S-Bahn Berlin

Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn wieder gesperrt

Der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn ist wegen Bauarbeiten dieses Wochenende wieder gesperrt. Diese Alternativen gibt es für Fahrgäste.

Als 180 Meter lange Stücke werden die Schienen aus dem Stahlwerk in Königsborn geliefert.

Als 180 Meter lange Stücke werden die Schienen aus dem Stahlwerk in Königsborn geliefert.

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Christian Hoffmann, Lars Schaper und ihre Mitarbeiter machen dieses Wochenende die Nacht zum Tag. Nicht so, wie man sich das in Berlin vorstellt. Die Truppe von der Deutschen Bahn geht nicht ins Berghain oder einen anderen Club. Sie verbringen die Zeit im Berliner Untergrund. Im Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn. Der ist Sonnabend und Sonntag, wie am Wochenende zuvor auch, komplett für den Zugverkehr gesperrt. An den ersten beiden Januarwochenenden heißt es für Fahrgäste in diesem Jahr: Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen den Bahnhöfen an der Yorckstraße und Gesundbrunnen.

Was für viele ÖPNV-Nutzer ärgerlich ist, gilt bei den S-Bahnmitarbeitern als unerlässlich. Der Nord-Süd-Tunnel muss auch in diesem Jahr wieder mit zahlreichen Arbeiten auf Vordermann gebracht werden. Bis heute ist die Verbindung eine der wichtigsten Strecken in Berlin. An Werktagen fahren insgesamt 780 Züge durch den Tunnel. Nicht ganz so viel Verkehr herrscht an den Wochenenden. „Wir bündeln das an zwei Wochenenden“, sagt Hoffmann, Bau- Betriebskoordinator bei der DB Netz AG. „Denn unser Ziel ist es, unter dem Jahr keine weiteren Sperrungen zu haben.“

Dafür ist das freie Zeitfenster von rund 50 Stunden pro Wochenende nicht allzu groß bemessen. Denn die Liste der Aufgaben ist lang. Die Arbeiter müssen den gesamten Tunnel ablaufen und dabei den Müll aufsammeln, den der Fahrtwind übers Jahr von den Bahnhöfen in die Tunnel gesaugt hat. Dann folgt Schienen fräsen und schleifen und Risse durch Feuchteschäden mit Harz verfüllen.

Kein Wunder, hat das Tunnelbauwerk doch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Begonnen wurde mit dem Bau 1934. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar: Der erste Bauabschnitt zwischen Humboldthain und dem heutigen S-Bahnhof Brandenburger Tor wurde bereits zwei Jahre später im Juli 1936 eröffnet. Seit den späten Dreißigerjahren fahren die Züge der S-Bahn auf der ganzen Strecke durch den Berliner Untergrund. Der Tunnel erstreckt sich auf insgesamt mehr als 5800 Meter unter Berlins Zentrum.

1150 Meter Gleis werden ausgetauscht

Auf einem Fünftel davon wartet in diesem Jahr eine besonders aufwendige Aufgabe: Auf rund 1150 Metern tauscht die Deutsche Bahn die Schienen im Tunnel komplett aus. Nötig wird das für gewöhnlich alle 15 bis 25 Jahre. Im Nord-Süd-Tunnel ist es eher etwas häufiger. Schuld ist die starke Kurvenkrümmung. Sie ist für die kreischenden Schreie der Gleise verantwortlich, die man besonders bei offenem Fenster im Sommer hört, wenn die Bahn durch die Röhre rattert. Jedes Kreischen ein bisschen Abrieb. Bis eine Schiene ausgetauscht wird, so Oberbauleiter Lars Schaper, sind zwölf bis 15 Millimeter vom Metall abgeschliffen.

Dafür ist schweres Gerät nötig. Ein Bagger hebt die gelösten Schienen aus ihren Halterungen am Gleis. Direkt dahinter folgt der zweite und hebt mit einem kleinen Greifer die neuen Stahlstangen auf die richtige Position auf den Gleisschwellen. Damit alles passt, kontrollieren vorangehende Arbeiter zunächst den Schotter. Wenn nötig, ziehen sie mit einem Rechen die Steine zurecht, sonst würden die Schienen nicht vernünftig aufliegen.

