Jocelyn B. Smith

„Musik ist die Sprache des Herzens“

Die Jazzsängerin startet die Initiative „Songs of Substance“ für mehr Werte in der Musik. Unterstützung erhält sie von Sawsan Chebli.

Jocelyn B. Smith wurde für ihr Engagement schon mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Jocelyn B. Smith wurde für ihr Engagement schon mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Anfang des Jahres hatte Jazzsängerin Jocelyn B. Smith eine Idee. Was, wenn sie sich mit ihren Studenten an der Hochschule der populären Künste (hdpk) mit dem Einfluss von Songtexten auf unsere Gesellschaft auseinandersetzen würde? Könnte man im Gespräch mit den Komponisten von morgen Einfluss nehmen auf das, was wir jeden Tag ungefiltert konsumieren? Könnte man einen Unterschied machen, statt hinzunehmen, dass unsere Kinder ganz selbstverständlich mit sexistischen oder rassistischen Textzeilen aufwachsen?

Aus der Idee entstand erst ein Seminar und später die Initiative „Songs of Substance“. Am kommenden Dienstag startet die Aktion offiziell im Roten Rathaus mit Unterstützung und einem Grußwort von Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Die beiden Frauen kennen sich, seitdem die Amerikanerin und die Politikerin 2018 schon einmal für Smith’ Initiative „Shine A Light“ für Humanität und Toleranz zusammen gearbeitet haben.

Die 59-jährige gebürtige New Yorkerin lebt seit Mitte der 80er-Jahre in Berlin und wurde im vergangenen Jahr von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für ihr musikalisches und soziales Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Unter anderem setzte sich Jocelyn B. Smith in der Vergangenheit mit ihrem Musikprojekt „Higher Love“ für ein weltweites Verbot von Streumunition und Landminen ein und gründete den Verein „Yes We Can“ für Hilfe von Kriegsopferkindern.

Mit „Songs of Substance“ gegen Rassismus und Sexismus

Inspiriert von den Auswirkungen von Woodstock soll die Initiative „Songs of Substance“ nun ein Weckruf und eine Aufforderung sein, um Künstler daran zu erinnern, dass sie es schon einmal geschafft haben mit ihren Fähigkeiten und Werkzeugen zu einer Veränderung beizutragen. Wie wäre es, einem Fünfjährigen einen Song mit Hip-Hop-Beat vorzuspielen, der eben nicht wackelnde Hinterteile, sondern Texte von Greta Thunberg zum Inhalt hat? „Viel zu häufig achten wir überhaupt nicht auf die Texte der Musik, die wir täglich hören, und die nachweislich einen extremen Einfluss auf uns hat“, sagt Jocelyn B. Smith.

Rassismus und Sexismus bleibt so in den Köpfen unserer Kinder hängen, weil sie das als völlig normal empfinden. Genau wie beim Essen sollen wir anfangen, mehr darauf zu achten, was wir unserem Körper und unserem Geist mit der Musik, die wir hören, zumuten.“ Nach dem Startschuss im Roten Rathaus sind verschiedene Veranstaltungen geplant – unter anderem im Rahmen der Fête de la Musique 2020. „Musik und Kunst können Menschen zum Nachdenken und zum Umdenken bringen“, so Sawsan Chebli. „Musik kann helfen, die Welt besser zu machen.“