Landesunternehmen

Charité-Chefs feierten in Luxusrestaurants

Berlins Universitätsklinikum muss seit Jahren sparen. Dennoch finanzierte das Unternehmen Mitarbeiter-Treffen in teuren Lokalen.

Die Klinik schreibt schwarze Zahlen. Trotzdem gibt es Kritik, wofür Geld ausgegeben wird.

Die Klinik schreibt schwarze Zahlen. Trotzdem gibt es Kritik, wofür Geld ausgegeben wird.

Foto: Jürgen Ritter / imago images

Berlins Universitätsklinikum Charité kämpft seit Jahren darum, rote Zahlen zu vermeiden. Dass dies gelungen ist, gilt als Verdienst des in diesem Herbst ausgeschiedenen Vorstandschefs Karl Max Einhäupl. Dennoch gab es auch großzügige Momente in der von Sparbemühungen geprägten Ära Einhäupl. Dazu gehören nicht nur opulente Rechnungen von externen Veranstaltungen zum Jahresabschluss samt Trinkgeldern.

Auch die Verdienste von Chefärzten mit Privatpatienten sind erheblich. Zudem sind die Prämien für Führungskräfte mit eigenen Zielvereinbarungen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das alles geht aus den Senatsantworten auf Anfragen des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor, der seit einiger Zeit verschiedene Sachverhalte in der Charité kritisch unter die Lupe nimmt.

Charité-Mitarbeiter feiern für über 7000 Euro in Luxus-Restaurants

Besonders üppig ging es 2012 zu. Da trafen sich am 23. März 72 Charité-Mitarbeiter im „Midtown Grill“ im Marriott Hotel am Potsdamer Platz, um zu feiern, dass man 2011 erstmals einen Überschuss erzielt hatte. Man ließ sich das Menü für 39,50 Euro oder Filet Mignon für 25 Euro schmecken, trank Ramazotti, Bier und Vino Nobile für 49 Euro die Flasche.

Am Ende summierte sich die Zeche auf 7003,60 Euro, inklusive Raummiete von 1850 Euro. Nach Mitternacht zogen einige weiter in den Edel-Club „Felix“ im Hotel Adlon, wo noch Gin Tonics und Biere genommen wurden. Das geht aus Bewirtungsbelegen hervor, die der Berliner Morgenpost als Kopien vorliegen.

Die Veranstaltung zum Jahresabschluss entwickelte sich zu einer Tradition. Statt in einen hauseigenen Konferenzraum luden Einhäupl, der damalige Klinikdirektor Matthias Scheller und der seinerzeitige Finanzchef Alexander Hewer regelmäßig in Restaurants ein.

600 Euro Trinkgeld aus der Spesen-Kasse der Charité

Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach listet in seiner Antwort auf Luthes Fragen die Veranstaltungen samt Kosten für den landeseigenen Klinikkonzern auf. 2013 nahmen 83 Beschäftigte teil. Die Kosten für Speisen und Getränke beliefen sich auf 5453,82 Euro, die Raummiete kam mit 1046,18 Euro hinzu.

2015 gab es wieder ein Event, das mit 4214,07 Euro zu Buche schlug. Auch das Trinkgeld von 500 Euro landete auf der Spesenrechnung. Im Jahr darauf hielten es die Manager bei Kosten von 6133,95 Euro ebenso, das Trinkgeld betrug aber 600 Euro.

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Charité feiert - FDP-Politiker Luthe sieht fehlende Kontrolle durch den Senat

FDP-Politiker Luthe hat zudem den Argwohn, dass auch Besprechungen zu Monatsabschlüssen in Restaurants stattfanden. Das legt ein „Erstattungsantrag“ aus dem November 2012 nahe. Darin bitte der Finanzchef um den Ausgleich einer Rechnung von 524,25 Euro aus dem Kettenrestaurant „Vapiano“. Der Staatssekretär bestreitet jedoch, dass es externe Monatsbesprechungen gegeben habe. Nachträglich sei festgestellt worden, dass es sich um eine Willkommensveranstaltung für Trainees gehandelt habe.

Aus Luthes Sicht sind solche Rechnungen befremdlich: „Die Großzügigkeit der Charité mit Haushaltsmitteln ist bemerkenswert, wenn locker angeblich 600 Euro Trinkgeld gegeben werden“, sagte er. Auch dass die Charité sich selbst großzügiger bewirte als der Regierende Bürgermeister es für „bedeutende ausländische Persönlichkeiten“ vorsehe, hätte den Aufsichtsgremien doch auffallen müssen.

Dass man selbst bei sechs- bis siebenstelligen Bezügen das spätere Bier im „Felix“ nicht selbst bezahle, „zeigt die fehlende Kontrolle durch den Senat“, so Luthe. Erst 2016 regelte die Charité die Erstattung von internen Bewirtungskosten. Zulässig sind nur noch 40 Euro pro Person für Essen und Getränke.

Charité-Chefärzte rechnen 200 Millionen Euro mit eigenen Privatpatienten ab

Die Ausgaben für externe Besprechungen sind jedoch ziemlich klein, wenn man sie mit den Summen vergleicht, die die Chefärzte der Charité durch die Behandlung von Privatpatienten auf eigene Rechnung verdienen. Die Einnahmen der Hochschullehrer, die Patienten privat abrechnen, betrugen zwischen 2010 und 2018 rund 236 Millionen Euro.

Die jährliche Summe sinkt, weil die Charité ihren Chefärzten solche Rechte bei neuen Verträgen nicht mehr einräumt. Dennoch teilten noch 2018 37 Chefärzte 13,2 Millionen Euro unter sich auf. Viele Berechtigte sind ausgeschieden. 2010 waren es noch 95, die zusammen mehr als 36 Millionen Euro mit ihren Privatpatienten abrechneten.

Die Charité rechtfertigt diese Praxis mit den üblichen Gepflogenheiten an Universitätskliniken. Man müsse den beamteten Professoren ermöglichen, zusätzliche Einnahmen zu erzielen, weil sie schlechter bezahlt würden als Chefärzte in privaten Krankenhäusern. Die Verteilung innerhalb der Gruppe der Begünstigten ist aber sehr ungleich. Die meisten Chefärzte erzielen Einnahmen von unter 50.000 Euro pro Jahr. Einzelne Ärzte, vor allem in der Zahnheilkunde und der Labormedizin, erwirtschaften jedoch jedes Jahr mehr als zwei Millionen Euro.

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Boni der Führungskräfte mit Zielvereinbarungen gestiegen

Dieses Geld fließt jedoch nicht vollständig auf die privaten Konten der Mediziner. Einen Teil müssen sie an die Charité abführen – für Mitarbeiter, Material und Maschinen. Auch Ärzte, die keinen alten Vertrag haben und Privatpatienten über die Charité abrechnen, erhalten dafür eine Extra-Bezahlung. Der Anteil der Mediziner aus beiden Gruppen sinkt tendenziell. Das heißt, die Charité behält mehr Geld aus den Leistungen ihrer Chefärzte. Gleichwohl flossen in der Radiologie und Nuklearmedizin 2018 noch 2,6 Millionen an acht Mediziner.

Dass der Charité-Vorstand sich bemühte, die Bedingungen für Führungskräfte attraktiv zu machen, belegt eine weitere Zahl aus den Antworten des Senats. 2019 sind mehr als vier Millionen Euro als Boni an Führungskräfte geflossen, die ihre Zielvereinbarungen erreicht haben. 2016 waren es noch 2,8 Millionen.