Post zu Weihnachten

Andrang bei der Post: Acht Berliner Filialen im Test

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Post will mit Investitionen in Digitalisierung Gewinn treiben

Post will mit Investitionen in Digitalisierung Gewinn treiben

Die Post will damit ihre Kern-Geschäftsfelder rund um Paket, Brief, Express, Fracht und Logistik stärken.

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In der Vorweihnachtszeit verschicken Berliner besonders viele Pakete. Die Berliner Morgenpost hat die Wartezeiten in Filialen getestet.

Berlin. Die Deutsche Post rechnet mit einem neuen Rekord zur Weihnachtszeit: Sage und schreibe elf Millionen Pakete und Päckchen werden in ganz Deutschland dieses Jahr täglich verschickt – laut Tina Birke, Pressesprecherin der Deutschen Post DHL Group, so viel wie nie zuvor. Kein Wunder: Die Paketbranche boomt wegen des Online-Handels – immer mehr Waren werden beim Surfen im Internet gekauft, anstatt beim Bummeln durch die Stadt.

Für insgesamt rund 53 Milliarden Euro kauften die Deutschen im vergangenen Jahr Online ein. Das waren mehr als 4,4 Milliarden Euro mehr als noch 2017.

In der Vorweihnachtszeit werden zudem auch besonders viele Briefe und Karten versendet. Täglich werden Schätzungen der Deutschen Post zufolge dann deutschlandweit 65 Millionen Briefe zugestellt – mehr als doppelt so viel wie an normalen Tagen.

Um diese gewaltige Menge stemmen zu können, stellt die Deutsche Post auch dieses Jahr wieder rund 10.000 Aushilfskräfte in ganz Deutschland ein. Zusätzlich dazu wurden in Berlin 2019 900 zusätzliche Post-Mitarbeiter fest angestellt. Die packen dann unter anderem die Briefe und Päckchen in gelben Sprintern und fahren diese aus. Allein die Berliner Fahrzeugflotte wurde für die Vorweihnachtszeit um mehr als 70 Fahrzeuge aufgestockt.

DHL und Deutsche Post in Berlin: Drei zusätzliche Paketshops eingerichtet

Doch nicht immer, wenn der Postbote klingelt, ist auch jemand Zuhause, der das Paket entgegennehmen kann. Dann werden die Päckchen entweder in Paketshops – davon gibt es in Berlin insgesamt 550 – oder an Packstationen geliefert. In der Hauptstadt gibt es mittlerweile mehr als 1100 Automaten, also Packstationen, an denen Berliner Päckchen und Pakete abschicken und abholen können. Drei zusätzliche Paketshops wurden in Berlin übrigens extra für die Weihnachtszeit eingerichtet: An der Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg, an der Hermannstraße in Neukölln sowie an der Berkaer Straße in Schmargendorf.

Es kann aber auch ein gelber Zettel im Briefkasten liegen: „Die Sendung liegt in der Filiale XY zur Abholung bereit“ – und meist beginnt damit auch der Ärger. „Generell gilt: Je früher die Einlieferung der Briefe, Päckchen und Pakete, desto sicherer ist, dass die Sendung pünktlich zum Fest ankommt“, sagt zwar Tina Birke. Aber die Wartezeit in einer der rund 350 Berliner Post-Filialen kann gerade in der Vorweihnachtszeit besonders lang sein.

Dann bilden sich schnell mal Schlangen, die durch die ganze Filiale oder sogar bis nach draußen auf den Gehweg gehen können. Wartende stehen sich die Beine in den Bauch und verdrehen genervt die Augen. Und wenn dann der Vordermann lediglich wissen möchte, warum die Online-App nicht funktioniert und mit einer Erklärung rechnet, anstatt flott ein Paket aufzugeben, wird das Warten endgültig zur Geduldsprobe.

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Die Berliner Morgenpost hat sich in verschiedenen Post-Filialen in den Bezirken umgesehen und den Test gemacht: Wo muss man besonders lang warten? Und wo geht es noch relativ schnell? Ein Überblick.

In Neukölln geht es überraschend schnell

Kein Gedränge, kein Geschubse, keine genervten Blicke: In Neuköllner Post-Filialen geht es bislang noch recht zivilisiert zu. Lange Wartezeiten? Fehlanzeige. Und das, obwohl das Weihnachtsgeschäft jetzt anläuft. Kurz vor Nikolaus werden eigentlich bereits fleißig Päckchen verschickt.

