Eröffnung

Eine Fußgängerzone am Kulturforum

Eine neue Freifläche: Der Scharounplatz vor dem Kammermusiksaal ist der Öffentlichkeit übergeben worden.

Noch herrscht eine gewisse Leere: Der Scharounplatz vor dem Kammermusiksaal.

Noch herrscht eine gewisse Leere: Der Scharounplatz vor dem Kammermusiksaal.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) sprach zwar von einem „großen Tag für Berlin“, aber so richtig hinreißenden Charme konnte der neue Platz am Kulturforum an diesem Montag noch nicht entfalten: Dafür war es zu kalt und, wie immer an dieser Stelle, zu zugig. Aber wer wollte, konnte sich doch schon eine recht gute Vorstellung davon machen, wie die Fläche vor dem Kammermusiksaal und dem Museumsensemble einmal als Aufenthalts- und Begegnungsstätte funktionieren könnte – wenn denn eines Tages die für 2026 geplante Eröffnung des Museums des 20. Jahrhunderts absolviert ist.

Die heruntergekommene Straße, auf der noch vor wenigen Monaten jedermann die Scharoun-Bauten umkurven konnte, ist jetzt Geschichte. Nur noch die Buslinien 200 und 300 sowie Taxen dürfen von der Potsdamer Straße aus auf den neu entstandenen Scharounplatz fahren, der sich nun mit etwa 40 Metern Breite und 150 Metern Länge quer über das Kulturforum erstreckt.

Eine imposante Sitzbank für Wartende an der Bushaltestelle ist dort bereits installiert worden. Vor der balkonhaft erhöhten Piazzetta, über die man das Kunstgewerbemuseum, die Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett erreicht, verläuft nun die verkehrsberuhigte Herbert-von-Karajan-Straße, die ebenfalls für den privaten Kraftfahrzeugverkehr nicht mehr zugänglich ist.

Wer die Angebote am Kulturforum künftig mit dem Pkw erreichen will, wird die Parkmöglichkeiten am Potsdamer Platz nutzen müssen. Neun Millionen Euro, bereitgestellt aus Mitteln der je zur Hälfte vom Bund und den Ländern finanzierten „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) hat die Neugestaltung gekostet.

Kulturforum: Der erste Wettbewerb wurde im Jahr 1998 entschieden

Seiner eigentlichen, schon im Namen enthaltenen Bestimmung, nämlich ein Forum der Kultur zu sein, ist das Areal fraglos einen guten Schritt näher gekommen. Das hat lange genug, für Berliner Verhältnisse sogar erstaunlich lange gedauert. Es war im Jahr 1998, als die Münchener Landschaftsarchitekten Donata und Christoph Christian Valentien den Wettbewerb für die Neugestaltung des Kulturforums gewannen.

Doch die Debatte um die Zukunft des Geländes unweit des Potsdamer Platzes riss nicht ab. Im Jahr 2006 verabschiedete das Berliner Abgeordnetenhaus einen Masterplan mit dem Ziel „die landschaftliche Seite – insbesondere auch die von Scharoun gewünschte Verbindung zum Tiergarten – zu qualifizieren“. Nach weiteren Diskussionen wurde der Valentien-Entwurf in den Jahren 2009 und 2010 überarbeitet und 2015 um den Plan des Museumsneubaus ergänzt.

Für dieses Museum ist erst kürzlich der symbolische erste Spatenstich gesetzt worden. Inzwischen gibt es auch ein paar Baucontainer, neben denen ein noch recht einsamer Bagger etwas Erdreich aushebt. Weiteres schweres Gerät wird schon bald hinzukommen, und so wird der neue Scharounplatz seine ersten Jahre in direkter Nachbarschaft zu einer Großbaustelle fristen. Die „entspannte und selbstverständliche Beziehung“, die den Worten der Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) zufolge hier in Zukunft für Kunst, Öffentlichkeit und Gesellschaft bevorstehen könnte, wird also noch etwas auf sich warten lassen.

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Baustelle am Kulturforum: Arbeiten bei laufendem Betrieb

Aber ein Anfang ist gemacht, auch wenn der nicht ganz einfach war. Der Vorstandsvorsitzende für Projekt- und Baumanagement zuständigen Grün Berlin Stiftung, Christoph Schmidt, machte bei der Übergabe auf die Herausforderung aufmerksam, die „der Bau im laufenden Betrieb“ dargestellt habe, „zum Beispiel während der Mantegna- und Bellini-Ausstellung mit über 100.000 Besucherinnen und Besuchern oder der Eröffnung der Philharmonie-Saison unter dem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko.“ Eine Herausforderung, vor der jetzt auch das Museum des 20. Jahrhunderts steht.

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