Dealer in U-Bahnhöfen

U7, U8 und U9: Das ist Berlins Bermudadreieck der Drogen

Noch nie waren so viele Drogen im Umlauf. Vor allem auf den U-Bahnlinien U1, U7, U8 und U9 wird gedealt. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

U-Bahn in Berlin: Mitten zwischen wartenden Fahrgästen sitzt ein Drogenabhängiger zusammengesunken am U-Bahnhof Schönleinstraße. Das Drogenbesteck hat er noch in der Hand.

U-Bahn in Berlin: Mitten zwischen wartenden Fahrgästen sitzt ein Drogenabhängiger zusammengesunken am U-Bahnhof Schönleinstraße. Das Drogenbesteck hat er noch in der Hand.

Foto: Alexander Dinger

Berlin. Die Holzbänke im U-Bahnhof Schönleinstraße sind immer voll besetzt. Früh, mittags, abends. Nur selten bekommt man hier einen Sitzplatz. Manchmal sind die Bänke so begehrt, dass sich davor in einem Halbkreis kleine Grüppchen bilden. In der Mitte bleibt dann eine kleine Stelle frei. Dort liegen: Röhrchen, Silberfolie, Feuerzeuge, Spritzen, Tabak.

Es ist eine Szene, wie sie mittler­weile typisch ist für Berlin. Die Beobachtungen wiesen eindeutig darauf hin, dass der Drogenkonsum im öffentlichen Raum in den vergangenen Jahren zugenommen habe, sagt die Senatsgesundheitsverwaltung. Besonders die U-Bahnhöfe sind zu Drogenkonsumräumen verkommen, und offenbar gibt es niemanden, der das Problem schnell lösen könnte.

Anwohner rufen die Polizei. Die Polizei verweist auf die Berliner Verkehrs­betriebe (BVG), die BVG auf die Politik, und auch die stößt an ihre Grenzen. Während Unklarheit darüber herrscht, wer für das Problem zuständig ist und wie man es in den Griff bekommt, steht fest: Noch nie waren so viele Drogen auf Berlins Straßen unterwegs. Die Hauptstadt, sagen Ermittler, erlebe gerade eine Drogen-Schwemme. Das bekommen immer mehr Berliner ungewollt zu Gesicht.

Zum Beispiel am U-Bahnhof Schönleinstraße. Wer hier sitzt, wartet nicht auf die nächste U-Bahn der Linie 8. Wer hier verweilt, sagen Sozialarbeiter, ist verloren gegangen im Dreieck zwischen den Linien U7, U8 und U9. Einem Bermudadreieck der Drogen. Die Schönleinstraße ist so etwas wie das schwarze Loch in diesem Dreieck. Wer hier verschwindet, findet ohne Hilfe nicht mehr heraus.

Kriminalität in Berlin: Die Rauschgiftdelikte stiegen um 7,4 Prozent

Im Jahr 2018 stiegen die erfassten Rauschgiftdelikte um 7,4 Prozent auf den Rekordwert von 17.266. Auch die Zahl der Drogentoten wuchs rasant – von 168 auf 191. Der höchste Wert der vergan­genen zehn Jahre. Das Berliner U-Bahnnetz fungiert dabei vielfach als Verteilnetz. Auch hier verzeichnen Ermittler einen rasanten Anstieg von Drogen-Straftaten um 13,8 Prozent.

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Doch Drogen sind nicht nur ein Problem in den U-Bahnen, sondern auch in den umliegenden Straßen. Wie in Neukölln an der Donaustraße. „Die Situation mit dem offenen Drogenkonsum ist unerträglich geworden“, schrieben Anwohner erst kürzlich in einem Brief an das Bezirksamt Neukölln. Wer morgens sein Kind zur Kita bringen will, läuft vorbei an Spritzen, Folien, vollgebluteten Taschentüchern und leeren Alkoholflaschen. „Als Anwohnerin wird mir regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit schlecht“, schreibt eine Frau. Die Dealer würden offen ihre Geschäfte in den Straßen abwickeln. Es interessiere schlicht niemanden. „Mich macht diese Entwicklung sehr wütend und traurig. Seit elf Jahren wohne ich in Neukölln und wünsche mir in letzter Zeit immer häufiger, den Bezirk zu verlassen“, ergänzt sie.

