Preisverleihung

„Farbebekennen“-Award für geflüchtete Start-up-Gründer

Berliner „Farbebekennen“-Award zeichnet Flüchtlinge aus, die Start-up gegründet haben. Der Preis wurde im Roten Rathaus vergeben.

Farbe bekennen: Jurymitglieder Ramadan, Friedrich, Eko Fresh, Chebli, Kadah, Schick, Baum, Hingst, Djadda und Younosi (v.l.).

Farbe bekennen: Jurymitglieder Ramadan, Friedrich, Eko Fresh, Chebli, Kadah, Schick, Baum, Hingst, Djadda und Younosi (v.l.).

Foto: Reto Klar

Vor einigen Jahren flüchtete Beslan Kabartai vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Berlin. Und vermisste hier vor allem eins: syrischen Käse. Kurz entschlossen gründete Beslan Kabartai 2018 seine eigene Käserei, in Kooperation mit einer Molkerei in Brandenburg. Nun war er mit seinem Start-up nominiert für den Publikumspreis des Farbebekennen-Awards, den die Berliner Senatskanzlei dieses Jahr zum zweiten Mal vergibt. Ausgezeichnet werden 2019 Geflüchtete mit Gründergeist – passend zum diesjährigen Motto des Preises: „Made in Germany hat viele Gesichter“. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Mehr als 40 Gründer mit Fluchterfahrung haben sich dieses Jahr um den Preis beworben. Die drei Finalisten wurden schließlich von einer prominent besetzen Jury ausgewählt. Zu der gehörten unter anderem Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD), Rapper Eko Fresh, Ex-Fußballnationalspieler Arne Friedrich und die Schauspieler Kida Khodr Ramadan und Clemens Schick.

Online-Magazin „Fann“ verbindet zwei kulturelle Welten

Neben Beslan Kabartai gehörte auch die Somalierin Anab Mohamud zu den Finalisten. 2017 gründete sie das Projekt „Space2Grow“, das geflüchtete Frauen bei der gesundheitlichen Aufklärung unterstützt. Der dritte Finalist war Ramy Al-Asheq aus Syrien. Er hat das arabisch-deutsche Online-Magazin „Fann“ mitgegründet, das zwei kulturelle Welten dialogisch verbindet. Mittlerweile publizieren 125 Autoren aus 17 Ländern in dem Online-Magazin.

Nachdem die Jury die drei Finalisten ausgewählt hatte, konnte bis Mitte November online über den Sieger des Farbebekennen-Awards abgestimmt werden. Beslan Kabartai wurde am Sonntag im Roten Rathaus bei einer großen Gala von Füchse-Torwart Silvio Heinevetter mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.

Sonderpreis für besonderes Engagement Geflüchteter gegen Antisemitismus

Das Bühnenprogramm am Gala-Abend war hochkarätig besetzt. Katarina Barley, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, hielt eine Festrede. Das Jury-Mitglied Dunja Hayali war als Laudator anwesend, ebenso wie die Berliner Rabbinerin Gesa S. Ederberg. Sie übergab den diesjährigen Sonderpreis. Rapper Eko Fresh sowie die Sängerinnen Avia Shoshani und Noel Kharman setzten musikalische Akzente. Sawsan Chebli, Mitinitiatorin des Preises, und Fernseh-Moderator Cherno Jobatey führten als Moderatoren durch den Abend.

Farbebekennen-Award zeichnet Menschen aus, die Gesellschaft mit Ideen bereichern

Neben dem Publikumspreis wurde zudem auch ein Jury-Preis vergeben, ebenfalls dotiert mit 10.000 Euro. Erstmals wurde dieses Jahr zudem ein Sonderpreis für besonderes Engagement Geflüchteter gegen Antisemitismus verliehen. Er ist mit 5000 Euro dotiert.

Staatssekretärin Sawsan Chebli sagte: „Der Farbebekennen-Award ist für mich mehr als ein Preis – er ist vielmehr eine wichtige Botschaft, die heißt: Hören wir auf, über Geflüchtete als Problem in unserer Gesellschaft zu diskutieren.“ Der Award solle Menschen auszeichnen, „die unsere Gesellschaft mit ihren Ideen bereichern und so unserem Land, dem sie Aufnahme und Schutz verdanken, etwas zurückgeben“, so Chebli weiter.