Einsatz

Personalnot bei der Feuerwehr: Kostet es Menschenleben?

Bei einem Brand in Reinickendorf musste ein Drehleiter-Fahrzeug aus einer entfernten Wache anrücken. Ein Mann starb in seiner Wohnung.

Bei einem Wohnungsbrand in der General-Woyna-Straße in Reinickendorf hat es Ende November 2019 einen Toten gegeben. Feuerwehrleute diskutieren nun, ob die dünne Personaldecke für den Tod des Wohnungsmieters verantwortlich ist.

Bei einem Wohnungsbrand in der General-Woyna-Straße in Reinickendorf hat es Ende November 2019 einen Toten gegeben. Feuerwehrleute diskutieren nun, ob die dünne Personaldecke für den Tod des Wohnungsmieters verantwortlich ist.

Foto: Feuerwehr Berlin

Berlin. Wenige Feuerwehrleute, lange Anfahrtswege und die Frage, ob ein Brandopfer hätte gerettet werden können: Bei der Berliner Feuerwehr wird gerade diskutiert, ob die Personalnot Menschenleben kostet. Grund ist ein Einsatz am 27. November an der General-Woyna-Straße in Reinickendorf. Dort brannte es in einer Einzimmerwohnung im dritten Geschoss. Eine dringend benötigte Drehleiter musste aus der zehn Kilometer entfernten Feuerwache Ranke anrücken. Wachen in der Nähe waren nicht voll besetzt oder ihre Einsatzkräfte im Einsatz.

Damals stand die Wohnung in Reinickendorf in Flammen. Vor der Feuerwehr war die Polizei vor Ort. Die Beamten sahen auf dem Balkon noch einen Mann – lebend. Die Bewohner aus angrenzenden Wohnungen hatten sich bereits selbstständig in Sicherheit gebracht. Als die Feuerwehr mit einem voll besetzten Löschfahrzeug eintraf, heißt es aus Einsatzkreisen, war der Mann nicht mehr zu sehen.

Feuerwehr-Fahrzeug um 13.57 Uhr alarmiert und 14.20 Uhr vor Ort

Laut Protokoll wurde das Drehleiter-Fahrzeug damals 13.57 Uhr alarmiert und war erst 14.20 Uhr vor Ort. Da brannte die Wohnung bereits lichterloh. Die Löscharbeiten gestalteten sich nach Angaben eines Feuerwehr-Sprechers schwierig, auch weil sich die Wohnungstür zunächst nicht öffnen ließ. Feuerwehrleute berichteten der Berliner Morgenpost, dass die Wohnung sehr vollgestellt gewesen sei. Man habe das Feuer zunächst nur über die Drehleiter und über den Balkon und später auch über die Wohnungstür erreicht. Insgesamt kämpften im Verlauf des Einsatzes 80 Feuerwehrleute gegen die Flammen. Der Mann, den die Polizisten noch lebend gesehen hatten, konnte schließlich aber nur noch tot geborgen werden.

Dringend benötigtes Drehleiter-Fahrzeug blieb in der Garage

Unter Feuerwehrleuten wird nun diskutiert, ob der Tod des Brandopfers hätte verhindert werden können, wenn alle Wachen besser besetzt wären. So war etwa die Wache Schillerpark nicht voll besetzt. Und die Wachen Charlottenburg-Nord und Suarez waren selbst im Einsatz.

Theoretisch hätte auch eine Drehleiter aus der Wache Wittenau anfahren können. Wittenau war zwar voll besetzt, das dringend benötigte Drehleiter-Fahrzeug blieb trotzdem in der Garage.

Um zu verstehen, warum manche Feuerwehrleute aufgebracht sind, muss man tiefer in die Thematik einsteigen. Denn das, was da Ende November in Reinickendorf passiert ist, hat seine Ursache in einer Umstellung innerhalb der Feuerwehr. Um die Belastung der Feuerwehrleute zu reduzieren, wurde in Berlin von einer 48-Stunden- auf eine 44-Stunden-Woche reduziert und von 24-Stunden- auf Zwölf-Stunden-Schichten umgestellt. Die Reduzierung der Wochenarbeitszeit entspricht etwa 350 Stellen – die nun aber immer mehr fehlen.

Feuerwehr: Personaldecke einfach zu dünn

Warum? In Wittenau gab es vor der Umstellung zwei „Funktionen“ mehr. Jeder Feuerwehrmann erfüllt so eine Funktion, und jedes Fahrzeug braucht eine Mindestanzahl, um ausrücken zu können. Bei einer Alarmierung zu einem Feuer fährt in Wittenau im Gegensatz zu früher nun nur noch das Löschfahrzeug und belässt die Drehleiter auf der Wache. Die Drehleiter hätte dann theoretisch von einer anderen Wache kommen müssen. Da dort aber selbst alle Kräfte im Einsatz waren, konnte nur die Wache in Ranke ein solches Fahrzeug schicken.

Aus Feuerwehrkreisen heißt es auf Nachfrage der Berliner Morgenpost, dass die Personaldecke einfach zu dünn sei. In dem speziellen Fall sei der Mieter der Wohnung aber bereits beim Eintreffen der Feuerwehr nicht mehr auf dem Balkon zu sehen gewesen. Ob er mit einer Drehleiter hätte gerettet werden können, sei fraglich.

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