Es sind Briefe, die den Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) immer häufiger erreichen. Als Treffpunkt zum Gespräch mit der Berliner Morgenpost hat Liecke den U-Bahnhof Schönleinstraße vorgeschlagen. Das Treffen dauert noch keine fünf Minuten, da läuft nur wenige Meter entfernt ein Drogendeal ab. „Das ist das Problem“, sagt Liecke. „Denen ist es völlig egal, ob sie dabei beobachtet werden, weil sie keine Konsequenzen fürchten müssen.“ Spricht man mit Polizisten vom Abschnitt 55 an der Rollbergstraße, dann bestätigen die genau das. Dealer, die sie am Morgen aus dem Verkehr ziehen, stehen am Abend bereits wieder da.

CDU-Politiker fordert intelligente Videotechnik für U-Bahnhöfe

Wie bekommt man das Problem also in den Griff? Liecke fordert intelligente Videotechnik für die Brennpunkt-Bahnhöfe. Im Moment erfolgt die Auswertung der Videos manuell und reaktiv. Die neue Technik, so Liecke, erkenne Verhaltensmuster. Würde irgendwo gedealt, könnte man sofort eingreifen. Solange es das nicht gebe, sagt er, müsse es mehr Doppelstreifen von Polizei und BVG-Sicherheitsmitarbeitern geben. Im Moment sagt Liecke, sei der Drogenhandel wie eine heiße Kartoffel. Keiner packe das Problem richtig an, und der Senat schaue einfach nur zu. „Die Verwahrlosung springt mir mit nacktem Arsch ins Gesicht. Als politisch Verantwortlicher nervt mich das“, sagt der Neuköllner Jugendstadtrat.

Bei der Polizei sagt man, die Zahlen gingen hoch, weil auch der Kontrolldruck gestiegen sei. In den U-Bahnen sei das Geschäft mit Drogen ein Ameisenhandel. Dealer verkauften Kleinstmengen an Abhängige. Die Dealer in den U-Bahnen kämen zu über 90 Prozent aus dem arabischen Raum. In den Parks würden Menschen aus Afrika dominieren. Und noch etwas beobachten Ermittler: Entlang der U-Bahnlinie 8 sei der Drogenhandel fest in der Hand von zwei Großfamilien. Es gibt Erkenntnisse, wonach Dealer sogar Standmiete an diese Familien zahlen müssten, um die Drogen dort verkaufen zu dürfen.

Dabei haben das Hausrecht in den U-Bahnhöfen eigentlich die Berliner Verkehrsbetriebe. Die BVG jedoch sieht sich selbst nur bedingt in der Pflicht. Schließlich sei man nicht die Polizei. „Wir können nur sagen, bitte verlassen Sie den Bahnhof“, erklärt BVG-Sprecherin Petra Nelken. Über den Effekt der Maßnahmen macht sie sich keine Illusionen. „Die sind dann nach kurzer Zeit wieder da.“ Die Linie U8, insbesondere die Station Schönleinstraße, hätten die Sicherheitskräfte verstärkt im Blick. Von Ideen wie intelligenter Videotechnik hält Nelken hingegen nichts. „Videoüberwachung ist laut Datenschutzrecht in Deutschland überhaupt nicht erlaubt.“ Zwar hingen auf allen U-Bahnhöfen Kameras, jedoch nur für die Aufzeichnung, um die Aufnahmen später auszuwerten. „Es gibt in Deutschland ein strenges Datenschutzrecht“, sagt Nelken. „Und das ist auch gut so.“

