Pläne fürs neue Jahr

Was sich in Pankow und Tempelhof-Schöneberg 2020 ändert

In den Berliner Bezirken müssen 2020 zahlreiche Probleme gelöst werden. Diesmal: Pankow und Tempelhof-Schöneberg.

Der Mauerpark in Prenzlauer Park erfährt zurzeit eine Schönheitskur. Erste Bereiche sollen in 2020 wiedereröffnen.

Der Mauerpark in Prenzlauer Park erfährt zurzeit eine Schönheitskur. Erste Bereiche sollen in 2020 wiedereröffnen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Sergi Rebored

Wie sollen sich beiden Pankower Wohnsiedlungen in Blankenburg und Karow entwickeln? Und welche konkreten Aufgaben kommen auf den Schöneberger Nachtbürgermeister zu? Zahlreiche Aufgaben müssen in den Bezirken angegangen werden. In unserer Serie blicken wir heute auf die Bezirke Pankow und Tempelhof-Schöneberg.

Pankow


Mauerpark-Erweiterung und Schallmuscheln:
Nicht alle Jahre kommt es vor, dass sich in Berlin eine Grünfläche in der City um sieben Hektar vergrößert – im Mauerpark ist 2020 genau das der Fall. Nachdem die Eröffnung der Erweiterungsfläche 2019 im Jubiläumsjahr 25 Jahre nach Eröffnung des Parks im früheren Grenzstreifen am Rande von Prenzlauer Berg nicht mehr gelang, will die zuständige Gesellschaft Grün Berlin das neue Areal nun schrittweise eröffnen. Im alten Parkabschnitt kommt erstmals eine Schallschutzmuschel zum Einsatz, die Anwohner vor dem Lärm von Straßenmusikern schützen soll. Dabei wird das Bezirksamt Pankow nach bisheriger Planung die Materialkosten übernehmen, während die Freunde des Mauerparks erste Tests verantworten. „Die Anwohner werden geschützt. Und auf der anderen Seite wird die Musik besser klingen – denn der Schall wird durch die Schale gebündelt und verläuft sich nicht auf der Wiese“, sagt Vorsitzender Alexander Puell.

Neues Quartier Blankenburger Süden: Noch ist das größte bislang geplante Wohnquartier Berlins, der Blankenburger Süden auf den früheren Rieselfeldern am Blankenburger Pflasterweg, nur eine Ansammlung von Vorgaben, Untersuchungen und abstrakten Skizzen. Wenn im Frühling das Werkstattverfahren der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zum Abschluss kommt, werden Expertenteams aus Raumplanern und Architekten erstmals präsentieren können, wie sich die bis zu 6000 Wohneinheiten neben dem heutigen Ortskern von Blankenburg verträglich einfügen können. Besonders die Verkehrsanbindung mit einer neuen Straßenbahnstrecke, der momentan Dutzende Wohnhäuser und Lauben im Weg stehen, wird aber mit großer Wahrscheinlichkeit weiter für Streit sorgen.

Eine Vision für Neu-Karow: Ähnlich schwierige Voraussetzungen wie in Blankenburg gibt es im benachbarten Karow. Hier scheiterte das Bezirksamt Ende 2019 mit dem Versuch, eine Rahmenplanung zum Bau von bis zu 3000 Wohnungen auf den Weg zu bringen, die den bisherigen Charakter des Ortsteils deutlich verändern dürfte. Eine Anwohnerinitiative protestiert nach wie vor gegen den Bau von „Hochhäusern“ – eine überspitzte Darstellung. Aber selbst die angedachten Fünfgeschosser würden in hartem Kontrast stehen zu einer von bisher Einfamilienhäusern dominierten Siedlung in der Nachbarschaft. Wie ein Kompromiss aussehen kann, zeigt sich in den nächsten Wochen.

Ein Ausschuss für Klimaschutz: Pankow will Vorreiter sein beim Klimaschutz. Den Notstand haben die Bezirksverordneten noch im Hitzesommer 2019 ausgerufen. Nun sollen Taten folgen. Schon am 15. Januar tritt erstmals ein neu gebildeter Ausschuss für Klimaschutz zusammen. Und noch 2020 soll ein Klimaschutzbeauftragter, für den ein zusätzlicher Posten im Stab des Bezirksbürgermeisters geschaffen wird, damit beginnen, ein Konzept zu erstellen. Weil Pankow sich schon von Umweltexperten beraten ließ, gibt es Anhaltspunkte, woher das Geld für die Förderung von Radverkehr oder Umweltbildung kommen soll: Viele kleine Fördermöglichkeiten in Berlin sind noch nicht vollends ausgeschöpft. So wird der Klimaschutzbeauftragte Ideengeber und Geldbeschaffer.

Letztes Kapitel im Streit um Lokschuppen am Pankower Tor: Nur noch zwei historische Lokschuppen und ein altes Bahngebäude stehen im Weg. Am Pankower Tor geht es um die Bewahrung von Geschichte und die Zukunft des Bezirks. Mindestens zwei der alten Gebäude des früheren Güterbahnhofs an der Prenzlauer Promenade werden wohl einem Schulgebäude weichen müssen. Und mit dem Bau der Schule steht und fällt die Planung für das seit über zehn Jahren geplante Quartier des Investors Kurt Krieger mit 2000 Wohnungen und einem Möbelmarkt. „Der große Rundlokschuppen soll bleiben“, hält Bezirksbürgermeister Sören Benn am wichtigsten Bestandsbau auf der Brache fest. Erst wenn sich Schule und Schuppen auch in den Unterlagen des Stadtentwicklungsamts übereinbringen lassen, startet das längst überfällige Bebauungsplanverfahren für das Pankower Tor.

