich noch mehr für interessierte Berliner öffnen. Welche neuen Schwerpunkte der Veranstalter Nowadays außerdem in den kommenden Jahren setzen möchte und wie er den Standort Berlin als Modemetropole sieht, erklärt Geschäftsführer Marcus Kurz.

Berliner Illustrirte Zeitung Die Berliner Agentur Nowadays ist seit zwei Jahren Partner von Mercedes-Benz als Veranstalter der Fashion Week und damit Nachfolger des US-Unternehmens IMG. In welchem Zustand haben Sie die Modewoche übernommen, was hat sich seitdem getan?

Marcus Kurz Wenn ich noch ein bisschen weiter zurückdenke, etwa ins Jahr 2014/2015, dann würde ich sagen, dass wir damit zu kämpfen hatten, dass der erste Hype um die Berliner Fashion Week etwas abgeklungen war. Einige wichtige Labels, so wie Strenesse, Escada und Hugo Boss, die wir hier gerne gesehen haben, hatten sich verabschiedet. Nach einer langen Episode, in der die Berliner Fashion Week in der Branche und bei Journalisten gut angenommen wurde, haben diese Marken entschieden, sich international auszurichten. Nach New York oder in Richtung des wachsenden asiatischen Markte. Damit fiel eine modische Speerspitze weg, und der Nachwuchs war noch nicht hinreichend aufgestellt, um diese Lücke zu füllen. Also mussten wir uns Gedanken machen. Ich würde nicht sagen Sorgen, denn als Messestandort war Berlin weiterhin sehr stabil. Den Versuch, wieder eine modische Speerspitze zu etablieren, haben wir erfolgreich mit dem Berliner Modesalon unternommen.

Den es mittlerweile nicht mehr gibt. Bedeutete der Wegfall dieses Aushängeschildes eine Schwächung des Standortes?

Wir müssen keinen Hehl daraus machen, dass der Berliner Modesalon ein sehr wichtiges Format war, um den Fokus auf junge Mode aus Deutschland zu richten. Der Wegfall ist eine Schwächung, wenn auch eine kurzfristige. Wir sind dabei, über eine neues, ebenso wertiges Format nachzudenken. Wir haben jetzt Platz für neue Ideen. Welche, das wird sich zeigen. Wir werden das Thema aber in unserer neuen Location, dem Kraftwerk, komprimieren. Dort können wir einer größeren Auswahl von Designern die Möglichkeit geben, ihre Entwürfe auch unabhängig von Shows zu präsentieren. Wir haben beispielsweise die neue Plattform Local Heroes für Berliner Designer, die ihre Kollektion als Installation zeigen. Das nimmt den Fokus weg von der Show, hin zur Mode. Wir haben in dieser Saison mit Südafrika zudem erstmals eine Gastnation. Das werden wir auch im Sommer fortführen und hoffen, dass dadurch ein internationaler Austausch entsteht.

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Wo liegen für Sie heute die Stärken der Berliner Fashion Week?

In jedem Fall bei unserem Fokus auf Nachwuchstalente. Ein zentraler Punkt war für uns außerdem, die Fashion Week für den Endkonsumenten zu öffnen, der heute durch Social Media sehr nah an den Designern und Trends ist. Wir streamen deshalb alle Schauen live und lassen die Endkonsumenten bis zu einem gewissen Grad auch in die Location. Das war vorher nur mit einer Einladung möglich. Dadurch hat sich ein ganz neuer Stil ergeben. Die Designer sind viel nahbarer, indem wir online Hintergrundinformationen, Interviews und Backstage-Berichte veröffentlichen. Dazu passt auch eine authentische, urbane Location, die gar nicht riesig sein muss. Im E-Werk, einem ehemaligen Umspannwerk, hatten wir bereits zwei Hallen, in denen die Designer neben den Schauen ihre Kollektionen auch installativ präsentieren konnten.

Die Fashion Week findet in der kommenden Woche erstmals im Kraftwerk Berlin statt. Ist die Location als dauerhafte Lösung gedacht?

