Tierheim Berlin

Nach dem Fest: 39 Fundtiere landen im Tierheim Berlin

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Tierarzthelferin Katrin Mosch hält die kleine Hündin Lulu in den Händen. Lulu ist eines von zahlreichen Haustieren, die zu Weihnachten von ihren Besitzern ausgesetzt wurden. 

Tierarzthelferin Katrin Mosch hält die kleine Hündin Lulu in den Händen. Lulu ist eines von zahlreichen Haustieren, die zu Weihnachten von ihren Besitzern ausgesetzt wurden. 

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services / FUNKE Foto Serivces

Traurige Bilanz: Über Weihnachten wurden 39 Fundtiere im Tierheim abgegeben. Das sind zwei mehr als im Vorjahr.

Lulu passt genau in eine Hand. Schüchtern, aber auch neugierig blickt sich die Shih-Tzu-Hündin um. Fünf oder sechs Wochen ist der Welpe alt, viel zu früh, um von der Mutter weggenommen zu werden. Lulu wurde am 22. Dezember in Marzahn gefunden. Es gab keinen Zettel, keinen Hinweis.

„Wie kann so ein niedlicher Welpe abhanden kommen?“, empört sich Beate Kaminski, Sprecherin des Berliner Tierschutzvereins (TVB). Ausgesetzt, weil der Urlaub ansteht? Ein unüberlegtes Geschenk? Keinen Käufer mehr vor Weihnachten gefunden?

Alles Spekulationen. Lulu wurde zum Glück in der Tierheimsammelstelle des Tierheims Berlin abgegeben, wo sie jetzt aufgepäppelt wird.

Zahl der heimatlosen Tiere ist gestiegen

Der kleine Welpe ist kein Einzellfall. Das Tierheim Berlin zieht eine traurige Bilanz der Weihnachtsfeiertage. Dieses Jahr wurden insgesamt 39 Fundtiere in der Tiersammelstelle abgegeben, darunter elf Hunde, 13 Katzen und neun Kaninchen.

Damit ist die Zahl der vorübergehend heimatlosen Tiere im Vergleich zum vergangenen Jahr erneut angestiegen. 2018 wurden 37 Tiere über die Weihnachtszeit abgegeben, zwei weniger als 2019. Immerhin sind dieses Jahr vier Hunde und vier Katzen wieder von ihren Besitzern abgeholt worden.

Boxer-Mischling mit Impfpass ausgesetzt

Während bei Lulu nur darüber gerätselt werden kann, wie sie auf der Straße in Marzahn landete, ist der Fall bei Boxer-Mischling Selin eindeutiger. Das große, kräftige Tier wurde am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen 19 Uhr an der Boxhagener Straße in Friedrichshain angebunden. Am Hals trug der Hund seinen Impfpass.

Manja aus Lichtenberg hatte aus einem Pub heraus beobachtet, wie das Tier stundenlang allein im Regen saß und keiner mehr kam, um es abzuholen. Die 21-Jährige hat jahrelange Erfahrungen mit Hunden und nahm Selin mit nach Hause, „wo ich eine stürmische Nacht hatte“, so die Lichtenbergerin. Die knapp ein Jahr alte Hündin habe keine Ruhe gefunden. „Sie hat sich unentwegt geschüttelt und gefiept“, erzählt die junge Frau.

Am Morgen ist sie dann sofort ins Tierheim gefahren, wo Tierpflegerin Maria Onken sich um den Boxer-Mischling kümmerte. Dort hat sich herausgestellt, dass die Hündin an einer schmerzhaften Ohrenentzündung leidet. „Ich habe nur einen Wunsch: dass Selin in gute Hände kommt“, sagt Finderin Manja.

Tiere landen immer wieder unter dem Weihnachtsbaum

Wie und warum Tiere rund um die Weihnachtsfeiertage plötzlich heimatlos werden, hat ganz verschiedene Gründe. Das zeigt die jahrelange Erfahrung im Tierheim. Doch nicht selten liegt die Vermutung nahe, dass sich Menschen bewusst ihrer Haustiere entledigen.

Durch seinen Vermittlungsstopp zu Weihnachten versucht das Tierheim seit Jahren, das Verschenken von Tieren zu begrenzen. Trotzdem landen sie immer wieder unter dem Weihnachtsbaum und werden kurz darauf im Tierheim abgegeben oder gar ausgesetzt, wenn sie sich nicht in den Alltag integrieren lassen.

„Wenn die erste Euphorie verflogen und die Weihnachtsferien vorbei sind, merken viele Menschen, dass sie einem Haustier doch nicht gerecht werden können“, sagt Beate Kaminski. Ein Tier nehme Zeit in Anspruch, gerade Welpen bräuchten viel Geduld. „Leider werden deshalb viele Tiere abgeschoben oder gar ausgesetzt“, so die Sprecherin.

Zwei Hauskaninchen zwischen Mülltonnen

Zu den gefundenen Kleintieren gehören auch zwei Hauskaninchen, die auf einem Müllplatz in Lichtenberg ausgesetzt wurden. Tierpflegerin Sybille Weigel hat eines der beiden weißen Langohren auf dem Arm. „Eine Frau hat in ihrer Küche den Abwasch gemacht und dabei aus dem Fenster auf den Müllplatz geguckt“, erzählt die Mitarbeiterin. Dabei habe sie die beiden Häschen umherhoppeln sehen.

Die Tiere waren völlig verängstigt und unter Schockstarre, als sie aufgegriffen wurden. Jetzt haben sie sich erholt und mümmeln gemütlich in ihrer Box in der Tiersammelstelle ihr Futter. In den Nachbarkäfigen leben ein Huhn, eine Ente und einige Ratten.

Auch Hund Neo ereilte ein seltsames Schicksal. Der schwarze Schnauzer-Mix wurde am 25. Dezember in Friedrichsfelde gefunden – gechippt und registriert. Doch die Halter sind nicht zu erreichen. Haben sie nur ein Urlaubsquartier für Neo gesucht? Die Tierheim-Mitarbeiter hoffen, dass sich die Besitzer besinnen und den Hund wieder abholen.

Katze saß im Schlosspark Charlottenburg in einer Tasche

Das gilt ebenfalls für die Katze, die im Schlosspark Charlottenburg in einer Tasche entdeckt wurde. Darin lag ein Zettel mit der Information, dass sie in 30 Minuten wieder abgeholt werde. Doch nach zwei Stunden war die Tasche noch da. Ein Finder übergab das Tier der Polizei. Eine andere Katze ist am 26. Dezember einem Bewohner in der Steglitzer Bismarckstraße zugelaufen.

Shih-Tzu-Hündin Lulu darf jetzt vier Wochen zu Hause bei Tierarzthelferin Katrin Mosch bleiben, um zu wachsen und selbstständig zu werden. Viermal am Tag bekommt sie Baby-Hundefutter, ansonsten schläft sie noch viel. „Aber sie ist auch schon ganz aufgeweckt“, sagt die Mitarbeiterin. Ist das Tier groß genug, wird es vermittelt. Ein potenzielles Frauchen hat sich bereits gefunden.