Prozesse

Oder-Stoß: Mehrjährige Freiheitsstrafen und Schmerzensgeld

Sie misshandelten und demütigten eine andere Frau stundenlang. Um diese Straftaten anschließend zu vertuschen, stießen die beiden angeklagten Frauen ihr Opfer in die eiskalte Oder. Am Montag ist ein Urteil gefallen.

Eine der beiden Angeklagten im Prozess um den Stoß in die Oder.

Eine der beiden Angeklagten im Prozess um den Stoß in die Oder.

Foto: dpa

Frankfurt (Oder). Im Prozess um einen lebensgefährlichen Stoß in die Oder sind zwei 31 und 19 Jahre alte Frauen am Montag am Landgericht Frankfurt (Oder) zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. Beide hatten in dem Verfahren zugegeben, eine 34-Jährige am 7. Januar dieses Jahres zunächst gemeinsam mit anderen stundenlang misshandelt, ihr Drogen verabreicht und sie kurz vor Mitternacht in die eiskalte Oder gestoßen zu haben. Sie wurden wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit besonders schwerem Raub und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Die Geständnisse hatten sich strafmildernd ausgewirkt, weil dadurch die Beweisaufnahme wesentlich verkürzt werden konnte und das Opfer als Zeugin nur kurz befragt werden musste. Das Gericht verurteilte die 31-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und acht Monaten, die 19-Jährige erhielt eine Jugendstrafe von fünfeinhalb Jahren. Zudem wurde für beide Frauen aufgrund ihrer langjährigen Alkohol- und Drogenabhängigkeit eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt festgelegt.

Ohne dass in der Beweisaufnahme die wirklichen Gründe für die Tat hatten geklärt werden können, hätten sie ihr Opfer gedemütigt, bestohlen und misshandelt, hieß es in der Urteilsbegründung. Um zu verhindern, dass die 34-Jährige sie dafür bei der Polizei anzeigte, hätten sie ihr Opfer in den nur drei Grad kalten Grenzfluss gestoßen. Den beiden Frauen sei klar gewesen, dass das Opfer hätte sterben können, sagte die Vorsitzende Richterin weiter in der Urteilsbegründung. Dass sich die 34-Jährige selbst aus der Oder retten konnte, sei "ausgesprochenes Glück", jedoch kein Verdienst der beiden jetzt Verurteilten gewesen.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht nur geringfügig unter den Strafanträgen von Anklagevertretung und Nebenklage. Die Verteidigung hatte keine konkreten Strafen beantragt. Vor Gericht war am Montag außerdem ein Vergleich geschlossen worden, wonach die beiden Verurteilten dem Opfer ein Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 6 000 Euro zu zahlen haben. Die körperlichen Verletzungen ihrer Mandantin seien zwar verheilt, die seelischen Folgen hingegen erheblich, sagte die Vertreterin der Nebenklage am Montag in ihrem Plädoyer. Panikattacken und Verfolgungswahn seien Ausdruck einer schweren Traumatisierung der Frau.