Als Veranstaltungsagentur haben wir eine Schwäche für neue, unentdeckte Locations. Das haben wir in den vergangenen Jahren an wechselnden Orten umgesetzt. Leider wurde die Luft in dieser Hinsicht ein bisschen dünn, außer man fährt raus nach Oberschöneweide. Wir wollten auf keinen Fall ein Zelt, und als wir das E-Werk gefunden haben, war das für die Zeit des Neuanfangs genau richtig. Wir konnten den Außenbereich bespielen und die Fashion Week für die Berliner öffnen. Nach zwei Jahren sind wir dort aber aus allen Nähten geplatzt. Dann hat sich die Möglichkeit mit dem Kraftwerk ergeben. Es war schon lange unser Wunsch, die Fashion Week dort zu veranstalten. Das ist wirklich das nächste Level. Als Showlocation ist das Kraftwerk perfekt, man kann wahnsinnig viel mit Licht inszenieren und muss nichts verbauen, um es spektakulär aussehen zu lassen. Mit der About You Fashion Week wird das im Sommer sogar noch größer. Für zwei Jahre ist das Kraftwerk in jedem Fall unser fester Veranstaltungsort.

Sie sagen, ein zentrales Anliegen war es, die Fashion Week für die Endkonsumenten zu öffnen. Wurde das gut angenommen? Der Berliner meckert ja gern ...

Wenn, wie in Zeiten des Zeltes, wochenlang eine Straße gesperrt wird, kann ich den Unmut der Berliner sogar verstehen. Das fällt mit dem Kraftwerk weg. Wir können aktuell nicht mehr machen, als den Zugang anzubieten. Das ermöglichen wir mit dem Ground Floor, mit Projektionen der Schauen, Installationen und einer Fotoausstellung von Armin Morbach. Bisher wurde unser Angebot, bei der Fashion Week dabei zu sein, digital noch weitaus stärker angenommen als vor Ort, aber wir machen weiter die Tür auf und laden die Berliner ein.

Die Berliner Illustrirte Zeitung ist das Wochenend-Magazin der Berliner Morgenpost.

Über die Berlin Fashion Week

Mit der Mercedes-Benz Fashion Week (MBFW) steht Berlin eines der ersten Großereignisse des neuen Jahres ins Haus. Vom 13. bis zum 15. Januar 2020 präsentieren über 30 Designer und Labels bei 15 Schauen ihre Kollektionen für den Herbst/Winter 2020 erstmalig im Kraftwerk an der Köpenicker Straße in Mitte.

Zu den Labels, die dort ihre Ideen präsentieren, gehören Sportalm Kitzbühel, Riani, Irene Luft Couture, Lena Hoschek und Rebekka Ruétz. Zum Abschluss feiert Altmeister Wolfgang Joop mit einem neuen Konzept eine Weltpremiere.

Die Fashion Week steht im Untergeschoss des Kraftwerks allen Berlinern offen. Dort gibt es Looks der Designer aus Berlin und des Gastlandes Südafrika zu bewundern und alle Schauen live im Public Viewing. Online werden die Schauen im Livestream sowie auf Youtube und Facebook gezeigt.

Mehr Infos unter www.fashion-week-berlin.com

Über die Location Kraftwerk

Das ehemalige Heizkraftwerk Berlin-Mitte an der Köpenicker Straße 70 ist ein Stück Berliner Industriegeschichte. Erbaut wurde der riesige Komplex etwa zeitgleich mit der Berliner Mauer zwischen den Jahren 1960 und 1964 und diente dazu, den Ostteil Berlins mit Wärme zu versorgen.

Das Heizkraftwerk war bis 1997 in Betrieb, als ein benachbarter Neubau fertiggestellt wurde und die Aufgabe übernahm. Nach jahrelangem Leerstand entdeckte Kulturmanager Dimitri Hegemann das Gebäude 2006 und nutzte einen Teil für seinen Technoclub „Tresor“. Das Kraftwerk wurde seitdem aufwändig umgebaut und dient als Ort für Veranstaltungen und Kunstausstellungen.