Versorgung

Wegen des Klimawandels: Berlin plant neue Wasserwerke

Der Klimawandel zwingt die Wasserbetriebe zu Veränderungen. Bis 2030 soll es Investitionen in Milliarden-Höhe geben.

Versuchsanlage zur Abwasserreinigung auf dem Gelände des Wasserwerks an der Buddestraße

Versuchsanlage zur Abwasserreinigung auf dem Gelände des Wasserwerks an der Buddestraße

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Der Befund der Meteorologen ist eindeutig. Die Temperaturen in den Ländern Berlin und Brandenburg lagen im Sommer dieses Jahres laut Deutschem Wetterdienst um drei bis vier Grad über dem langjährigen Mittelwert. Es wird auch insgesamt wärmer in der Region. Der Berliner Senat geht offiziell für die nähere Zukunft von einem Anstieg von 1,2 bis 1,9 Grad aus. Zudem gehört der Nordosten Deutschlands zu den trockensten Regionen der Bundesrepu­blik.

All das hat Folgen für das Management des regionalen Wasserhaushalts. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) bereiten Pläne für eine Neuausrichtung ihrer Anlagen in Zeiten des globalen Klimawandels vor. „Wir werden Veränderungen sehen“, sagte der Vorstandschef des landeseigenen Unternehmens, Jörg Simon, im Interview mit der Berliner Morgenpost. „Wir haben alle Facetten des Klimawandels auf dem Tisch.“ Es gehe vor allem darum, widerstandsfähiger gegen trockene und heiße Sommer zu werden. „Wir denken darüber nach, wie wir unser System stabiler auch für Wetterextreme ausrichten können“, so der Manager.

Berliner verbrauchen pro Kopf wieder mehr Wasser

Um das Wasser der Spree, der wichtigsten Versorgungsader Berlins, gibt es bereits Nutzungskonflikte. Bei Cottbus im Land Brandenburg wird der Ostsee, ein ehemaliger Tagebau, geflutet. Weil dafür nicht immer genügend Wasser vorhanden ist, wird die Spree mit Wasser aus Talsperren gestützt. Unter dem Strich sei die Region zu trocken, manchmal fließe die Spree kaum noch, in Berlin – wie beispielsweise 2018 – sogar rückwärts, sagte der Wasserbetriebe-Chef: „Die Spree ist ein wichtiges Thema für uns. Wir müssen mit Brandenburg und Sachsen klare Abmachungen halten, dass bestimmte Mengen und Qualitäten eingehalten werden.“ In ganz Deutschland werde über den Vorrang der Trinkwasserversorgung vor anderen Wassernutzungen diskutiert. „Die wird sich intensivieren, wenn es so weiter geht“, sagte Simon voraus.

Noch haben die Berliner Wasserbetriebe auch nach zwei Dürre-Sommern keine Schwierigkeiten, die Hauptstadt zu versorgen. Aber die künftigen Entwicklungen spielen in der Chefetage eine wichtige Rolle. Man sei dabei, mit dem Land Berlin einen Masterplan Wasser zu erstellen und rede auch mit den Brandenburger Nachbarn darüber, sagte Simon. Im Gespräch sind neue Standorte für Wasserwerke und auch eine Verschiebung der Fördermengen zwischen den bestehenden Anlagen. Das wäre eine Trendumkehr bei den Berliner Wasserbetrieben. Denn in den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Wasserwerke stillgelegt.

Aber nun steigt der Wasserbedarf wieder. Das liegt nicht nur an der wachsenden Einwohnerzahl. Auch pro Kopf verbrauchen die Berliner wieder mehr Wasser. Durchschnittlich sind es 110 Liter je Einwohner und Tag, davon etwa 40 Prozent zum Baden und Duschen. BWB-Vorstandschef Simon macht sich jedoch generell keine Sorgen, eine steigende Nachfrage auch aus Berliner Quellen, nämlich dem Grundwasser und dem Uferfiltrat aus den Flüssen, befriedigen zu können. Vor der Wiedervereinigung hätten die Wasserbetriebe pro Jahr bis zu 365 Millionen Kubikmeter Wasser verkauft. Selbst in den beiden vergangenen Jahren waren es nur 220 Millionen.

Man könne wieder so viel Wasser gewinnen wie in den 80er-Jahren, als die Industrie viel mehr davon benötigte als heute. Dazu müsse man aber neue Wasserwerke bauen, sagte Simon.

Die Wasserbetriebe müssen viel Geld ausgeben, um sich für die Zukunft fit zu machen und ihre Wasserwerke mit den geforderten neuen Reinigungsstufen auszustatten. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), die Vorsitzende des BWB-Aufsichtsrates ist, spricht von sechs Milliarden Euro, die die Anstalt bis zum Jahr 2030 investieren muss.

Versicherungskosten lassen private Bauherren umdenken

Ein wesentlicher Aspekt für die Zukunft ist der Umgang mit den zunehmenden und meist sehr lokal auftretenden Starkregenfällen. Um Überflutungen zu vermeiden, müsse man Berlin umbauen. „Die Stadt muss viel grüner aussehen, schwammstadtgerecht“, sagte Simon. Andere Städte nutzten zum Beispiel Sportplätze, um Regenwasser dorthin abzuleiten und zu versickern. Das Thema habe auch für private Bauträger eine erhebliche Relevanz gewonnen. Die Bauherren werden von den Versicherungen getrieben. Denn wer nichts tut, um lokale Überschwemmungen etwa durch grüne Dächer und Versickerungsflächen zu vermeiden, muss höhere Tarife für die Policen bezahlen.

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