Mietendeckel

Immobilienfirmen stehen kurz vor Dreier-Fusion

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Neu gebaute Wohnhäuser und Plattenbauten im Bezirk Lichtenberg

Neu gebaute Wohnhäuser und Plattenbauten im Bezirk Lichtenberg

Foto: Soeren Stache / dpa

Adler, Ado und Consus haben zusammen 80.000 Einheiten. Durch die Fusion entsteht das drittgrößte börsennotierte Wohnungsunternehmen.

Berlin. Der Berliner Mietendeckel und die Wohnungsknappheit treiben deutsche Immobilienfirmen in eine Dreier-Fusion. Die bisher nur in der Hauptstadt vertretene Ado Properties will sich mit ihrem in Norddeutschland aktiven Großaktionär Adler Real Estate zusammenschließen und sich anschließend den Projektentwickler Consus Real Estate einverleiben, der für Nachschub an Mietwohnungen und Wohnvierteln im ganzen Land sorgen soll. Aus Ado, Adler und Consus entstehe das drittgrößte börsennotierte Wohnungsunternehmen in Deutschland mit rund 80.000 Einheiten im Wert von 8,6 Milliarden Euro, sagte Thierry Baudemoulin, seit der vergangenen Woche Ado-Vorstandschef, am Montag. Nummer eins und zwei sind Vonovia und Deutsche Wohnen.

Adler Real Estate sitzt zwar in Berlin, ist aber auf dem Immobilienmarkt der Hauptstadt bisher kaum vertreten. Dagegen liegt ein Großteil des Wohnungsbestandes von Ado Properties in Berlin. Zusammen kommen beide Unternehmen nach Angaben von Adler Real Estate auf 80.000 Wohnungen im Wert von rund 8,5 Milliarden Euro. Im Rahmen eines Rückkaufs von Wohnungen hatte auch das Land Berlin zuletzt mit Ado Geschäfte gemacht. Ende September kaufte die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag rund 6000 Wohnungen und 70 Gewerbeimmobilien in Reinickendorf und Spandau von dem Investor. Bei den Wohneinheiten handelte es sich um ehemalige Sozialwohnungsbestände des Unternehmens GSW, das nun zur Deutsche Wohnen Gruppe gehört. Rund 920 Millionen Euro hatte die Gewobag für den Deal bezahlt.

Kaum noch Wachstumschancen für private Vermieter

„Wir sind fest entschlossen, die Wohnungsknappheit in Deutschland zu reduzieren“, sagte Adler-Co-Chef Maximilian Rienecker, der die fusionierte Firma zusammen mit Baudemoulin führen soll. Die in Luxemburg registrierte Ado Properties soll den traditionsreichen Namen Adler Real Estate Group übernehmen. Firmensitz bleibt Berlin. Mit einem Börsenwert von mehr als 2,2 Milliarden Euro und einem Streubesitz von rund 80 Prozent sei die neue Adler Real Estate ein Kandidat für den Nebenwerteindex MDax. Bisher sind beide im SDax gelistet. Die Ado-Aktionäre sehen die Übernahme kritisch: Das Papier brach um 14 Prozent ein, während Adler um 3,7 Prozent stiegen und Consus um 22 Prozent nach oben schnellten.

Wachstumschancen über den Kauf von Mietwohnungen gibt es für die privaten Vermieter in Deutschland kaum noch. Kommunale Wohnungsgesellschaften – etwa in Berlin – kaufen sogar Bestände zurück, um den steigenden Mietpreisen entgegenzuwirken. Der vom Berliner Senat beschlossene Mietendeckel hat die Eigentümer in der Hauptstadt zusätzlich verunsichert. Einige Unternehmen wie der Marktführer Vonovia bauen nun verstärkt selbst.

( rtr/ba )