Tempelhof-Schöneberg


Nacht-Bürgermeister:
Um homophobe oder transphobe nächtliche Übergriffe im bei Touristen beliebten Regenbogenkiez, einer nicht nur unter Schwulen und Lesben beliebten Amüsiermeile in Schöneberg, entgegenzuwirken, plant der Bezirk schon bald einen Nachtbürgermeister zu aktivieren. Nach Amsterdamer Vorbild soll auch sogenannte „Nachtlichter“ eingeführt werden, die in den Abend- und Nachtstunden als Ansprechpartner bei Diebstählen, Gewalttaten oder Drogendelikten unterwegs sein und so das Sicherheitsgefühl erhöhen sollen. Im ersten Quartal 2020 wolle das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg genauer über die Einführung des Nachtbürgermeister informieren. „Wir sind gerade dabei, die Voraussetzungen für den Start zu organisieren“, sagt Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD).

Lichtenrade im Wandel: Mit der durch Investor Thomas Bestgen umgebauten Alten Mälzerei entsteht in Lichtenrade ein neuer, moderner Kultur- und Bildungsstandort. Direkt am S-Bahnhof gelegen sollen unter anderem die Stadtteilbibliothek Edith-Stein, Musik- und Volkshochschule – durch den Bezirk betrieben – in den roten Backsteinbau einziehen. Geboten wird aber noch mehr. Ein Jugendmuseum widmet sich den Themen Gesundheit und Ernährung. Die Alte Mälzerei ist dabei der Begegnungsort innerhalb eines Areals, das sich in den nächsten Jahren vollends verändern soll. Drumherum entstehen außerdem Wohn- und Gewerbeflächen, Geschäfte und Kulturangebote. Ebenfalls in 2020 beginnt der umfangreiche Ausbau der Bahnhofstraße am Lichtenrader S-Bahnhof. Nach Beendigung der mehrjährigen Bauphase soll die zentrale Einkaufsstraße, an der sich noch immer etliche Einzelhändler zu finden, wieder ein Aufenthaltsort für die Lichtenrader sein.

Neue Mitte Tempelhof: „Wir werden viel vom Projekt Neue Mitte Tempelhof hören“, kündigt Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD). Gebaut wird in 2020 zwar noch nicht. Dafür aber viel geplant. Das nehme viel Zeit im Bezirksamt in Anspruch, sagt Schöttler. Auch wenn dies nach außen nicht so wahrnehmbar sei. In den nächsten zehn bis zwölf Jahren entsteht rund um das Rathaus Tempelhof zwischen Götz- und Albrechtstraße in Tempelhof ein völlig neues Stadtquartier mit Kultur- und Bildungsangeboten. Stadtbad und Bezirksbibliothek werden neu errichtet. Gleiches gilt für die örtliche Polizeidirektion. Im Dezember 2019 hat ein kooperatives Werkstattverfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit begonnen, das auch in 2020 weitergeführt wird. Die erste diente den vier Planungsbüros dafür, ihre Konzepte für das gesamte Gebiet vorzustellen. Bis Juni sollen die Konzepte finalisiert sein. Dann entscheidet sich, welcher städtebauliche Entwurf Grundlage für die Umgestaltung von Tempelhofs neuer Mitte wird.

Bürgerräte: Im Mai 2019 startete der Bezirk das Modellprojekt der Bürgerräte. Das Land Berlin fördert in Tempelhof-Schöneberg diese aktive Form der Bürgerbeteiligung. Der Startschuss fiel in Friedenau. In Form von Bürgercafés finden Dialoge zwischen Bürgern sowie einer sogenannten Resonanzgruppe aus politischen Vertretern des Bezirksamts statt. Auch in 2020 will der Bezirk weiter daran arbeiten. Ziel sei, einen Dialog mit den Bewohnern der unterschiedlichen Kieze zu beginnen, um zu verstehen, wie er sich aus ihrer Sicht gestalten soll. Denn eine Herausforderung sei bereits deutlich geworden, sagt Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD). Zwar gibt es unzählige Angebote im Bezirk, nur fehlt eine Kommunikationsstruktur, die diese zuverlässig an die Bürger heranträgt. Daran wolle man arbeiten, sagt Schöttler.

Sony Music zieht nach Schöneberg: Unzählige namhafte Künstler stehen bei Sony Music Entertainment unter Vertrag. Wurde das deutschlandweite Geschäft bisher aus der bayerischen Landeshauptstadt München koordiniert, hat der Unterhaltungskonzern angekündigt, in diesem Jahr nach Berlin ziehen zu wollen. Auf dem Eckgrundstück an der Bülow- und Steinmetzstraße entsteht ein neuer und moderner Bau, in dem Sony Music seine neue Zentrale entstehen lassen will. Damit verlegt neben Universal Music und Warner Music ein weiterer Musikkonzern seinen Sitz in die Hauptstadt. Nicht jedem gefällt das. Viele fürchten eine Veränderung des Kiezes hin zu an den Besserverdienenden orientierten Nachbarschaft. Ähnliches ist nämlich an der nahe gelegenen Potsdamer Straße zu beobachten, die sich von Mitte bis nach Schöneberg zieht. Viele der früheren Läden sind Cafés und schicken Geschäften oder Hotels gewichen. Auch die beiden Jugendzentren Drugstore und Potse hat es erwischt. Der Schöneberger Norden ist im Wandel – und manche bleiben dabei auf der Strecke.

Weitere Teile der Serie:

Bezirksvorhaben: Ende für Tegel, Neustart fürs Strandbad

Breitscheidplatz, Thai-Wiese, U5: Die Vorhaben der Bezirke