Statistische Jahrbücher

Von Babys und Brexit - Berlin und Brandenburg statistisch

Das Statistikamt hat die Jahrbücher für Berlin und Brandenburg vorgestellt. Es zeigt sich: Die Brandenburger sind die wahren Schwaben.

Die Zahl der Neugeborenen ist in Berlin gestiegen.

Die Zahl der Neugeborenen ist in Berlin gestiegen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Herbert Spies

Berlin. Man muss schon ein Faible für Zahlen haben, um sich an diese Lektüre heranzutrauen. Am Freitag wurden in Potsdam die Statistischen Jahrbücher für Berlin und Brandenburg präsentiert. Das macht insgesamt 1276 Seiten mit Statistiken, Tabellen, Diagrammen.

Eine Demonstration der Macht der Zahlen hat der Vorstand des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg, Jörg Fidorra, dann auch direkt vorangestellt. Da die Veröffentlichung in diesem Jahr auf einen Freitag, den 13. fiel, untersuchte sein Amt Daten zu einzelnen Wochentagen. Ergebnis: Gegen nüchterne Statistiken hält Aberglaube nicht stand, es konnten keine systematischen Auffälligkeiten am vermeintlichen Unglückstag nachgewiesen werden.

Wer sich durch die Datenberge wühlt, der wird dafür mit Erkenntnissen über langfristige Entwicklungen in der Hauptstadt und in Brandenburg belohnt. Und findet zwischen unendlichen Zahlenreihen auch die ein oder andere Überraschung.

Der Brexit-Effekt: 6500 Bürger nahmen in Berlin 2018 die deutsche Staatsbürgerschaft an, in Brandenburg waren es 801. Die meisten Neu-Bürger kamen in beiden Ländern aus dem Vereinigten Königreich. 536 Briten ließen sich in Berlin einbürgern, 75 in Brandenburg. Das sind deutlich mehr als vor dem Brexit-Referendum.

Regenbogen-Hauptstadt: In Brandenburg gingen im vergangenen Jahr 15.440 Paare den Bund fürs Leben ein, darunter 903 gleichgeschlechtliche. In Berlin waren es rund 15.660 Ehen, darunter 2540 gleichgeschlechtliche.

Berliner Kindersegen: „Während wir in Berlin auch im Jahr 2018 einen Geburtenüberschuss verzeichnen, ist das Geburtendefizit in Brandenburg das höchste seit 1995“, sagte Martin Axnick vom Statistikamt. 40.203 Kinder erblickten in der Hauptstadt das Licht der Welt, das waren 40 mehr als 2017. In Brandenburg waren es im vergangenen Jahr 19.881 Babys, 457 weniger als im Jahr zuvor. Statistisch wurden in Berlin 1,44 Kinder je Frau geboren, in Brandenburg 1,61.

Das wahre Schwaben: Trotzdem ist in beiden Bundesländern die Bevölkerungszahlen weiter gestiegen: Zum 31. Dezember 2018 zählte man 3.644.826 Berliner und 2.511.917 Brandenburger. „Berlin profitiert hier von Zuwanderern aus dem Ausland, Brandenburg vom Zuzug aus Berlin. Insbesondere Familien ziehen von der Hauptstadt in das Umland, aber auch in den weiteren Metropolenraum“, sagte Axnick. Seine Zahlen räumen auch mit einem Mythos auf: die Schwabisierung Berlins. So sind 2018 insgesamt 6637 Menschen aus Baden-Württemberg in die Hauptstadt gezogen. Deutlich mehr kamen aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Mit 16.945 Personen zog es am meisten Brandenburger nach Berlin. 32.890 zogen in die andere Richtung.

Derwische: 65 Menschen gehören in Berlin dem Sufismus an. Das ist eine Bezeichnung für asketische Strömungen im Islam. Bekannt sind vor allem die Derwische mit ihrem Kreiseltanz. Außerdem zählt Berlin 22 Quäker und 144 Mitglieder der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo Kirchengemeinde. Mit 558.992 hat die Evangelische Kirche in Berlin zwar mehr Mitglieder als die Katholische (326.095). Dafür sind die Katholiken treuere Kirchgänger. Im Schnitt zählte das Erzbistum 2628 Gottesdienstbesuche pro Monat. Das sind mehr als doppelt so viele wie bei den Protestanten. In Brandenburg zählt die Evangelische Kirche 348.727 Mitglieder, die Katholische 90.208.

Unfälle: Die Brandenburger Polizei registrierte 143 Tote bei Verkehrsunfällen, fünf weniger als im Jahr zuvor. Die Zahl der Unfälle ging um 3,5 Prozent auf 82.462 zurück. Rund 144.000 Verkehrsunfälle wurden in Berlin erfasst, 0,6 Prozent mehr als 2017. Bei rund 15.100 Unfällen mit Personenschäden wurden 18.171 Menschen verletzt. 45 Menschen starben, neun mehr als im Vorjahr.

Fleischhunger: Brandenburger geben im Schnitt mehr Geld für Alkohol aus als Berliner. Pro Haushalt und Monat sind das in der Hauptstadt 22,18 Euro, in Brandenburg 27,84 Euro. Für alkoholfreie Getränke sind es jeweils 26,83 Euro und 27,76 Euro. Im Vergleich der Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren geht in beiden Bundesländern am meisten Geld für Fleisch drauf. In Brandenburg sind es mit 53,21 Euro aber deutlich mehr als in Berlin (37,67 Euro). In beiden Ländern hat sich der Preisanstieg leicht erhöht: in Berlin auf 1,8 Prozent, in Brandenburg auf 1,7 Prozent.

Hunde hier, Hühner da: Die meisten Hunde gibt es in Berlin in den Bezirken Reinickendorf und Marzahn-Hellersdorf. Dort zählten die Statistiker je 40 Hunde auf 1000 Einwohner. In Mitte und Friedrichshain Kreuzberg sind es jeweils 17. Insgesamt lebten 2018 in Berlin 105.836. Fast 2000 weniger als im Vorjahr. In Brandeburg hat das Statistikamt den besten Freund des Menschen keinem Zensus unterzogen. Dafür gibt es in der Landwirtschaft 529.071 Rinder und 751.722 Schweine, 2016 wurden 10.320.617 Geflügeltiere gezählt. In Berlin wurde das Geflügel zuletzt 2013 erfasst. Da waren es 505 Tiere.