Bezirk Mitte: Der U-Bahnhof Osloer Straße gilt als kritischer Bereich

Auch am anderen Ende der Innenstadt, rund um den U-Bahnhof Osloer Straße, bereiten Drogenabhängige den Anrainern Sorgen. Hier, wo sich die Linien U8 und U9 treffen, kommen Dealer und Süchtige aus beiden Richtungen zusammen. Die Station gilt im Bezirk Mitte als kritischer Bereich. Besonders beliebt unter Junkies ist eine kleine Grünfläche direkt am U-Bahnausgang. Die angrenzende Kita an der Schwedenstraße bekommt das seit Jahren zu spüren. „Die Spritzen werden zu uns rüber auf den Rasen geschmissen“, sagt Margit Klengel, Berliner Regionalleiterin des Trägers Jugend- und Sozialwerk gGmbH. Jeden Morgen müssten Hausmeister oder Kitaleitung das Außengelände ablaufen, um benutzte Kanülen einzusammeln. Versteckt hinter den Büschen, setzen sich die Süchtigen nicht nur einen Schuss. Auch als Toilette werde der schwer einsehbare Fleck genutzt, erklärt Klengel. „Wir finden da gehäuft Fäkalien am Zaun.“

Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) kennt diese Geschichten zur Genüge. Es sei „zutiefst frustrierend“, dass es in Mitte kaum öffentliche Plätze gebe, die nicht von der Drogenthematik betroffen seien. Immer wieder hätten sich Betroffene an ihn gewandt. Familien, die an den Stationen Heinrich-Heine-Straße und Rosenthaler Platz wohnten, führen ihre Kinder wieder mit dem Auto zur Schule. „Weil sie nicht wollen, dass die Kinder am U-Bahnhof sehen, wie Leute Heroin rauchen oder spritzen“. Für den Bezirksbürgermeister „ein echtes Alarmzeichen“.

Drogensüchtige benutzen Friedhof in Wedding als Toilette

Doch wo landen die Suchtkranken, wenn sie von den U-Bahnhöfen vertrieben werden? Abhängige suchen sich ruhige, versteckte Orte in der Stadt. Davon bleiben auch Friedhöfe nicht verschont. Eine Anlage in Wedding hat das im Frühjahr mit voller Wucht zu spüren bekommen. Immer wieder fanden Mitarbeiter Blut, Spritzen und Exkremente auf Gräbern und in der Kapelle. Das zeigen Fotos, die der Berliner Morgenpost vorliegen. Auf dem Höhepunkt der Problematik wandte sich Tillmann Wagner, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbands Berlin Stadtmitte, im Sommer mit einer Brand-E-Mail an Polizei, Bezirksamt und die Drogenhilfe Fixpunkt.

Darin zitiert er die Schilderung einer Mitarbeiterin: „Aktuell ist letzte Woche bei einer Trauerfeier in unserer Kapelle auf dem Weg zum städtischen Urnenfriedhof eine Trauergesellschaft mit der Pfarrerin auf einen Abhängigen gestoßen, der sich in dem Moment seiner Unterkleidung entledigte und sein Geschäft verrichtete.“ Für Wagner waren die Zustände untragbar geworden. „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.“ Die Präsenz von Zivilpolizisten, Ordnungsamt und Fixpunkt-Mitarbeitern hätten die Situation seitdem gelindert. „Es ist merklich besser geworden“, konstatiert Wagner, „aber natürlich suchen sie weiterhin den Friedhof auf.“ Was der Geschäftsführer auch weiß: Die Suchtkranken sind dadurch nicht weg. „Das ist immer nur ein Ortswechsel, der da stattfindet.“

Einer jener, über die in der Debatte immer geredet wird, ist Marcin S. Für ihn geht es schon lange nicht mehr ohne Drogen. „Einmal süchtig, immer süchtig.“ Seit 1996 ist der Obdachlose auf Heroin. Hat mehrere Therapien gemacht, zwischendrin im Gefängnis gesessen, doch losgekommen ist er von dem Stoff nie. Zwei Kügelchen am Tag müssten es sein, sagt er. Kügelchen, so nennen sie in der Szene die kleinen, in Plastikfolie eingepackten Konsumeinheiten, acht bis zehn Euro das Stück.