Aber die Neuköllner Postfilialen scheinen auf den großen Ansturm gut vorbereitet zu sein. In der Filiale in den Neukölln Arcaden ist beispielsweise jeder Schalter besetzt – und Kunden können schnell bedient und abgefertigt werden. Und auch in der Filiale im Einkaufscenter Neuköllner Tor geht es flott. „Ich kenne das auch ganz anders, dass man lange wartet“, sagt ein Neuköllner Rentner, der hier nur Briefmarken kaufen will. Er jedenfalls freut sich über das kurze Schlangestehen. „Aber an Heiligabend sieht es bestimmt anders aus.“

In Spandau stehen die letzten noch vor der Tür der Filiale

Pünktlich zum Feierabend wächst auch die Zahl der Wartenden in der Post in den Spandau Arcaden. Die Schlange reicht bis vor die Filiale. Vorsorglich gibt es dort ein Absperrband und Schild mit der Aufschrift „Bitte hier anstellen“. „Die Situation ist unmöglich“, sagt Mario D., nachdem er sein Paket abgeholt hat. Eigentlich hätte dieses am Sonnabend bei ihm ankommen sollen. Dann fand er einen Zettel im Briefkasten mit dem Hinweis, das Paket in der Filiale abzuholen, obwohl er zu Hause gewesen sei. „Das war absolut unnötig“, sagt er. Ein anderer Spandauer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, spricht von 20 Minuten Wartezeit – und das vor dem großen Ansturm. „In Ordnung ist das nicht. Ein Paket abzuholen ist eine Handlung von drei Minuten“, sagt er. Zumindest entschädigt der Paketinhalt: Darin sind 13 Sorten Plätzchen.

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Kreuzberg: „Beschweren Sie sich bitte selbst bei der Post“

Nach fünf Minuten hat man bereits genug: Die Tür am Eingang der Filiale Bergmannstraße knarrt bei jeder Öffnung. Zehn Menschen stehen schon mittags in der Schlange. Wartezeit: 10 bis 15 Minuten. „Nachmittags geht es hinaus bis auf die Straße“, sagt Christoph (35) der eine Buchlieferung seines Geschäfts „Otherland“ abgibt. „Die Mitarbeiter sagen einem, man möge sich nicht bei ihnen, sondern bei der Post beschweren, auf sie selbst höre eh’ niemand.“

Immerhin sind alle drei Schalter besetzt. Aber schnell kommt alles ins Stocken, denn Rachele (61) will eine Erklärung, warum ihre Online-App nicht funktioniert. Prompt verlängert sich die Wartezeit, etwa für Alessa (30). Mit ihrem Kühlschrank-großen Paket voll Popcorn-Tüten ihres Start-ups steht sie 20 Minuten.

Reinickendorf: Schon zur Mittagszeit ist Geduld gefragt

Wer die Postfiliale an der Residenzstraße in Reinickendorf-Ost ansteuert, sollte grundsätzlich mehr Zeit einplanen. „Hier ist immer eine Schlange“, sagt Melanie H. „Ich habe noch nie erlebt, dass ich sofort dran gekommen bin.“ Dieses Mal muss sie nicht an den Schalter, sondern an einen der Geldautomaten. Doch auch hier heißt es: warten. Denn vor ihr steht eine ältere Dame, die verzweifelt versucht, an ihr Geld zu kommen.

So voll wie heute um die Mittagszeit sei es aber selten, sagen beide. „Ein Geldautomat ist defekt, vermutlich stehen diese Menschen auch am Schalter an“, sagt Melanie H. und ergänzt: „Am Abend würde ich diese Filiale aber meiden, da wartet man schon auf dem Bürgersteig.“ Trotz der längeren Schlange ist niemand aufgebracht, vielmehr scheinen die meisten die Wartezeit gelassen zu nehmen. Diese Gelassenheit wird in den kommenden zwei Wochen noch auf die Probe gestellt, wenn viele ihre Weihnachtspakete verschicken wollen.

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Mitte: Nur an den Automaten kommt man schnell

Voll ist es in der Postfiliale an der Müllerstraße in Mitte schon mittags. Wer nur Briefmarken benötigt, hat Glück, an den Automaten kommt jeder schnell ran. Alle anderen Kunden müssen sich in einer langen Schlange durch die gesamte Geschäftsstelle drängen. Die vier eifrigen Mitarbeiterinnen an den Schaltern können das nicht verhindern: Wer etwas von ihnen will, muss Zeit mitbringen. Viel Zeit.

