Dirk Behrendt

„Geiz-ist-geil-Mentalität der Discounter nicht hilfreich“

Der Bauernpräsident appelliert an die Verbraucher, Qualität zu kaufen. Berlin will Nachfrage nach regionalen Bio-Produkten steigern.

Dirk Behrendt

Dirk Behrendt

Foto: Reto Klar

Berlin . Vor dem Start der Grünen Woche am kommenden Freitag auf dem Berliner Messegelände hat der oberste Repräsentant der deutschen Landwirte an die Verbraucher appelliert, Qualitätsprodukte zu kaufen. „Die Lebensmittel in Deutschland sind im Vergleich sehr hochwertig“, sagte der Präsident des Bauernverbandes Joachim Rukwied. Sie hätten aber aus Sicht der Landwirte einen zu geringen Preis. „Sie müssten teurer sein“, sagte Rukwied im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Nachfrage nach regionalen und saisonalen Lebensmittel nicht groß genug

Doch die Nachfrage sei nicht groß genug: Nur 20 Prozent der Verbraucher kauften bewusst regionale, saisonale, höherwertige Lebensmittel. Die Menschen in Deutschland gäben im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ wenig Geld für Lebensmittel aus, sagte der Bauernpräsident. „Woanders liegt die Quote bei etwa 15 Prozent, bei uns liegt sie bei rund zehn Prozent vom Haushaltseinkommen.“ Es sei wichtig, dass in Kantinen von Kitas, Schulen oder Krankenhäusern ein Großteil der Produkte aus der Region komme.

Dirk Behrendt (Grüne): „Geiz-ist-geil-Mentalität“ nicht hilfreich

Bei Berlins Landwirtschafts- und Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt (Grüne) treffen die Wünsche der Landwirte auf offene Ohren. „Die Geiz-ist-geil-Mentalität der Discounter war nicht hilfreich für die Ernährungs- und Agrarwende“, sagte Behrendt der Morgenpost. Das Essen werde „an der einen oder anderen Stelle teurer“ werden. Aber das sei notwendig für die Agrarwende. „Die Billiglandwirtschaft und Massentierhaltung haben keine Zukunft“, ist der Grünen-Politiker überzeugt.

Neue Ernährungsstrategie in Berlin geplant

In der neuen Ernährungsstrategie für Berlin ist geplant, die Rolle der Stadt als großer Nachfrager für Bio-Lebensmittel aus der Region zu verstärken. Es gebe eine „hohe Sensibilität“ für dieses Thema, sagte der Senator und verwies auch auf die steigen den Marktanteile von Bio-Supermärkten und Bio-Sortimenten im klassischen Lebensmittelhandel: „Das Dilemma dabei ist: Es kommt zu wenig aus Brandenburg.“

Mit einer Abnahmegarantie will der Grünen-Politiker nun mehr Brandenburger Betriebe zum Umstieg auf Bio-Produktion bewegen. So sollen ab 2021 30 Prozent und 2022 die Hälfte der Lebensmittel für die täglich 170.000 Schulessen biologisch erzeugt sein. Diese Qualitätsverbesserung hat die rot-rot-grüne Koalition bereits finanziert. Außerdem werde bei Kantinenbetreibern, bei denen täglich rund eine halbe Million Berliner essen, dafür geworben, weniger Fleisch, mehr Gemüse und mehr Bio-Produkte aus der Region anzubieten.