Weihnachtsshopping

Berlin am zweiten Advent im Einkaufsrausch

Die Shoppingcenter am Alexanderplatz und in der City West waren gut besucht. Viele der Kunden kamen von weit her.

Einkaufen in Begleitung von Engelsfiguren: Kunden in der Mall of Berlin am Leipziger Platz.

Einkaufen in Begleitung von Engelsfiguren: Kunden in der Mall of Berlin am Leipziger Platz.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Das Wetter war mit dem Berliner Einzelhandel im Bunde. Kurz vor 13 Uhr setzte der Regen ein. Wenig später öffneten sich die Türen vieler Shopping-Center, Möbelhäuser und Fachmärkte in der Stadt. Es war der Startschuss zum ersten verkaufsoffenen Sonntag im Advent.

Auch Galeria Kaufhof am Alexanderplatz beteiligte sich. „Jestern war ooch schon so voll“, rief ein Wachmann am Eingang dem anderen zu, während die Kunden ins Haus strömten. Viele englischsprachige Stimmen waren zu hören. Philippa Hayer und Lesley Davis waren aus London nach Berlin gekommen. Lange standen sie an den Regalen mit Pralinenschachteln, Schokoladentafeln und Keksen im Erdgeschoss. „Schokolade ist besser und billiger hier“, meinten beide Engländerinnen übereinstimmend. Nach der Schokolade nahmen sie Kurs auf die Schuhabteilung. „Später wollen wir noch eine Sightseeing-Tour machen“, erzählten sie.

Viel Andrang herrscht im Beauty-Bereich

Zwei farbenfrohe Nussknacker, jeder etwa 30 Zentimeter groß, stellte eine junge Frau aus Kopenhagen auf den Tisch an der Kasse. Ihre vierjährige Tochter hatte die beiden Holzfiguren ausgesucht. „Zuhause haben wir ein 50 Zentimeter großes Exemplar“, erzählte die Dänin. „Wir sind in jedem Jahr vor Weihnachten zum Einkaufen in Berlin.“ Was sie kaufen? „Alles – Schuhe, Kleidung, Spielzeug.“ Fünf Tage haben Mutter und Tochter in Berlin verbracht. Am Sonntagabend ging es zurück in die dänische Hauptstadt. Gut besucht war auch der Beauty-Bereich der Galeria Kaufhof. Frauen und Männer besprühten Handgelenke oder schmale Papierstreifen mit den verschiedensten Parfums und schnupperten daran.

Trotz des Nieselregens hatten auch die Stände des Weihnachtsmarktes auf dem Alexanderplatz regen Zulauf. Rauchschwaden stiegen dort auf, wo Brat- und Currywurst, Maiskolben und Crêpes verkauft wurden. Gut gestärkt machte sich so mancher Kunde vom Kaufhof auf den Weg zum nahe gelegenen Shopping Center Alexa, vorbei an Karussells, Buden und der großen Weihnachtspyramide.

Gesellschaftsspiele – „Damit wir fit im Kopf bleiben“

Gegen 14 Uhr war das Einkaufszentrum bereits gut besucht. Im Modegeschäft im Erdgeschoss suchten sich die Besucher vor allem Jacken, Blusen und T-Shirts aus. In der großen Buchhandlung wurden Romane und Reiseliteratur gekauft. Zwei Gesellschaftsspiele hatte sich ein älteres Ehepaar aus Mitte ausgesucht. An einem Tisch mit Bändern und Weihnachtspapier wurden sie von einer Mitarbeiterin sorgfältig verpackt. „Wir sind durch Zufall hier“, erzählten die beiden Berliner. „Vorhin waren wir auf mehreren Weihnachtsmärkten unterwegs. Jetzt geht es weiter zu den nächsten Märkten.“ Schließlich sei die Zeit knapp, und sie wollten die schöne Adventsstimmung ausgiebig genießen. „Morgen müssen wir wieder arbeiten.“ Die Spiele seien für die ganze Familie bestimmt, für Kinder ebenso wie für die Erwachsenen. „Damit wir fit im Kopf bleiben", sagen sie.

Von vorweihnachtlichem Stress war in dem großen Center wenig zu spüren. Die Tische des Cafés im ersten Obergeschoss waren besetzt, ebenso die Bänke und Sessel auf den langen Fluren. Dort machte auch Vu Phna eine kurze Pause während des Einkaufs. Der 25-Jährige aus Lichtenberg hatte rote und silberfarbene Weihnachtskugeln erworben. Schuhe wolle er später noch anprobieren, erzählte der junge Mann.

