Chefarzt ermordet

Attentäter überwältigt: Polizist schreibt emotionalen Brief

Bei dem Attentat auf Fritz von Weizsäcker ging ein Polizist dazwischen und wurde schwer verletzt. Nun bedankt er sich für den Zuspruch.

Der Tatort: Fritz von Weizsäcker wurde in der Schlosspark-Klinik in Charlottenburg erstochen

Der Tatort: Fritz von Weizsäcker wurde in der Schlosspark-Klinik in Charlottenburg erstochen

Foto: Morris Pudwell

Es war eine der erschütterndsten Taten dieses Jahres: Der Mord an Chefarzt Fritz von Weizsäcker am 19. November in der Schlosspark-Klinik. Damals saß auch Kriminalkommissar Ferrid Brahmi (33) von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Publikum. Brahmi, verheiratet und vier Kinder, stürmte damals auf den Attentäter zu und überwältigte ihn. Dabei wurde er selbst schwer verletzt und musste notoperiert werden.

Nun hat sich Ferrid Brahmi in einem emotionalen Brief, den er der Berliner Morgenpost geschrieben hat, erstmals ausführlich an die Öffentlichkeit gewandt und bedankt sich für den Zuspruch, den er erhalten hat:

„Der 19. November 2019 hat meine Vorstellung vom Leben, die ich hatte und schätzte – und für selbstverständlich hielt – verändert. Ich empfinde tiefen seelischen Schmerz wegen des Verlustes eines geliebten Menschen und Familienvaters.

Ich möchte all jenen danken – den Menschen, Gewerkschaften, Parteien, der Presse – die durch ihre Anfragen und Genesungswünsche Solidarität gezeigt haben und sich somit schützend vor mich gestellt haben, vor meine Angst – wegen körperlicher Folgen aus dem Dienst auszuscheiden, und dadurch die Lebenskosten für meine Familie nicht mehr decken zu können.

Die Unterstützung hat mir gezeigt, dass auch in dunklen Zeiten Mitgefühl und Liebe in unserer Gemeinschaft überwiegen. Die Polizei hat sich in dieser schweren Zeit nicht nur als Arbeitgeber, sondern vor allem als fürsorgliche Familie gezeigt. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für den liebevollen Beistand und Zusammenhalt.

Auch danke ich der Polizeipräsidentin, die sich von Anfang an für mich eingesetzt hat, und mir eine Rückkehr in den Polizeidienst zusagte. Ich habe gehandelt, weil es für mich nichts bedeutenderes als das Leben gibt, und weil es Aufgabe der Polizei ist, dieses Leben mit allen Mitteln zu schützen. Ich wünsche allen Menschen ein friedvolles und gesegnetes Weihnachten“.

Angreifer Gregor S. in der Psychiatrie

Die tödliche Attacke auf Fritz von Weizsäcker erfolgte damals nach einem Vortrag. Mit etwa 20 weiteren Gästen verfolgte Brahmi die Ausführungen des Chefarztes zum Thema Fettleber. Plötzlich stürmte Gregor S. auf den Arzt zu und verletzte ihn tödlich. Weil Brahmi sich auf den Angreifer stürzte, konnte er später schnell von Polizisten festgenommen werden.

Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte der Angreifer eine „wohl wahnbedingte allgemeine Abneigung gegen die Familie des Getöteten“. Der Vater des Getöteten war der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Der Angreifer aus Rheinland-Pfalz kam wegen einer „akuten psychischen Erkrankung“ in eine Psychiatrie. Laut Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatte der Tatverdächtige Hass auf ­Richard von Weizsäcker, weil dieser in den 1960er-Jahren Geschäftsführer beim Chemiekonzern Boehringer gewesen sei. Dieses Unternehmen habe töd­liche Giftstoffe für den Vietnam-Krieg geliefert.

Laut Generalstaatsanwaltschaft hatte Gregor S. die Tat geplant. Dabei sei er im Internet auf den Vortrag in der Schlosspark-Klinik gestoßen. Danach fuhr mit der Bahn zu der Veranstaltung in Berlin. Zuvor hatte er sich noch in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft und war damit nach Berlin gefahren.

Fritz von Weizsäcker war Anfang Dezember dieses Jahres unter großer Anteilnahme auf dem Waldfriedhof im Ortsteil Dahlem neben seinem Vater, dem früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, beigesetzt worden. In „unbegreiflicher Weise“ sei von Weizsäcker aus dem Leben gerissen worden, sagte Wolfgang Huber, früherer Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg in seiner Predigt. „Er wurde uns allen geraubt.“ Huber schilderte den Verstorbenen als Humanisten mit Herzensgüte.