Automobilausstellung

Nach Grünen-Veto: Senatorin Ramona Pop rückt von IAA ab

Der Grünen-Parteitag hatte sich gegen die Berliner Bewerbung positioniert. Wirtschaftssenatorin Pop vermeidet ein klares Bekenntnis.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop auf dem Parteitag der Grünen in Berlin.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop auf dem Parteitag der Grünen in Berlin.

Foto: Christoph Soeder/dpa

Berlin. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hat am Montag ein klares Bekenntnis zur Berliner Bewerbung um die Ausrichtung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vermieden. „Es war eine knappe Abstimmungsniederlage für den Landesvorstand, jetzt muss die entstandene Situation bewertet werden“, ließ Pop über ihre Sprecherin mitteilen. Die Senatorin habe immer betont, dass nur eine deutlich gewandelte Mobilitätsmesse eine Perspektive in Berlin habe. Allerdings seien die Zweifel daran, ob der Verband der Automobilindustrie (VDA) einen radikalen Bruch mit der klassischen IAA vollziehen und wirklich Neues schaffen will, groß, so die Sprecherin weiter.

Die Berliner Grünen hatten am Sonnabend auf ihrem Landesparteitag mehrheitlich gegen eine mögliche Ausrichtung der IAA in Berlin gestimmt. Damit sprachen sich die Delegierten auch gegen die Linie des Grünen-Landesvorstands und von Wirtschaftssenatorin Pop aus, die zuvor noch für eine IAA in Berlin geworben hatte, die nachhaltige und neue Mobilität in den Mittelpunkt stellt. „Das Zutrauen in den VDA und die Automobilindustrie sich nach Dieselskandal und dem Verschlafen von sauberen, alternativen Antrieben, deutlich zu modernisieren, wird bei den Grünen mehrheitlich nicht gesehen“, sagte Pops Sprecherin am Montag mit Blick auf das Ergebnis. Berlin allerdings sei heute schon Vorreiter, was moderne Mobilität und Nachhaltigkeit angeht, davon könnten andere auch profitieren, so die Sprecherin.

Automobilverband: Berlin bei IAA weiter im Rennen

Neben Berlin buhlen auch zahlreiche andere Städte um die Ausrichtung der IAA ab 2021. Im ersten Quartal des neuen Jahres will der VDA entscheiden, welche Stadt den Zuschlag erhält. Ein Sprecher des Verbands betonte am Montag, Berlin sei weiter im Rennen. Mit Blick auf den Parteitagsbeschluss der Grünen sagte er: „Für uns ist der Ansprechpartner der Regierende Bürgermeister von Berlin. Mit ihm haben wir besprochen, wie die IAA die Mobilität von morgen auf die Straße zum Bürger in die Stadt bringen will.“

Die Berliner Wirtschaft hingegen übte scharfe Kritik an dem IAA-Veto der Grünen. „Mit ihrem Widerstand gegen die IAA schaden die Grünen dem Wirtschaftsstandort Berlin ganz erheblich. Der Anti-IAA-Kurs schmälert die Chance für Berlin, sich als Metropole für die Mobilität von morgen zu präsentieren“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg, Christian Amsinck am Montag. Eine neue IAA in der Hauptstadt könnte den Fokus auf umweltfreundlichen, nachhaltigen Verkehr und auf innovative Automobil-Technologien wie das autonome Fahren legen. Schon heute würden sich viele Unternehmen und Forschungseinrichtungen in der Region mit diesem Zukunftsthema beschäftigten, so der Verbandschef. „Gerade eine Senatspartei sollte die Chancen und das Gewicht dieses Wirtschaftszweigs im Blick haben“, erklärte er.

CDU: Grünen haben eigene Wirtschaftssenatorin blamiert

Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner hatte zuvor erklärt, dass eine IAA in Berlin den Messe-Standort nachhaltig stärken würde. „Mit ihrer ideologischen Brille wollen die Grünen das nicht sehen“, sagte Wegner. Mit ihrem Anti-IAA-Beschluss würden die Grünen nicht nur den Regierenden Bürgermeister bloßstellen, sondern auch die eigene Wirtschaftssenatorin blamieren, so der Berliner CDU-Chef.

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