Foodwatch

In Berlin fällt jede zweite Lebensmittelkontrolle aus

Nach Erkenntnissen von Foodwatch sind die Ämter für Hygienekontrollen notorisch unterbesetzt. Besonders dramatisch ist es in Berlin.

Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur einer Fleischware.

Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur einer Fleischware.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Etwa jede dritte vorgeschriebene Lebensmittelkontrolle in Deutschland fällt nach Erkenntnissen der Verbraucherorganisation Foodwatch aus, weil es den Aufsichtsbehörden an Personal fehlt. Nach Angaben der Behörden hätten allein im Jahr 2018 etwa eine Viertelmillion der vorgesehenen Besuche bei Restaurants, Imbissen und Lebensmittelherstellern nicht stattgefunden, berichteten „Welt“ und Bayerischer Rundfunk. Ihnen lagen Ergebnisse einer Datenrecherche von Foodwatch vorab vor.

Demnach hatte Foodwatch die rund 400 Behörden, die auf kommunaler Ebene für Hygienekontrollen zuständig seien, zu ihrer personellen Ausstattung und zur Zahl ihrer Kontrollbesuche befragt. Die Verbraucherorganisation stellte die Recherche am Mittwoch in Berlin vor.

Mehr als die Hälfte der Betriebsbesuche in Berlin fällt aus

Mehr als 50 Ämter in Deutschland schafften den Umfrageergebnissen zufolge nicht einmal die Hälfte der vorgegebenen Kontrollbesuche, wie „Welt“ und Bayerischer Rundfunk vorab berichteten. Besonders eklatant seien die Behörden in Berlin und Bremen unterbesetzt. Dort seien mehr als die Hälfte der vorgesehenen Betriebsbesuche ausgefallen.

Foodwatch bezeichnet die Situation in Berlin als „katastrophal“. Die Verantwortung für die eklatante Unterbesetzung bei der Lebensmittelkontrolle trügen die Bezirksbürgermeisterinnen und -bürgermeister. „Gegen so viel politisches Versagen können die besten Kontrolleure nicht ankontrollieren“, erklärte Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker.

Behörden verstoßen massiv gegen Vorgaben

Mit mehr Personal allein ließen sich die Probleme in Berlin jedoch nicht lösen: Die Verbraucherorganisation forderte Verbraucherschutzsenator Dirk Behrendt auf, das von ihm angekündigte Transparenzsystem schnell einzuführen. „Alle Ergebnisse der amtlichen Kontrollen müssen öffentlich werden. Das schafft die dringend erforderliche Transparenz über die Situation in den Betrieben wie auch in den Behörden - und es sorgt mittelfristig für eine echte Entlastung der Kontrollämter.“

„Die Behörden verstoßen massiv gegen die Vorgaben, die den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher sicherstellen sollen“, zitierten „Welt“ und Bayerischer Rundfunk Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. „Das von Bund und Ländern angestrebte Verbraucherschutzniveau wird systematisch verfehlt.“ Dies führe auch zu Wettbewerbsnachteilen für sauber arbeitende Betriebe.