Kriminalität

Organisierte Kriminalität: Diese Gruppen sind im Visier

Die Ermittlungen richten sich gegen russisch-eurasische Banden. Im Visier sind auch Rocker sowie arabischstämmigee Clan-Mitglieder.

Polizisten und Zollbeamte stehen im April bei einer Clan-Razzia vor einer Shisha-Bar.

Polizisten und Zollbeamte stehen im April bei einer Clan-Razzia vor einer Shisha-Bar.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Die Hauptstadt ist auch die Hauptstadt der Drogen. Besonders Kokain erfreue sich immer größerer Beliebtheit. „Wir erleben gerade bundesweit, europaweit kann man sagen, eine Kokainschwemme ungeahnten Ausmaßes“, sagte der Abteilungsleiter im Landeskriminalamt (LKA) für den OK-Bereich, Sebastian Laudan, am Mittwoch bei der Vorstellung des Lagebildes zur Organisierten Kriminalität in Berlin. Es gehe um beschlagnahmte Koks-Mengen, „die man vor Jahren noch nicht hat glauben können“. Dabei sei auch Berlin sowohl Umschlagplatz als auch Zielort von Drogenschmuggel und Drogenhandel.

Das sehr einträgliche Geschäft mit dem Kokain werde von diversen Banden, Gruppen und Ethnien betrieben, sagte Laudan. „Die Rauschgiftkriminalität ist das Schmiermittel der Organisierten Kriminalität. Das war schon vor vielen Jahren so, das wird auch in der Zukunft so sein.“

Außer dem Drogenhandel ging es bei den 59 OK-Ermittlungskomplexen der Berliner Polizei vor allem um Autodiebstahl, Schmuggel- und Zolldelikte, Zwangsprostitution und Fälschungen. Rund 460 Verdächtige wurden erfasst. Der große Teil von ihnen (63 Prozent) hat eine ausländische Staatsangehörigkeit. Sie kommen vor allem aus Bulgarien, der Türkei, Polen, Russland, Ukraine, Litauen und Serbien. Von den 173 deutschen Verdächtigen hat laut Polizei ein deutlicher Anteil einen Migrationshintergrund.

Berliner Polizei stellt zum ersten Mal ein OK-Lagebild vor

Zum ersten Mal hatte die Berliner Polizei ein eigenes Lagebild zur Organisierten Kriminalität vorgestellt. Die Ausarbeitung orientiert sich in Inhalt und Struktur am Bundeslagebild Organisierte Kriminalität und bildet erstmalig auch die Bedeutung krimineller Mitglieder von Großfamilien ab. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte: „Wir dulden in Berlin keine auf offener Straße ausgetragenen Macht- oder Revierkämpfe, bei denen unschuldige Opfer billigend hingenommen werden. Wir werden den Verfolgungsdruck erhöhen.“ Bei der Berliner Polizei wurde eine Koordinierungsstelle Organisierte Kriminalität neu geschaffen und ein Zentrum für die Analyse und Koordination zur Bekämpfung krimineller Strukturen im Landeskriminalamt errichtet.

Die auffälligsten Banden waren Rocker, Gruppierungen aus den Staaten der früheren Sowjetunion und arabisch-stämmige Clans. Zu den Clans will die Polizei im Frühjahr 2020 eine eigene Analyse vorstellen. Die erfassten Schäden lagen bei insgesamt knapp 100 Millionen Euro. Der tatsächliche Schaden liege aber noch deutlich höher, sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD). Kaum Aktivitäten registrierten die Ermittler hingegen von der italienischen Mafia. LKA-Abteilungsleiter Laudan sagte, das hänge auch mit der Historie zusammen. Die italienische Mafia sei im Süden Deutschlands aktiv, Gruppen aus der ehemaligen Sowjetunion schon immer in Berlin.

„Sehr hohes Maß an Konspiration und innerer Abschottung“

Mit zwölf OK-Verfahren gegen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion macht deren Anteil mehr als 20 Prozent an allen OK-Verfahren in Berlin aus. Die Russisch-Eurasische Kriminalität sei „durch ein sehr hohes Maß an Konspiration und innerer Abschottung gekennzeichnet“, heißt es in dem Lagebericht. Neben dem zentralen Aspekt der „Gewinnmaximierung“ ist Gewalt ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil des Modus Operandi.

Als Beispiel nennen die Ermittler einen Schusswechsel im August 2018 am Tschetschenischen Kultur-Zentrum (TKZ) im Märkischen Viertel. Hintergrund der Auseinandersetzung dürften die langfristigen Rivalitäten zwischen zwei tschetschenischen Banden aus Wedding und Hohenschönhausen sein, hieß es am Mittwoch. Die Weddinger Gruppe war bereits durch eine Schießerei mit Maschinenpistolen in einem Café im März 2017 bekannt

Gegen Mitglieder arabischer Clans wurden fünf OK-Verfahren geführt. Mit vier OK-Komplexen war der Bereich der Eigentumskriminalität Schwerpunkt dieser OK-Gruppierungen. In einem Fall war die Tätergruppierung im Bereich der Rauschgiftkriminalität tätig. mit dpa