Bettdecken und Kopfkissen sind auch gefragt

Gedränge herrschte auch in der City West: Viele Berliner und Touristen nutzten die Gelegenheit zum Einkaufen oder um nach einem passenden Geschenk zu suchen. Gegen 15 Uhr bewegte sich ein dichter Menschenstrom durch die Türen des KaDeWe am Wittenbergplatz. Hochwertige Taschen waren am verkaufsoffenen Sonntag besonders gefragt, vor der Auslage hatte sich eine Menschentraube gebildet.

Aber viele Kunden trugen auch Taschen mit Bettdecken und Kopfkissen aus dem Kaufhaus. Er habe eine Decke und einen Weihnachtsstern als Geschenk gekauft, erzählte ein älterer Mann aus Zehlendorf. Aufmerksamkeit fanden auch die dicht geschmückten, hohen Weihnachtsbäume im Erdgeschoss. Sie waren über und über mit farbigen Kugeln und Weihnachtsfiguren behängt. „Die Bilder will ich verschicken“, erzählte ein Schöneberger, der mit einem großen Apparat Fotos von den Baumkugeln machte. Eigentlich sei er gekommen, weil er mit vorweihnachtlichen Rabatten im KaDeWe gerechnet habe. Doch für das Oberhemd musste er den vollen Preis bezahlen.

In der Spielwarenabteilung fanden die Figuren aus dem Film „Die Eiskönigin“ großes Interesse bei Kindern und Eltern. An einem Tisch saßen Mädchen und Jungen und malten Bilder der Filmhelden aus. Auch Bücher waren gefragt. In den Sesseln saßen Kunden und blätterten in Bildbänden und Romanen. Vor den Regalen mit Kinder- und Jugendbüchern prüfte eine Familie ihre Einkaufsgutscheine. „Die Abenteuer des Apollo“ von Rick Riordan und „Edison: Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes“ wählten sich Sohn und Tochter aus.

Händler sind erstmal zufrieden

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg zog eine positive Bilanz des ersten verkaufsoffenen Sonntags. „Bisher sind wir sehr zufrieden“, sagte Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen am späten Sonntagnachmittag. Die Händler zögen bislang ein positives Fazit, „sowohl mit dem Verlauf der Woche als auch mit dem verkaufsoffenen Sonntag am zweiten Advent.“ Das Wetter sei vor allem für den Besuch von Einkaufszentren und Warenhäusern geeignet gewesen. „Man war im Trocknen. Die meisten Geschenke werden jetzt schon gut nachgefragt, also Uhren, Schmuck, Juwelen und Spielzeug.“ Auch Gutscheine seien massenweise verkauft worden. „In Berlin und Brandenburg ist eine Zufriedenheit bei den Händlern zu spüren. In der Tendenz liegen wir über dem Vorjahresergebnis, so wie wir es auch erhofft haben.“ Dies treffe vor allem für die City West und den Alexanderplatz zu.

Der vierte Advent, der zweite verkaufsoffene Sonntag in diesem Dezember, könnte für den Einzelhandel dann zum stärksten Tag des Jahres werden, so Busch-Petersen weiter. „Das ist zwei Tage vor Heiligabend. Wir können davon ausgehen, dass die Geschäfte dann einen sehr, sehr guten Zulauf haben.“

Weihnachtsmärkte spielen eine wichtige Rolle

Touristen spielten eine große Rolle, gerade an den Adventswochenenden, so der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. „Dazu trägt auch die Stimmung der Weihnachtsmärkte bei. Wenn etwas los ist, profitiert auch der Handel davon.“ Doch nicht nur in Berlin, auch in Brandenburg profitierten Händler und Kunden von dem offenen Sonntag. Es gebe auch gute Rückmeldungen aus Frankfurt (Oder) und Brandenburg/Havel, „über alle Branchen.“ Die Nachfrage nach Textilien schätzte Busch-Petersen sowohl in Berlin als auch in Brandenburg jedoch als „noch ausbaufähig“ein. Aber das sei auch in den vergangenen Jahren so gewesen. „Zu Beginn der Adventszeit werden erst einmal die kleinen Geschenke gekauft. Das wandelt sich sicherlich im Laufe der nächsten Woche.“

Am 22. Dezember ist der nächste verkaufsoffene Sonntag in Berlin. Anlass sind wieder die zahlreichen Weihnachtsmärkte in der Stadt, aber auch das Louis Lewandowski Musik-Festival, das am 19. Dezember beginnt und in diesem Jahr im Zeichen des musikalischen Lebens der Jüdischen Gemeinden Süddeutschlands steht. Dessen großes Abschlusskonzert findet am vierten Advent statt.