Auf der U-Bahn-Linie U9 werden Abhängige offenbar immer fündig

Am Vormittag hat S. sich damit am U-Bahnhof Amrumer Straße versorgt. Auf der U-Bahnlinie U9, sagt er, würden Abhängige immer fündig. Stets warte an einer der Stationen ein bekanntes Gesicht, bei dem er den nächsten Rausch kaufen könne. Gegen Mittag raucht der 50-Jährige das erste Blech. „Das reicht bis etwa 20 Uhr.“ Auf „H“ gehe es ihm gut. Doch nach meh­reren Stunden setzten die Entzugserscheinungen unweigerlich wieder ein. Er bekomme Bauchkrämpfe, die Knie fingen an zu schmerzen. Dann müsse er nachlegen.

Die Droge, sie bestimmt seine Tage. Immer wieder verbringt der Obdachlose diese hinter der neuen Nazarethkirche am Leopoldplatz. Nachts, wenn die Temperaturen sinken, zieht es ihn in den Bahnhof. „Wenn es kalt wird, setze ich mich am Bahnsteig hinten in die Ecke.“ Vor den Augen von Passanten zu konsumieren, das mache er nicht. „Viele stellen sich da einfach hin, das ist nicht gut.“ Zum Rauchen gehe er abends in öffentliche Toiletten oder Nischen. Tagsüber hingegen hält er sich am liebsten in der „Birkenstube“ auf.

Drogenkonsumraum: Seit 2004 konsumieren Süchtige in der „Birkenstube“

Süßlich-faulig hängt der Geruch in der Luft, mischt sich mit abgestandenem Rauch. „Das ist das Opium“, sagt Christian Hennis. Der Sozialpädagoge ist Leiter der „Birkenstube“. Sie ist Berlins erster Drogenkonsumraum, gelegen an der Birkenstraße in Moabit. Wer drogen­abhängig ist, kann hier seit 2004 unter Aufsicht mitgebrachten Stoff einnehmen. An den blanken Edelstahltischen im Spritzzimmer finden bis zu sechs Süchtige gleichzeitig Platz. Jedem reichen die Mitarbeiter in einer Pommes-frites-Schale Spritzbesteck, Nadel, Pumpe, Schälchen, Tupftuch, Tabletten mit Ascorbinsäure zum schnelleren Auflösen, alles steril verpackt. Sieben Nutzer können gleichzeitig nebenan im Raucherraum den Stoff von der Aluminiumfolie inhalieren. Meist nehmen die Konsumenten Heroin oder Kokain, manchmal auch gemischt.

Mit einer Tasse Kaffee setzen sich Hennis und Werner Brose von der Trägergesellschaft Vista ins Büro nebenan. Es ist Morgen, die „Birkenstube“ hat ihre Türen für die spezielle Kundschaft noch nicht geöffnet. Die Situation draußen auf der Straße? Natürlich bekommen sie die mit. Das Problem sei viel sichtbarer als früher, sagt Brose. „Auf manchen U-Bahnhöfen sind die Zustände unhaltbar.“

Aus Fachkreisen heißt es, die Zahl der Drogenabhängigen in Berlin habe in den vergangenen Jahren zugenommen. Rund 20.000 sollen es mittlerweile sein. Dass man im Alltag plötzlich so viel häufiger auf Menschen trifft, die sich im ­U-Bahnhof oder in Grünanlagen einen Schuss setzen oder Heroin rauchen, habe jedoch auch mit stark steigenden Mieten und Verdrängung aus den eigenen vier Wänden zu tun, sagt Hennis: „Ich erlebe fast im Wochentakt, wie meine Kunden aus ihren Wohnungen fliegen, wegen Gründen, die früher keine Gründe waren.“ Wer heute auf der Straße konsumiert, habe das vor einigen Jahren noch in der eigenen Wohnung getan, ohne dass es Passanten aufgefallen wäre.

