Advent in Berlin

Tipps: So hält der Weihnachtsbaum bis in den Januar

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Chris und Elisabeth von den Späth’sche Baumschulen in Treptow-Köpenick raten zur Nordmanntanne.

Chris und Elisabeth von den Späth’sche Baumschulen in Treptow-Köpenick raten zur Nordmanntanne.

Foto: Thomas Schubert

Die Berliner Morgenpost gibt Tipps für Kauf und Pflege von Weihnachtsbäumen. Ein Test ergab: Viagra im Wasser wirkt Wunder.

Er ist ein Grundpfeiler der deutschen Adventstradition, ziert Rathäuser, Schulen, Plätze und kündet sogar als Zierde auf Baukränen von der besinnlichen Zeit. Zum dritten Advent erlebt das Geschäft mit dem Weihnachtsbaum in Berlin seinen Höhepunkt. Ob im Baumarkt, beim Großhandel am Straßenrand oder direkt in der Baumschule – an Kaufmöglichkeiten besteht kein Mangel. Die richtige Auswahl von Tannen, Fichten und Kiefern folgt dem Geschmack, manchmal einer persönlichen Philosophie. Wie bleibt die Tanne möglichst lange grün? Was kostet die Anlieferung? Sind die Bäume wegen der Sommerdürre kümmerlicher? Die Berliner Morgenpost hat sich von Experten Rat geholt und gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welcher Baum ist der beste?

Das Premiumprodukt unter den Weihnachtsbäumen bleibt zweifellos die Nordmanntanne. Sie ist nicht nur das edelste und langlebigste Nadelgehölz, sondern auch das beliebteste. „Kunden haben längst entschieden, welcher Baum der beste ist“, sagt Holger Zahn, der Geschäftsführer der Späth’schen Baumschulen in Treptow-Köpenick. 80 Prozent der Verkäufe im Traditionsbetrieb entfallen auf die Nordmanntanne. Sie besteche mit einem gleichmäßigen Wuchs und halte die Nadeln am längsten. Auch Ralf Stenzel vom Handel „Der Tannenmann“ am S-Bahnhof Landsberger Allee schwört auf den Baum. Je nach Höhe und Qualität sei die Tanne auch schon für unter 50 Euro zu haben. In den Späth’schen Baumschulen empfiehlt man als Alternative für ein schmales Familienbudget lieber die Rotfichte. Sie ist ähnlich robust und in guter Qualität zum halben Preis einer Tanne zu haben.

Warum kaufen Berliner immer noch stark nadelnde Kiefern?

Eine Sonderstellung im Osten Berlins nehmen immer noch Kiefern ein. An der Beständigkeit und der ebenmäßigen Gestalt kann es kaum liegen. Denn kein anderer Baum hat eine solch lichte Statur und verliert so schnell seine Nadeln. Die Beliebtheit hat eher nostalgische Gründe, meint Baumzüchter Holger Zahn. Die Kiefer war zu Zeiten der Mangelwirtschaft in der DDR leicht verfügbar, weil sie auf den sandigen Böden im Brandenburger Umland zahlreich wuchs. Das wirkt laut Zahn bis heute nach: „Traditionalisten wollen auch heute noch Kiefern haben.“

Wie behält ein Weihnachtsbaum möglichst lange seine Nadeln?


Als Faustregel gilt: Ein Baum, der in der Kälte steht, nadelt nicht. Deshalb raten Experten wie Ralf Stenzel, den Weihnachtsbaum bis zur Aufstellung in Innenräumen auf dem Balkon oder im Garten zu lagern. Wenn man ihn dann aufstelle, helfe ein Baumständer mit eingebautem Wasserspeicher. Zwei bis drei Wochen lasse sich ein Weihnachtsbaum auf diese Weise ohne größeren Verlust von Nadeln halten. Holger Zahn von den Späth’schen Baumschulen treibt die Frage nach der Haltbarkeit schon lange um. Er hat deshalb verschiedene Methoden der Pflege anhand eines Vergleichstests erproben lassen. Mit kuriosem Ergebnis: Am längsten hält ein Weihnachtsbaum, wenn er im Wasser steht, dem Viagra beigegeben wurde. Das Potenzmittel verschaffte der Tanne geringfügig mehr Standkraft als es bloßes Wasser oder eine Mischung aus Wasser und Frostschutz oder Frischhaltemittel für Pflanzen vermochte. Ein Grundlage für Langlebigkeit können Kunden direkt beim Kauf eines Weihnachtsbaums schaffen. Es empfiehlt sich, den Stumpf noch einmal anspitzen zu lassen. So nimmt er das Wasser leichter auf und der Baum bleibt länger vital. Es ist das gleiche Prinzip wie beim Anschneiden des Stils einer Rose.

Welche Auswirkungen hatten die Hitzesommer auf die Baumzucht?


Nach zwei heißen Sommern mit Rekordtemperaturen in der Region Berlin-Brandenburg befürchten Umweltschützer Auswirkungen auf die Qualität und Verfügbarkeit von Tannen und Fichten. Der Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger geht davon aus, dass die Gehölze Ende 2019 pro Meter um 50 Cent bis einen Euro teurer sind als im Vorjahr. Damit beginne die A-Qualität auf dieses Maß gerechnet bei Preisen von 18 bis 24 Euro. Allerdings sei nicht etwa ein geringer Baumbestand für die Kostensteigerung verantwortlich, sondern ein Schub bei den Lohn- und Transportkosten. Auch die Späth’schen Baumschulen geben Entwarnung. Dürre führe zunächst einmal nur dazu, dass Nadelbäume langsamer wachsen, heißt es. Dafür wirkt das Astwerk bei langsam gewachsenen Bäumen dichter und dadurch sogar attraktiver. Da sich die Preise vor allem nach der Wuchshöhe richten, kann Dürre durchaus dazu führen, dass Händler die Verkaufspreise erhöhen, um ihre Einkünfte konstant zu halten.

Wie kann man sich den mühseligen Transport sparen?


Einen immer größeren Anteil beim Kauf von Weihnachtsbäumen nimmt der Onlinehandel ein. 27 Millionen Bäume im Jahr ließen sich die Deutschen laut des Bundesverbands der Weihnachtsbaumerzeuger zuletzt auf Bestellung liefern. Anbieter wie „Meinetanne.de“ berechnen für eine Baumlieferung zum Wunschtermin einen Versandgebühr von 7,50 Euro. Aber auch traditionelle Geschäfte wie der „Tannenmann“ an der Landsberger Allee bieten einen Lieferservice an, mit dem man sich den mühseligen Transport erspart. Die Zusatzkosten richten sich nach der Lieferentfernung und liegen bei etwa zehn Euro.


Schadet das Aufstellen von Weihnachtsbäumen der Umwelt?


Umweltschutzorganisationen wie „Robin Wood“ kritisieren die Produktion von Weihnachtsbäumen vor allem deshalb, weil dabei mitunter Pestizide zum Einsatz kommen. Züchter bezweifeln hingegen, dass sie der Umwelt schaden. Holger Zahn von den Späth’schen Baumschulen verweist darauf, dass eine professionelle Baumzucht sogar den Klimaschutz befördert. Die Bäume werden mit jahrelangem Vorlauf herangezogen, stetig nachgepflanzt und speichern ergänzend zu den Forstbeständen in der wilden Natur zusätzlich CO2.