Verkehr

In Spandau sollen Oberleitungsbusse getestet werden

Eine Machbarkeitsstudie empfiehlt der BVG den Einsatz von Oberleitungsbussen in Spandau. Auf diesen Buslinien soll der Test starten.

Der Bus der Linie X49 fährt an einer Haltestelle heran, an der Fahrgäste bereits warten.

Der Bus der Linie X49 fährt an einer Haltestelle heran, an der Fahrgäste bereits warten.

Foto: dpa

Stromleitungen hängen über der Heerstraße, doch darunter rattert keine Tram, sondern ein E-Bus. Dieser Anblick soll bald die Spandauer erwarten. Die Heerstraße soll neben dem Brunsbütteler Damm zum Berliner Testfeld für eine wiederentdeckte Technologie werden: Oberleitungsbusse.

Oberleitungsbusse in Spandau: M32, M49, X49 und X34 bieten sich an

Zu diesem Ergebnis kommt eine Machbarkeitsstudie der Senatsverkehrsverwaltung. Im dabei untersuchten Spandauer Nahverkehrsnetz bieten sich demnach die Metrobuslinie M32 sowie die Verbindungen M49, X49 und X34 besonders an, wie eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung auf Anfrage mitteilte.

„Beide Achsen wurden als erste Strecken für eine Einführung der Technologie gewählt, weil sie stark nachgefragte Buskorridore sind“, hieß es. Eine Ladeinfrastruktur mit Oberleitungen würde dadurch besonders viele Busse auf den elektrischen Betrieb umstellen. Die Oberleitungen erlaubten es zudem, den Takt auf der stark ausgelasteten Linie M32 durch extralange Doppelgelenkbusse zu verstärken. Die Technik solle nun „zeitnah in Berlin eingesetzt werden“, teilte die Sprecherin mit.

Die SPD-Abgeordnete Domer begrüßte die Initiative. „Gerade in Spandau ist es höchste Eisenbahn, wir brauchen neue Mobilitätslösungen und mehr Investitionen in den ÖPNV, da der Verkehr in allen Ortsteilen zunimmt.“ Die Ergebnisse der Studie seien eindeutig, denn der Bus wäre umweltfreundlicher und effektiver, sagte sie.

Oberleitungsbusse: Das gab es schon vor hundert Jahren

Oberleitungsbusse klingen für manche futuristisch. Tatsächlich handelt es sich um ein uraltes System. Schon vor hundert Jahren fuhren Fahrzeuge durch Berlin, angetrieben durch Strom aus der Oberleitung. In Eberswalde nutzt die Barnimer Busgesellschaft (BBG) die Technik bis heute. „Wir sind damit sehr zufrieden“, sagt BBG-Geschäftsführer Frank Wruck. Zwei Linien verkehrten derzeit mit Strom aus der Leitung, eine dritte Strecke werde derzeit umgerüstet. „Der Betrieb von Oberleitungsbussen ist einfacher im Vergleich zur Straßenbahn“, erklärt Wruck. Durch die eingebaute Batterie könnten Baustellen umfahren werden.

Auch die Machbarkeitsstudie hebt laut Streese die Vorzüge der Technik hervor. Demnach pusteten die Elektrobusse keinerlei Emissionen in die Luft. Da die Streckenlader-Technologie zudem das Aufladen der Batterie während der Fahrt ermöglicht, entfielen zudem zusätzliche Standzeiten zum Laden, wie bei reinen Batteriebussen. Es entstehe deshalb „kein zusätzlicher Fahrzeug- und Fahrpersonalbedarf“, so Streese.

Noch unklar, wann Oberleitungsbusse in Spandau fahren

Wann die Technik in Spandau kommt, ist offen. Die Verkehrsverwaltung hat den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) einen Planungsantrag erteilt. Bei der Abstimmung darüber, wie das Projekt finanziert und umgesetzt werden soll, befänden sich Land und BVG jedoch erst in einer „sehr frühen Phase“, sagte BVG-Sprecher Janes Schwentu.

Die BVG setzt bislang auf rein batteriebetriebene Elektrobusse, etwa auf der Linie 300. Noch in diesem Jahr sollen auch elektrische Gelenkbusse für die Linie 200 dazu kommen. Sie laden über Pantographen, ähnlich den Gestellen von Trams. Diese „Gelegenheitslader“ müssten nicht im Busdepot geladen werden, so Schwentu, sondern könnten entgegen der bisherigen E-Busse auch im Einsatz am Endhalt neue Energie tanken.