Umso wichtiger seien Orte wie die „Birkenstube“, finden Hennis und Brose. „Eine Einrichtung wie diese hier soll den sozialen Raum auch entlasten“, sagt Hennis. Dort können Abhängige nicht nur konsumieren. Zwischen 10.30 Uhr und 16.30 Uhr ist die „Birkenstube“ an Werktagen auch ein warmer Aufenthaltsraum. Obdachlose können duschen und die Kleidung wechseln, es gibt Mittagessen für einen Euro und Getränke und Hygieneartikel für Centbeträge. In Hennis’ Augen ist die Einrichtung noch mehr: „Das ist ein Kommunikationsort für Leute, die extrem an den Rand der Gesellschaft gedrückt sind.“

Konsumenten weichen von der Birkenstube auf den U-Bahnhof Birkenstraße aus

Und einer, der immer beliebter wird. Zu beliebt. Die Zahl der Nutzer ist in den vergangenen Jahren explodiert. Nutzten Abhängige die Einrichtung 2015 noch rund 8700-mal zum Spritzen und Rauchen, gab es 2018 mehr als 26.200 Konsumvorgänge in der „Birkenstube“. Die Nutzerzahl hat sich in der Zeit fast verdoppelt, auf über 900 jährlich. „Der Laden läuft seit zwei Jahren am Limit“, sagt Brose. Zwischen Oktober 2018 und April 2019 haben sie die Aufnahme neuer Konsumenten wegen des großen Andrangs stoppen müssen. „Das war jenseits dessen, was unter Sicherheitsaspekten vertretbar war.“

Die Folgen der langen Wartezeiten: Die Konsumenten wichen auf den U-Bahnhof Birkenstraße und die Nischen und Parks der Umgebung aus. Zuletzt sei die Nutzerzahl wieder auf ein erträgliches Maß gesunken, erklären die Männer. Grund sei, dass seit Januar 2019 auch nahe dem S-Bahnhof Neukölln an Wochentagen ein Konsumraum geöffnet habe. Auch dort seien die Kapazitäten längst ausgereizt, sagt Hennis. „Binnen zwei Wochen liefen die richtig unter Volllast.“ Mehr Konsumräume wären hilfreich, findet er, „für die betroffenen Menschen und den öffentlichen Raum“.

Am U-Bahnhof Osloer Straße fehlt ein geeigneter Raum

Das haben auch Bezirke und das Land Berlin erkannt. Geplant sei für 2020 und 2021 mindestens je ein wei­terer Drogenkonsumraum innerhalb des Innenstadtrings, sagt die Landesdro­genbeauftragte Christine Köhler-Azara. Auch die Öffnungszeiten der bestehenden Einrichtungen sollen im kommenden Jahr auf acht Stunden täglich an allen sieben Wochentagen erweitert werden. Der nächste Druckraum könnte im Sommer 2020 am Kottbusser Tor in Kreuzberg eröffnen, erklärt Köhler-Azara. Lieber gestern als morgen hätten Gesundheitsverwaltung und Bezirk Mitte auch eine Station am U-Bahnhof Osloer Straße einrichten wollen. Was fehlt: der geeignete Raum. Die Suche nach einer Immobilie laufe seit einem Jahr erfolglos, heißt es. „Private Vermieter haben hier wenig Interesse“, sagt die Landesdrogenbeauftragte.

Solange es dabei bleibt, hasten am U-Bahnhof Schönleinstraße weiter Menschen zum Zug, während die Gruppe auf der Bank davon nichts mitbekommt. Einer von ihnen ist an diesem großstadtgrauen Wochentag bereits zusammen­gesunken, kaum noch ansprechbar. Als sich sechs Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma vor ihm aufbauen und fragen, ob alles in Ordnung sei, richtet er sich kurz auf, nuschelt etwas und sackt wieder zusammen. Die sechs Männer gehen weiter. Als der Reporter der Berliner Morgenpost fragt, warum man im U-Bahnhof Drogen konsumieren darf, wird er auf­gefordert seinen Fahrschein zu zeigen und schließlich des Bahnhofes verwiesen. Der Drogenabhängige bleibt.