Hindenburgdamm

Nach Brand in Steglitz: Weihnachten ohne eigene Wohnung

Nach dem Brand am Hindenburgdamm ist das Haus gesperrt. Gas- und Elektroleitung müssen erst wieder freigegeben werden.

Gerhard Stech wohnt im Seitenflügel des Brandhaus am Hindenburgdamm. Er sitzt im Kalten, weil das Gas abgestellt ist.

Gerhard Stech wohnt im Seitenflügel des Brandhaus am Hindenburgdamm. Er sitzt im Kalten, weil das Gas abgestellt ist.

Foto: Katrin Lange

Eine Katastrophe – das ist das einzige Wort, das Marina S. einfällt, um ihre Situation zu schildern. Sie steht vor dem Haus am Hindenburgdamm 58 und wartet auf die Hausverwaltung. Ihre Wohnung ist gesperrt, die Nacht hat sie bei ihrer Cousine in Steglitz verbracht. Als das Feuer am Sonntag im Dachgeschoss ausbrach, lag sie mit Fieber im Bett. Die Lichterfelderin musste ihre Wohnung verlassen, nur mit Jacke und Mantel. Den dritten Advent hat sie vor dem Haus zugebracht, bis klar war: Sie kann in der Nacht nicht zurück. Auch am Montagmorgen weiß sie noch nicht, wie es weitergeht. „Ich habe mir mein Weihnachtsfest anders vorgestellt“, sagt Marina S.

Am Tag nach dem verheerenden Brand in einer Dachgeschoßwohnung, in der ausgerechnet ein Feuerwehrmann wohnt, ist es ganz ruhig rings um das Haus. Das Gebäude mit den beiden Seitenflügeln in der Haydnstraße ist mit rot-weißem Flatterband abgesperrt, kaputte Dachziegel liegen am Straßenrand, weißer Löschschaum verteilt sich wie Schnee auf dem Gehweg. Kurz nach zehn Uhr war das Feuer am Sonntag ausgebrochen – das schnell auf das gesamte Dach übergriff. Sieben Stunden war die Feuerwehr mit einem Großaufgebot im Einsatz, das Haus wurde evakuiert. Die Polizei ermittelt noch die Brandursache.

Löschwasser hat Wohnungen im dritten und vierten Stock stark beschädigt

Die Bewohner der beiden Seitenflügel durften noch am Sonntag wieder zurück in ihre Wohnungen. Doch für die Eigentümer und Mieter im Gebäude am Hindenburgdamm 58 gibt es so schnell kein zurück mehr. Nachdem die Bauaufsicht des Bezirks die Sperrung des Hauses gegen 15 Uhr am Sonntag veranlasst hatte, war sie am Montag erneut vor Ort. „Alle Gas - und Elektroleitungen in dem Gebäude müssen von einer Fachfirma überprüft und von den zuständigen Versorgungsunternehmen, wie Vattenfall und Gasag, freigegeben werden“, sagt Marcel Mattick, Sprecher des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf.

Bis zu diesem Zeitpunkt sei das gesamte Gebäude bauaufsichtlich gesperrt. Vom Erdgeschoss bis in den dritten Stock dürften die Bewohner noch in Begleitung der Feuerwehr einige Sachen herausholen. „Im dritten und vierten Geschoss hat das Löschwasser die Decken so beschädigt, dass sie statisch überprüft und ausgetrocknet werden müssen“, so Mattick. Erst wenn Gutachten vorlägen, könnten auch diese Wohnungen wieder betreten werden. Der Dachrraum müsse hingegen komplett erneuert werden.

Kein Warmwasser, kein Gas in den Seitenflügeln

Gerhard Stech wohnt zwar im Seitenflügel an der Haydnstraße und darf durch das Absperrband hindurch in seine Wohnung. „Aber die ist kalt“, sagt der Mieter. Alle drei Gebäude würden an einem Strang hängen, Strom gebe es zwar in den Wohnungen wieder, aber kein Gas. Alle hätten Gasheizungen, deshalb habe er kein warmes Wasser und keine Heizung – „solange bis ein Schieber eingesetzt wird, um die Hausstränge zu trennen“, sagt Stech. Zum Glück sei es im Moment nicht so kalt draußen. Er rechne, dass es vier bis fünf Tage dauern werde. Für die Zeit habe er sich Radiatoren von Verwandten besorgt.

Marina S. kann vorerst nicht zurück. Sie habe aber gehört, dass sich die Hausverwaltung um Ersatzwohnungen kümmern wolle, sagt die Bewohnerin. Und dass die Sperrung mehrere Wochen dauern könnte. Sie weiß auch noch nicht, ob Löschwasser in ihre drei Zimmer gedrungen ist, „aber die Feuerwehrleute sollen ja alles abgedeckt haben“, hat sie erfahren. Marina S. hustet. Ja, sie hätte ja gestern im strömenden Regen aus ihrer Wohnung gemusst. Ohne Papiere, ohne Ausweise. Aber zum Glück wurde ein BVG-Bus, der nicht weiterfahren konnte, zur warmen Wartehalle umfunktioniert. Dort hat sich auch Marina S. aufgehalten.

Lob für schnelle Hilfe von Feuerwehr, Bezirk und Politiker

Sie ist Diabetikerin und braucht ihre Medikamente. In Begleitung der Feuerwehr konnte sie am Sonntag noch einmal zurück in die Wohnung, um Tabletten und Insulin zu holen. Bei allem Unglück, das passiert ist, hat die Bewohnerin nur lobende Worte für die Versorgung, nicht nur durch die Feuerwehrleute. Ein Krankenwagen sei sofort vor Ort gewesen, das Bürgerbüro des CDU-Abgeordneten Christian Goiny hätte zur Verfügung gestanden. Der Bezirk ist in engem Kontakt mit den Eigentümern und hat einen Hilfeaufruf auf Twitter gestartet.

Den Bewohner der Dachgeschosswohnung, in der das Feuer ausgebrochen ist, kennt Marina S. gut. „Ein lieber, hilfsbereiter Mensch“, sagt sie. Der Feuerwehrmann sei gelernter Klempner und habe wohl sein Bad renoviert. „Der wusste, was er tut“, sagt Marina S.

Der betroffene Feuerwehr-Kollege sei wieder aus der Klinik entlassen worden, sagt Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein am Montag. Er habe ein privates Ausweichquartier bei der Familie gefunden. In seine Wohnung, dass sei relativ sicher, könne der Familienvater nicht zur Weihnachten zurück.