Bildung

Zehn Millionen Euro für Berliner Brennpunktschulen

Viele Schulschwänzer, hohe Abbrecherraten – manche Berliner Schulen sind in einer schwierigen Lage. Die Berlin-Challenge soll helfen.

Schulen mit besonders vielen Schülern ohne Abschluss will der Senat mit einem neuen Hilfeprogramm stärker unterstützten.

Schulen mit besonders vielen Schülern ohne Abschluss will der Senat mit einem neuen Hilfeprogramm stärker unterstützten.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Berlin. Mit dem nun beschlossenen Etat schlägt die rot-rot-grüne Koalition in puncto Brennpunktschulen einen neuen Weg ein: die „Berlin Challenge“. Zehn Millionen Euro sind dafür im Haushalt 2020/21 vorgesehen, fünf Millionen Euro pro Jahr. Aber was steckt dahinter?

Brennpunktschulen: „Berlin Challenge“ als Pilotprojekt

Es geht darum, die Situation von Schulen, die in schwierigem Fahrwasser sind, nachhaltig zu verbessern – ob nun Grundschulen oder Integrierte Sekundarschulen. Es geht um Schulen, an denen beispielsweise die Schuldistanz groß ist, wo es große Sprachprobleme gibt oder eine hohe Quote von Schülern, die am Ende ohne Abschluss bleiben. Diese Quote kann in Berlin in Extremfällen bei über 40 Prozent liegen. Angedacht ist die „Berlin Challenge“ als Pilotprojekt für rund 20 Schulen in vier ausgewählten Bezirken. Zwei liegen im Zentrum – Mitte und Neukölln –, zwei am Rande der Hauptstadt: Spandau und Marzahn-Hellersdorf.

Das Vorbild für die „Berlin Challenge“ liegt in London. Im Frühjahr besuchte eine SPD-Delegation von Bildungspolitikern, darunter der Vorsitzende der Berliner SPD-Fraktion Raed Saleh und deren Bildungsexpertin Maja Lasić, die englische Metropole. Öffentliche Schulen wurden dort in Brennpunktvierteln immer unattraktiver. Mit der „London Challenge“ änderte sich das nach 2002.

Aber wonach entscheidet sich, wem in Berlin geholfen wird? „Grundlage sind die Daten aus dem Indikatorenmodell“, erklärt Maja Lasić. Dieses Modell arbeitet mit Ergebnissen der Vergleichsarbeiten, der Zahl von Abgängern ohne Schulabschluss oder Daten wie Schuldistanz und Gewalt. Berlins öffentliche Schulen füttern das Indikatoren-Programm regelmäßig mit diesen schulrelevanten Daten. In einem Ampelsystem wird jeder Schule so individuell angezeigt, wo man steht. Bei „rot“ etwa muss dringend gehandelt werden.

Schulen sollen sich aktiv bewerben

Allerdings kann man Schulen nicht zwingen, bei der „Berlin Challenge“ mitzumachen – selbst wenn das rote Alarmsignal häufig aufleuchtet. „Wir brauchen den Willen der Schulen“, sagt Lasić. Die Einrichtungen sollen sich aktiv bewerben. Ist man angenommen, wird keine pauschale Lösung angeboten, sondern man will mit dem Baukastenprinzip arbeiten. Jede Schule soll gezielt das auswählen, was sie braucht, um einen Wandel zu schaffen. Ob Fortbildung für das Kollegium, personelle Unterstützung bei der Sprachförderung, oder zeitliche Entlastung für die Schulleitung, um über ein neues Konzept nachzudenken. Bis zu 300.000 Euro kann eine Schule zusätzlich erhalten. Im Schuljahr 2020/21 soll es damit losgehen, so Lasić.

Die „Berlin Challenge“ ist der nächste Versuch, an Brennpunktschulen eine nachhaltige Verbesserung hinzubekommen. Schon vorher probierte man das an zehn verschiedenen Schulen mit dem Turn-Around-Programm. Die Bilanz dieses „Umdrehens“, der bis 2017 lief, ist durchwachsen. Allerdings war bei dem Programm weniger Geld im Spiel. Für das Projekt standen in den vier Jahren 1,9 Millionen Euro zur Verfügung.

Aber wer soll die „Berlin Challenge“ stemmen? Vieles muss im nächsten halben Jahr noch abgestimmt werden, beispielsweise, welche Partner man für das Projekt ins Boot holt. Man führe in der Senatsbildungsverwaltung intensive Gespräche, sagt deren Sprecher Martin Klesmann. Grundsätzlich passe die „Berlin Challenge“ aber gut in den Fokus Schulqualität, den man sich gesetzt hat. Angeleitet vom Bildungsforscher Olaf Köller hat sich eine Kommission für mehr Qualität gebildet, bei der die „Berlin Challenge“ gut ins Konzept passen werde. „Wir arbeiten an einem Anreizsystem, damit Schulen in schwieriger Lage sich daran beteiligen“, sagt Klesmann.