Bildband

Ansichten aus Ost-Berlin der 80er-Jahre

Ein sehenswerter Bildband zeigt das Alltagsleben im Ost-Berlin der 80er-Jahre.

Blick auf den Gendarmenmarkt mit Deutschem Dom, 1981. Die Ruine belegt, wie lange die Nachkriegszeit andauerte. Erst zwei Jahre später begannen die Wiederaufbauarbeiten an dem barocken Baudenkmal, das 1780-1785 nach Plänen Carol von Gontards im Auftrag Friedrich des Großen errichtet worden war.

Blick auf den Gendarmenmarkt mit Deutschem Dom, 1981. Die Ruine belegt, wie lange die Nachkriegszeit andauerte. Erst zwei Jahre später begannen die Wiederaufbauarbeiten an dem barocken Baudenkmal, das 1780-1785 nach Plänen Carol von Gontards im Auftrag Friedrich des Großen errichtet worden war.

Foto: Udo Hesse / Hartmann Books 2019

Der in West-Berlin lebende Fotograf Udo Hesse besuchte in den 80er-Jahren mehrfach Ost-Berlin, um dort das alltägliche Leben einzufangen. Zu den Dingen, auf die er dabei achten musste, gehörte, dass er die Mauer nicht fotografieren durfte.

Eines Tages aber, so schildert er es in dem jetzt erschienenen Bildband, konnte er der Versuchung nicht widerstehen. Am Ende der Schwedter Straße sah er hinter der Mauer die Besucher einer Aussichtsplattform im Westen. Das Motiv reizte ihn: „Das Motiv sehen, die Kamera ans Auge heben, zwei, drei mal, ist nur eine Sache von Sekunden.“ Aber die Sache ging schief: „Der Vopo, der mich augenblicklich anrief, schien nur wenige Meter vor mir aus dem Boden gewachsen zu sein.“ Seine Filme nahm er ihm weg.

Was folgte, war eine aus heutiger Sicht hinreißend absurde, damals aber wohl eher beängstigende Odyssee durch die DDR-Vernehmungszimmer, bis sich Hesse schließlich einem leger gekleideten Mann mit ebenso lockerem Habitus gegenüber sah („Der Name tut nichts zur Sache, sagte er“), der ihm die Herausgabe seiner Fotos bei einem privaten Treffen in Aussicht stellte.

Das war nicht weniger als ein Anwerbungsversuch des Staatssicherheitsdienstes, auf den Hesse, auch nach Rücksprache mit einem schlecht gelaunten West-Berliner Beamten, nicht einging. Stattdessen fand er 2007 nach Antrag bei der Stasi-Unterlagenbehörde in seiner 40-seitigen Akte „sieben meiner Negative, entwickelt von der Stasi.“