Schulbauoffensive

Ärger um Schul-Container: Ergänzungsbau fünf Meter zu lang

Berlin braucht dringend neue Schulplätze. Modulare Bauten sollen helfen. Doch auch dabei hakt es, wie ein Beispiel aus Spandau zeigt.

So sieht ein Mobiler Ergänzungsbau - ein MEB – aus.  Dieser steht in Spandau. Zukünftig will man aber eher auf Holz setzen.

So sieht ein Mobiler Ergänzungsbau - ein MEB – aus. Dieser steht in Spandau. Zukünftig will man aber eher auf Holz setzen.

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Services

Berlin. Die Zahl der Modularen Ergänzungsbauten (MEB) bei Schulen steigt weiter. Inzwischen hat man die Zahl von 54 MEB erreicht, die zwischen 2014 bis heute entstanden und über die ganze Stadt verteilt sind. Weitere 13 Ergänzungsbauten werden gerade gebaut oder sind in Planung. Das ergab eine schriftliche Anfrage des SPD-Politikers Sven Kohlmeier beim Berliner Abgeordnetenhaus.

Diese provisorischen Bauten aus Metall oder Holz schaffen kurzfristige Entlastung bei den Schulplätzen. So sind in den Bezirken zuletzt 3500 zusätzliche Schulplätze durch temporäre Maßnahmen entstanden. Für die Senatsverwaltung für Bildung sei allerdings nur schwer einzuschätzen, wie lange es für die Planung und Fertigstellung eines MEB brauche.

„Die benötigte Zeit der Bezirke ist sehr unterschiedlich und vom Schulstandort abhängig“, so die Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) in ihrer Antwort. Kohlmeier unterstützt Modulare Ergänzungsbauten als Abhilfe gegen den Schulplatzmangel. Allerdings ist seine Erfahrung: Wirklich schnell entstehen diese nicht immer. Er berichtete von einer Brennpunkt-Grundschule in Hellersdorf, die seit sechs Jahren auf einen MEB wartet. „Das ist hochgradig frustrierend, und das kann man den Eltern nicht erklären“, sagte er.

Dabei werden die zusätzlichen Schulplätze dringend gebraucht, und das möglichst schnell. Vor allem in den Ost-Bezirken wie Pankow, Lichtenberg und Treptow-Köpenick wird ein Schulplatzmangel prognostiziert, gerade im Grundschulbereich. Aber auch auf der anderen Seite Berlins, in Spandau, reichen die vorhandenen Kapazitäten nicht.

Besonders an den Grundschulen fehlen Plätze

Dort werden laut Bezirk in den nächsten Jahren über 2000 Grundschulplätze fehlen, wenn nicht schnell gehandelt wird, neue Schulen entstehen und bestehende erweitert werden. Ohne MEB und Container wird es also nicht gehen. Doch deren Planung kann schwierig werden, wie ein Fall aus Spandau zeigt. Denn an der Ernst-Ludwig-Heim-Grundschule steht der geplante MEB nun auf der Kippe. Der Grund: Es fehlt plötzlich an Fläche.

Geplant wurde ursprünglich mit den Maßen eines älteren MEB, doch 2018 legte die Senatsbildungsverwaltung mit dem Musterraumprogramm höhere Quadratmeterzahlen für die Größe der Klassen- und Schulräume fest, die nun auch für Ergänzungsbauten gelten. Der neue MEB, der nun für die Ernst-Ludwig-Heim-Grundschule vorgeschrieben wird, ist aber mehrere Meter zu lang für die angedachte Fläche. Er passt nicht.

Im Bezirk ist man verärgert, dass die veränderten Maße zu spät mitgeteilt wurden. „Dann hätten wir versucht, einen MEB aus der alten Tranche zu bekommen“, sagte Bezirksbürgermeister und Schulstadtrat Helmut Kleebank (SPD). Nun werde geprüft, ob noch eine Lösung gefunden werden könne. Aber: „Die zentrale Aufgabenverwaltung ist vielleicht nicht immer besser.“ Sprich: Die Bezirke brauchen beim Schulbau womöglich mehr Handlungsfreiheit.

Bei der zuständigen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigt man, dass die neuen modularen Ergänzungsbauten aufgrund der Fortschreibung des Raumprogramms länger werden als bisher. Dieses Programm sieht größere Klassenräume vor. Am Beispiel von künftigen Modellen aus Holz mit 16 Räumen betrage der Längenunterschied fünf Meter. Und an einigen Standorten, an denen die ­größeren Holzbauten aufgestellt werden sollen, sehe es so aus, dass es eng wird, sagt eine Verwaltungssprecherin. Jedoch werde man sich die Einzelfälle ansehen und sicher Lösungen finden. Eine Option sei, auf ein kleineres Modell zurückzugreifen. Dann hat man aber vier Klassenräume weniger zur Verfügung.

Verzögerungen wegen veränderter Vorgaben

Aber nicht nur auf temporäre Schulbauten wirken sich veränderte Raumprogramme, die einer besseren Schulqualität dienen sollen, aus. Auch bei der Planung von Schulneubauten spielen sie eine Rolle. So sorgen veränderte Vorgaben beim Neubau einer Grundschule an der Goltz-/Mertensstraße in Hakenfelde für Verzögerungen. Der Bezirk hat bislang damit gerechnet, dass die inklusive Schwerpunktschule im Sommer 2021 fertig wird.

Nun aber, sagt Bezirksbürgermeister Kleebank, rechne er mit einer Fertigstellung erst im Sommer 2022. Eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die das Bauprojekt verantwortet, bestätigt auf Anfrage eine Verzögerung. Sie verweist auf die Planungen, die länger dauern. Der Grund: Vorgaben für neue Schulen aus der Senatsbildungsverwaltung, die dynamisch seien, sich also ändern können. Dadurch muss die Planung entsprechend angepasst werden. Mit einem Baustart werde nun im frühen Herbst 2020 gerechnet.

Die Folge: In Hakenfelde, einem Spandauer Ortsteil mit einigen großen Wohnungsbauprojekten, muss wohl länger als erwartet mit Schulcontainern gearbeitet werden. Die will der Bezirk bereits zum kommenden Schuljahr aufstellen, auf dem bisherigen Gelände der Jugendverkehrsschule, wo Verkehrserziehung für Kinder stattfindet. Die Einrichtung muss dafür schließen und das nun wohl noch länger als eigentlich geplant.

„Die Verschiebung ist sehr ärgerlich“, sagte der Spandauer CDU-Fraktionssprecher Thorsten Schatz. Spandau brauche „schnellstmöglich jeden neuen Schulplatz“. Durch die Verzögerung sieht er seine Vorbehalte bestätigt, dass Planung und Bau der Schulen zentral vom Senat verantwortet werden.