Damit die Gleise überhaupt erneuert werden können, ist ein enormer logistischer Aufwand nötig. Als 180 Meter lange Stücke werden die Schienen aus dem Stahlwerk in Königsborn geliefert. Auf 120 Meter gekürzt, werden sie dann für gewöhnlich bei der S-Bahn verlegt, erklärt Hoffmann. Für den engen Nord-Süd-Tunnel hätten die Arbeiter jedoch häufiger mit der Flex rangemusst. Grund sind die starken Kurven im Untergrund, die nur Schienen bis zu einer Länge von 60 Metern zuließen.

Haben die Bagger die neuen Schienen in Position gehoben, schreiten erneut die Arbeiter ans Werk. Mit schweren Schlagbohrern ziehen sie die Kleineisen provisorisch an, mit denen die Schienen auf den Schwellen gehalten werden. Denn schon während die Gleise noch erneuert werden, rollt der Bagger bereits über die neuen Schienen.

So werken die Gleisarbeiter voran. Nicht immer jedoch passt alles wie erhofft. Dann und wann endet das dutzende Meter lange Schienenstück nicht mittig zwischen den Gleisschwellen, sondern genau darauf. Dann fliegen die Funken. Mit einem mehr als tellergroßen Trennschleifer schneidet ein Arbeiter mühsam durch den massiven Stahl. Nur langsam vorankommend, während der Funkenregen die Dunkelheit des Tunnels erhellt. Dann geht es mit der nächsten Schiene weiter. Geschweißt wird später. Damit bei all den Abgasen und Verbrennungsrückständen die Luft nicht zu schlecht wird, sorgen riesige Gebläse für einen leichten Zug. In der Tiefe der Tunnel ist er kaum wahrnehmbar. Steht man jedoch direkt vor den mannshohen Ungetümen, bläst es einen fast um.

„Bislang haben wir vielleicht 150 bis 200 Meter verlegt“, sagt Lars Schaper am späten Sonnabendnachmittag. Bis in die Nacht sollten sie mit dem Verlegen fertig werden. Sonntags werde dann geschweißt. Damit am Montag wieder die Bahn kommt.

Das müssen Sie zur Tunnel-Sperrung wissen

S-Bahn-Fahrgäste müssen sich auf Einschränkungen einstellen: Ab Freitagnacht wird der Nord-Süd-Tunnel für den S-Bahn-Verkehr wieder gesperrt. Die Sperrung von Freitagabend, 10. Januar, bis zum frühen Montagmorgen, 13. Januar. Bereits am vergangenen Wochenende gab es die Sperrung zwischen den Bahnhöfen Yorckstraße in Schöneberg und Gesundbrunnen.

Als Grund gibt die S-Bahn „notwendige Instandhaltungsarbeiten“ an. Gleisbauer, Techniker und Reinigungskräfte bringen die Infrastruktur auf Vordermann, hieß es weiter.

Wann ist der Nord-Süd-Tunnel gesperrt?

  • Freitag, 3. Januar, 22 Uhr bis Montag, 6. Januar, 1.30 Uhr
  • Freitag, 10. Januar, 22 Uhr bis Montag 13. Januar, 1.30 Uhr

Welche S-Bahn-Linien sind von der Sperrung betroffen?

Die Züge der Linien S1, S2, S25 und S26 zwischen Yorckstraße (Großgörschenstraße) / Yorckstraße und Gesundbrunnen fallen aus.

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Welche Umfahrung wird während der Sperrung des Nord-Süd-Tunnels empfohlen?

Die S-Bahn empfiehlt den Fahrgästen, den gesperrten Abschnitt mit den Ringbahnlinien S41/S42 oder mit der fast parallel verkehrenden U-Bahn-Linie U6 zu umfahren.

Gibt es einen Schienenersatzverkehr?

Ja, vorwiegend zur lokalen Anbindung werden zwei Linien im SEV mit Bussen eingerichtet.

  • Linie Süd: Yorckstraße - Anhalter Bahnhof - Potsdamer Platz/Voßstraße - Bushaltestelle „Behrenstraße/Wilhelmstraße“ (Halt für Brandenburger Tor) - Friedrichstraße (Reichstagufer)
  • Linie Nord: Friedrichstraße (Am Weidendamm) - Oranienburger Straße - Nordbahnhof (Gartenstraße) - Humboldthain - Gesundbrunnen (Hanne-Sobek-Platz).

(mit BM)