Verkehr in Berlin

S-Bahnen und U-Bahnen in Berlin fallen öfter aus

Es gibt immer mehr Baustellen und marode Wagen. Die BVG dünnt die Takte aus, um pünktlich zu bleiben.

550.000 Kilometer fielen in den ersten zehn Monaten 2019 bei Berlins U-Bahnen aus.

550.000 Kilometer fielen in den ersten zehn Monaten 2019 bei Berlins U-Bahnen aus.

Berliner, die regelmäßig mit S- und U-Bahnen unterwegs sind, spüren es schon länger: Die Züge fahren seltener, und wenn sie kommen, sind sie voller als früher. Neue Zahlen belegen jetzt diesen Eindruck. Tatsächlich fuhren in den ersten zehn Monaten des Jahres 2019 deutlich weniger S- und U-Bahnen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Bei der S-Bahn stieg die Zahl der ausgefallenen Zugkilometer von 1,65 Millionen Kilometer auf 2,3 Millionen Kilometer, ein Plus von fast 40 Prozent. Die U-Bahn der BVG meldet für die gleichen Zeiträume Ausfälle von 555.000 Kilometern 2019 im Vergleich zu 418.000 Kilometer, auch hier ein Anstieg von 32 Prozent. Diese Zahlen ergeben sich aus Antworten der Senatsverkehrsverwaltung auf zwei Anfragen des SPD-Verkehrsexperten im Abgeordnetenhaus, Tino Schopf, von 2018 und aus dem November 2019.

BVG und S-Bahn in Berlin: Das eingeschränkte Angebot funktioniert einigermaßen zuverlässig

Trotz oder gerade weil sie seltener fahren, verkehren die U-Bahnen nicht weniger pünktlich als im vergangenen Jahr. 98,4 Prozent der Fahren verliefen wie geplant, sogar etwas mehr als 2018. Das lag aber eben auch daran, dass die BVG den Takt ausgedünnt hatte, um dieses eingeschränkte Angebot zuverlässig erbringen zu können. Auch bei den Straßenbahnen der BVG haben sich die Ausfälle erhöht, die Pünktlichkeit ist aber fast gleich geblieben, jede zehnte auf dem Fahrplan stehende Tram kam nicht rechtzeitig, ebenso wie im Vorjahr.

Bei der S-Bahn liegen laut Senatsverkehrsverwaltung vier von fünf Ausfällen in der Verantwortung der S-Bahn Berlin GmbH. Staatssekretär Ingmar Streese berichtet von „Fahrzeugstörungen und unbesetzten Schichten“ von Mitarbeitern, die einen „erheblichen Anteil“ an den Ausfällen hätten. Nur jeder zehnte Zugausfall geht demnach auf externe Ursachen wie extreme Witterung, Polizei- oder Notarzteinsätze zurück.

Die S-Bahn Berlin kann nach Angaben einer Sprecherin die Zahlen des Senats nicht nachvollziehen. Die Ausfälle seien in diesem Jahr gesunken. Auch sei man nicht für mehr als 80 Prozent der Ausfälle verantwortlich, wie das Staatssekretär Ingmar Stresse (Grüne) dargestellt hat. Die meisten Züge fielen wegen Bauarbeiten aus, für die die S-Bahn selbst nichts könne.

Beim Verkehrsverbund berlin-Brandenburg verwies eine Sprecherin darauf, dass die durch Baumaßnahmen verursachten „Minderleistungen“ in der Regel vorab kommuniziert und durch Ersatzverkehre kompensiert würden. So seien diese Ausfälle für die Fahrgäste zumindest planbar.

Gründe für Zugausfälle bei der U-Bahn sind die alten Wagenflotten und Vandalismus

Im Falle der U-Bahn nennt der Staatssekretär ähnliche Gründe: längere Werkstattstandzeiten wegen der alten Flotte, die Beseitigung von Graffiti und der Ausfall von 58 der 70 Wagen der Baureihe F79, bei denen Risse festgestellt wurden.

Der SPD-Verkehrsexperte Tino Schopf zeigte sich nicht überrascht von dem Ergebnis seiner aktuellen Anfrage im Vergleich zu der aus dem Vorjahr. „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass bei der S-Bahn weniger Züge fahren“, sagte Schopf. Das Unternehmen sei bemüht, sein Netz „auf Vordermann“ zu bringen.

Seit Jahren fährt Berlin seine U-Bahnen auf Verschleiß

Seine U-Bahnen habe Berlin jahrzehntelang auf Verschleiß gefahren, sagte Schopf. Deswegen sei es wichtig, so schnell wie möglich neue Wagen zu beschaffen. Das Kammergericht solle rasch seine Entscheidung fällen über die Klage des Herstellers Alstom gegen die Vergabe eines Auftrags über 1500 neue U-Bahnwagen an das Unternehmen Stadler. Es wäre eine Katastrophe für die Berliner Nahverkehrskunden, wenn die BVG das Ausschreibungsverfahren von vorne beginnen müsste, warnte der Sozialdemokrat.

Mit neuen Wagen allein sei es aber für die Berliner U-Bahn nicht getan, warnte Schopf. Auch viele Tunnel vor allem im Westteil der Stadt seien marode, der Sanierungsbedarf erreiche 1,5 Milliarden Euro. Hier müsse Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) zusehen, dass sie Berliner Projekte über das neue Gemeindefinanzierungsgesetz des Bundes bezahlt bekomme. „Da sollten wir so schnell wie möglich Anträge einreichen“, sagte Schopf.

Busse bleiben das unpünktlichste Verkehrsmittel in der Stadt

Grundsätzlich unterstützt Schopf ebenso wie andere Verkehrspolitiker der Koalition die Strategie der Verkehrsunternehmen, lieber den Fahrplan auszudünnen und so einen stabilen Takt zu gewährleisten. BVG-Sprecher Markus Falkner sagte, die Zuverlässigkeit der U-Bahn liege bei über 98 Prozent. Die Ausfälle von mehr als 500.000 Zugkilometern müsse man in Relation sehen zu den 22 Millionen Kilometern, die die U-Bahnen pro Jahr insgesamt zurücklegten. „Bei unserer alten Flotte ist das eine ordentliche Leistung“, sagte der Sprecher. Allein zehn bis 15 Prozent der Ausfälle bei der U-Bahn seien auf Graffiti zurückzuführen. Das seien doppelt so viele wie im Vorjahr. „Hier fehlt uns die gesellschaftliche Ächtung von dieser Art von Vandalismus“, sagte der BVG-Sprecher.

Die Pünktlichkeit im öffentlichen Personennahverkehr in Berlin hat sich nicht wirklich verändert gegenüber dem Vorjahr. Bei den Bussen waren 87 Prozent aller Fahrten pünktlich, im Vorjahr waren es 86,8 Prozent. Vor allem in der oft zu gestauten Innenstadt blieben Busse deutlich öfter hinter dem Fahrplan zurück. So waren nur vier von fünf Bussen der Linien M48 und 200 pünktlich unterwegs.