Berliner Verkehrsbetriebe

BVG fährt in die roten Zahlen

Die BVG schließt das Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem dicken Minus ab. Grund ist die Tariferhöhung vom Frühjahr.

Eine U-Bahn fährt am Schlesischen Tor in Kreuzberg.

Eine U-Bahn fährt am Schlesischen Tor in Kreuzberg.

Foto: picture alliance

Berlin. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) werden das laufende Geschäftsjahr 2019 voraussichtlich mit einem Minus von 73,6 Millionen Euro abschließen. Das teilte der Gesamtpersonalrat am Freitag im Rahmen der Verabschiedung der langjährigen BVG-Chefin Sigrid Nikutta mit. Hintergrund: der Tarifabschluss für BVG-Mitarbeiter im Frühjahr 2019. Bislang ist noch nicht gesichert, ob das Land Berlin die steigende Löhne und Gehälter durch einen höheren Zuschuss an die BVG ausgleichen wird.

Laut Gewerkschaft Verdi liegen Informationen vor, nach denen der Berliner Senat den BVG-Tarifabschluss 2019 nicht refinanzieren werde. „Damit wird dem Unternehmen ein gewaltiger Schuldenberg aufgelastet. Mit dieser unverständlichen Entscheidung wird die BVG in die roten Zahlen getrieben“, kritisierte Frank Wolf, Verdi-Landesbezirksleiter, am Freitag. Es könne nicht sein, dass der notwendige, gute Tarifabschluss von der BVG allein finanziert werden soll, was aus den erwirtschafteten Erträgen auch gar nicht möglich sei.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die BVG noch einen Gewinn in Höhe von 13 Millionen Euro.

Lohnkosten bei der BVG stiegen um 100 Millionen Euro

Bei dem intensiven und lang andauernden Tarifstreit im Frühjahr 2019 wurde für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BVG eine durchschnittliche Gehaltserhöhung von 18 Prozent rückwirkend zum Januar 2019 erstritten. Damit stiegen die Lohnkosten um 100 Millionen Euro in diesem Jahr.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BVG sorgen jeden Tag mit ihrem Einsatz dafür, dass wir in Berlin gut und schnell ans Ziel gelangen. Die BVG steht als landeseigenes Unternehmen für gute Arbeit, dies wurde mit dem Tarifabschluss bestätigt", sagte BVG-Aufsichtsratsvorsitzende Ramona Pop (Grüne). "Selbstverständlich wird die BVG einen Eigenbeitrag zur Finanzierung leisten", erklärte Pop. Wenn aber durch steigende Gehälter die Leistung für das Land Berlin teurer werde, stehe das Land Berlin ebenfalls in der Pflicht, gute Arbeit zu unterstützen. "Diese Haltung hat der Senat, denn gute Arbeit ist ein erklärtes Ziel unserer Koalition", sagte sie weiter.

Verdi-Mitglieder demonstrierten am Freitagmittag vor dem BVG-Betriebshof in Weißensee an der Indira-Gandhi-Straße, weil sie sich vom Senat im Stich gelassen fühlen. Sollte das Land keinen Finanzierungsbeitrag leisten, müsste die BVG, da sie die Ticketpreise nicht erhöhen kann, neue Schulden aufnehmen.

Lesen Sie auch: Keiner will die BVG-Tariferhöhung bezahlen