City-S-Bahn

Schäden an Reichstag durch S21-Tunnel befürchtet

Der Tunnel der S21 soll unter der Erde neben dem Reichstag entlang führen. Schäden werden befürchtet. An einer Lösung wird gearbeitet.

Der Bundestag hat Bedenken beim Ausbau der S-Bahn-Linie 21.

Der Bundestag hat Bedenken beim Ausbau der S-Bahn-Linie 21.

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Berlin. Die Bundestagsverwaltung hat am Sonnabend einem Zeitungsbericht widersprochen, wonach die Verwaltung des Parlaments den Ausbau der geplanten City-S-Bahn S21 bremsen würde. „Eine Trassenführung der S21 mit dem Risiko einer Setzung oder eines Einsturzes des Reichstagsgebäudes wird es nicht geben. Bundestag und Bahn arbeiten jedoch an einer Lösung, die dieses Risiko ausschließt und den Anschluss an den sogenannten Heuboden trotzdem ermöglicht. Die Arbeiten stehen kurz vor ihrem Abschluss“, sagte Wolfgang Kubicki (FDP), Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der Baukommission, am Sonnabend der Berliner Morgenpost.

Der „Tagesspiegel“ hatte zuvor berichtet, dass die Bundestagsverwaltung durch den Bau mögliche Beschädigungen der Gebäude befürchte. Ein leitender Senatsbeamter warf der Bundestagsverwaltung sogar vor, seit mehr als zwei Jahren die Planungen für das Infrastrukturprojekt zu blockieren. „Es ist bedauerlich, dass die Berliner Verkehrsverwaltung mit unzutreffenden Äußerungen die Öffentlichkeit beunruhigt“, entgegnete Kubicki daraufhin.

Deutsche Bahn bespricht mit Bundestag mögliche Varianten

Laut der Zeitung könnte durch ein mögliches Veto der Bundestagsverwaltung vor allem der Anschluss an einen bestehenden Tunnel, den sogenannten Heuboden, unmöglich werden. Als Heuboden wird der bereits in den 1930er-Jahren fertiggestellte Tunnel unterhalb der Ebertstraße vom Potsdamer Platz bis kurz vor das Brandenburger Tor bezeichnet.

Um den Anschluss an die bestehende Röhre zu ermöglichen würde die Deutsche Bahn gerne östlich und westlich des Reichstags für jedes Gleis eine Röhre bohren. Die Parlamentarier hingegen wünschen sich offenbar mehr Abstand.

Der märkische Sandboden unter der deutschen Hauptstadt hatte in der Vergangenheit immer wieder Schwierigkeiten bei komplizierten Baumaßnahmen gemacht. Probleme gab es zuletzt bei dem Bau zur Verlängerung der U-Bahn-Linie 5. 2016 hatte es dort massive Risse und Wassereinbrüche in Tunneln in Richtung Alexanderplatz gegeben.

Situationen, die die Bundestagsverwaltung bei dem Bau der S-Bahn-Linie 21 in jedem Fall vermeiden will. Eine Sprecherin des Hauses verwies gegenüber der Morgenpost darauf, dass der Reichstag ein zigtausend Tonnen schweres, historisches Steingebäude sei. Allein schon die auf dem Dach verbaute Besucherkuppel aus Glas und Stahl habe ein Gewicht von 1200 Tonnen.

Um jegliche Bedenken mit Blick auf ein mögliches Absacken des Gebäudes auszuschließen, stimme sich die Baukommission des Parlaments eng mit der Leitung der Bahn über die Trassenführung ab. Diese Gespräche stünden kurz vor dem Abschluss, so die Sprecherin.

Vorzugsvariante soll Anfang des kommenden Jahres präsentiert werden

„Der aktuelle Planungsstand und die sich nach Berücksichtigung der Bedenken der Bundestagsverwaltung ergebende Vorzugsvariante werden der Bau- und Raumkommission des Ältestenrates des Deutschen Bundestages voraussichtlich Anfang 2020 vorgestellt“, teilte auch der Sprecher der Berliner Verkehrsverwaltung, Jan Thomsen, auf eine Morgenpost-Anfrage hin mit. Derzeit würden unter anderem mögliche Trassen östlich und westlich des Reichstagsgebäudes untersucht. Laut Kubicki würde aber auch die Vorzugsvariante des Bundestags den Anschluss an den bereits bestehenden Heuboden ermöglichen.

An S-Bahn-Linie 21, die den Berliner Norden mit dem Hauptbahnhof verbinden soll, wird bereits seit 2010 gebaut. Die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts ist für 2026 geplant. Für die zweiten und dritten Bauabschnitte liegen, so Thomsen, Grobzeitpläne mit Eröffnungszeitpunkten 2035 und 2036 vor. Ursprünglich sollte das Projekt 2030 fertiggestellt sein. Eine neue Kostenschätzung gebe es laut Thomsen noch nicht. 2017 waren Kosten in Höhe von 900 Millionen Euro für alle drei Abschnitte genannt worden.