Bei deutlich über einem Dutzend Menschen in der Reihe, die Pakete abholen oder Sendungen aufgeben möchten, ist Geduld gefragt. Knapp 20 Minuten habe er gewartet, sagt ein Kunde, der gerade vom Schalter kommt. „Heute ging es eigentlich. Manchmal brauche ich mehr als eine halbe Stunde. Da geht die Schlange bis vor die Tür.“ Kein bisschen besser ist die Lage in Moabit. In der Postfiliale Alt-Moabit reicht die Menschenreihe schon vor der Feierabendzeit in mehreren Windungen etwa 30 Meter weit. Vor langen Wartezeiten bleiben die Kunden auch hier nicht verschont.

Viel Zeit für irgendwelche Studien in Prenzlauer Berg

Es ist ein schmaler Grad zwischen Disziplin und stillem Groll. Julia Schreiner wusste, worauf sich einließ, als sie zum Feierabend ihr Paket in der Postbankfiliale in den Schönhauser Allee Arcaden abholen kam. „Eine Nervenprobe ist es eigentlich immer. Aber zur Adventszeit ist das die Hölle“, sagt die junge Frau nach einer Viertelstunde anstehen in der Schlange. Das gleiche Zeitmaß steht ihr noch bevor. Mindestens. Man sieht den Pulk der Wartenden im Einkaufszentrum schon von Weitem. An manchen Abenden beschreibt die Kette der Geduldigen im bestellfreudigen Prenzlauer Berg mehrere Knicke. Wo viel im Internet geordert wird, vermutet Julia Schreiner, dort müssen entsprechend viele Abholer zur Post. Wohl dem, der beim Ausharren etwas zu lesen hat.

Aber längst nicht alle besitzen das Nervenkostüm, um nach dem Feierabendverkehr noch eine halbe Stunde anzustehen. „Das hat heute kein Sinn“, murmelt ein Mann und macht beim Anblick der Schlange kehrt. Wieder andere nehmen das Warten auf die Paketübergabe oder die Versendung eines Einschreibens mit Humor. „Die könnten uns einen Drink reichen“, scherzt ein Mann im Studentenalter. „Nächstes Mal bringe ich meinen Campingstuhl mit“, sagt ein anderer. Ausweichen in die nächste Postfiliale nutzt jedenfalls nichts. Auch im Keller des Rathaus-Centers an der Breiten Straße in Pankow formen Menschen eine Kette, aber nicht geschwungen wie in Prenzlauer Berg, sondern im Zickzack-Muster. Je mehr Weihnachten naht, desto länger die Schlange, erklärt ein Rentner den Grundsatz. Es kommt vor, dass Mitarbeiter das Schott der Filiale zur Feierabendzeit herunterfahren, um den Andrang zu beenden. Wer auf der Innenseite des Schotts Platz findet, der wird auch nach Feierabend noch bedient.

Das lange Warten auf Briefmarken an der Steglitzer Schloßstraße

Gerade hält der DHL-Fahrer vor der Postfiliale an der Steglitzer Schloßstraße. Ein Paket nach dem anderen holt er aus dem Wagen, um sie in die Filiale zurückzubringen. Sie türmen sich auf der Sackkarre. „Das sind alles Pakete von Leuten, die ich nicht angetroffen habe“, sagt der junge Mann. Sie finden nun eine Nachricht im Briefkasten, dass sie sich ihr Paket selbst abholen müssen. Das ist auch ein Grund, warum die Schlange so lang ist und die Kunden bis auf die Schloßstraße stehen. Beatrice M. ist genervt. Sie brauche seit zwei Wochen Briefmarken und sei immer vor der Schlange zurückgeschreckt, erzählt die Steglitzerin. Doch nun bleibe ihr keine andere Wahl. Also hat sie Zeit mitgebracht und ihre beiden kleinen Söhne bei ihrer Mutter gelassen.

Zu wenige Mitarbeiter für die vielen Kunden in Tempelhof

Wenn es geht, meidet Petra Guhl die Postbank-Filiale in der Schöneberger Hauptstraße. Es sei meist einfach zu voll, sagt sie. Wer ein Postbank-Konto hat, hebt hier Geld ab. Pakete und Briefe aufgeben, funktioniert am Schalter. Bei 20 Wartenden und drei Mitarbeitern am Schalter bildet sich gegen 16 Uhr eine lange Schlange. Petra Guhl vermutet, dass viele nach der Schließung der Filiale in Friedenau hierher ausweichen. Als stets gut frequentiert gilt auch die Postbank-Filiale am Tempelhofer Damm, gleich neben dem Rathaus Tempelhof. Nach etwa 25 Minuten verlässt Renate Fechtner die Filiale: Ihr Päckchen hat ein Mitarbeiter freundlich entgegengenommen. Aber es seien zu wenige für so viele Kunden, sagt sie. „Aber dafür können sie ja nichts.“